Eröffnungshistorisch unter der Lupe: Das Gibbins-Weidenhagen-Gambit (Teil 3)

(Teil 1, Teil 2)

VI. Junghistorie

Vollständig geklärt ist die Frage nach dem Äquivalent aus Kapitel V natürlich noch nicht. Die Möglichkeit, dass der/die Gegner(in) sich von einem ungewöhnlichen Eröffnungssystem nicht oder nur wenig beeindrucken lässt und am Ende sogar kreativ und gefährlich für den GWG-Anwender fortsetzt besteht natürlich immer. Vor allem im Fernschach kann bei GWG-Anwendung nicht auf die in Teil 2 beschriebenen Effekte gebaut und gerechnet werden. Nüchternes Abwägen ist dann gefragt und die allseits bekannte Kalkulation: »Was passiert wenn ...???«

Dies kann eine ganze Menge sein, was im folgenden etwas näher beleuchtet werden soll. Doch zunächst noch etwas »neuere GWG-Historie«: Etwa ab Mitte 1983 hatte Thomas Lindemann mich als Sparringspartner für seine GWG-Forschungen auserkoren, wobei ich meist den widerspenstigen schwarzen Part übernahm und er auf weißer Seite nach ständigen Verbesserungen suchte. Dies wurde in zahlreichen Blitzpartien durchexerziert, worüber meist keine Aufzeichnungen vorgenommen wurden. ChessBase, der PC oder Computer mit Schachprogramm(en) oder auch spielstarke Brettschachcomputer mit Partiespeicherfunktion standen nicht zur Verfügung und waren damals noch nicht sonderlich weit verbreitet. Die Erkenntnisse aus den zahlreichen Blitzpartien wurden dann in dem von Volker Drüke gestarteten Themafernturnier von uns beiden angewendet. Lindemann wurde in Gruppe 9 und meine Wenigkeit in Gruppe 14 eingeteilt, die dann Ende 1983 / Anfang 1984 starteten. In der jeweiligen Gruppe wurden wir Gruppensieger und qualifizierten uns für die Zwischenrunde, wie wir zunächst dachten. Allerdings gab es von Volker Drüke's Seite nunmehr organisatorische Schwierigkeiten, sodass er beschloss die Zwischenrunde ausfallen zu lassen und ein Finale mit einer Großgruppe mit 24 Teilnehmern und nur einer Partie zwischen den Teilnehmern ausspielen zu lassen. Dies hatte mehrere Rücktritte zur Folge. Auch Thomas Lindemann trat komplett zurück und ich selbst beschloss nur gegen eine von mir per Zufall selektierte Auswahl der Endrundenteilnehmer zu spielen. Als mit wenig Taschengeld bestücktem Schüler drohten mir die Portokosten zu explodieren und als dauerhaft um die jeweilige Versetzung ringender Schüler forderten schulische Belange natürlich auch ihren Tribut. Eine weitere Befürchtung von mir war, dass die Masse der Partien eine Qualitätsminderung zur Folge haben würde (Patzereien meinerseits und Häufung von Ungenauigkeiten). Meine im privaten Minifinale gespielten Partien gingen dann natürlich nicht in die Wertung ein, da ich offiziell als disqualifiziert galt. Trotzdem spielten fast alle von mir ausgewählten Fernpartiepartner ihre Partien gegen mich zu Ende und belegten im offiziellen mit 16 Teilnehmern ausgetragenem Finale teilweise sogar sehr gute Plätze wie deren nachfolgende Erwähnung zeigt:

( )= Platzierung im Finale / M.P. Ruisdonk/NL (1) = Turniersieger, Steinhauser, H./A (3), Senft, H. (11), Buchhauser, G. (12), Fischer, A. (6), Lawatsch, H.P. (5), Kaul, H. (4), Mielke, W. (10), Hoffmann, K.D. (7)

Parallel dazu nutzte ich dann auch als eröffnungslernfauler und -schwacher Schachspieler vermehrt die mir gebotenen Möglichkeiten das GWG im Nahschach zu spielen, während Thomas Lindemann hauptsächlich im Themafernturnier gespielt hat. Im folgenden Kapitel werden nunmehr die verschiedenen Möglichkeiten, Abspiele und Varianten betrachtet, die sich in meinen eigenen oder mir zur Verfügung stehenden fremden Partien ergeben hatten.

VII. Theorie und Praxis

a) das abgelehnte GWG

Um einige Möglichkeiten von vorneherein bei der Betrachtung auszuschließen sind hier die Ablehnungen genannt, die mir in Nah- und Fernschach definitiv nirgends begegnet sind und über deren Sinn oder Unsinn auch nichts in [1] oder [2] ausgesagt wird und wo ggf. nur einzelne Partien existieren:

2...a5, 2...a6, 2...b5, 2...b6 {1 in[2]}, 2...c6 {1 in [1]}, 2...Se4 {1 in [2]}, 2...Sd5, 2...Sg8, 2...h5, 2...Sa6, 2...Sc6

Für alle anderen Ablehnungen gibt es hinreichend Beispielpartien:

a1) Die Konter und Gegengambite

2...c5 ist eine Art Benoni-Konter der giftiger ist als es auf den ersten Blick aussieht wie Pape/Jensen in [1] schreiben. Er wurde im Themafernturnier selten und im Nahschach mir gegenüber überhaupt nicht angewendet.

Tönjes, J. - Dietze, O.
corr tt Gr. 14 1983/85

1 d4 Sf6 2 g4 c5 3 g5 Sd5 4 e4 Sc7

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b s b b b b b
. . . . . . . .
. . b . . . B .
. . . B B . . .
. . . . . . . .
B B B . . B . B
T S L D K L S T

Dieser Aufbau scheint weniger geeignet zu sein um Weiß Ärger zu bereiten. In der weiteren Partiefortsetzung bekommt Weiß alles was man sich wünschen kann: Mehrbauer, Kontrolle von Zentrum und beiden Flügeln und Entwicklungsvorsprung. 5 dxc5 e5 6 Le3 Se6 7 Lc4 Sxg5 8 Sf3 Sxf3+ 9 Dxf3 f6 10 Sc3 Sc6 11 Tg1 Da5 12 Txg7 Lxg7 13 Dh5+ Kd8 14 Df7 Kc7

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t . l . . . . t
b b k b . D l b
. . s . . b . .
d . B . b . . .
. . L . B . . .
. . S . L . . .
B B B . . B . B
T . . . K . . .

15 Dxg7 Sd4 16 Dxf6 Sxc2+ 17 Ke2 a6 18 Dxe5+ 1-0

Lawatsch, H.P. - Tönjes, J.
corr Freie Partie / Endrunde 1985/87

1 d4 Sf6 2 g4 c5 3 g5 Se4 4 Lg2 Da5+ 5 c3 d5

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s l . k l . t
b b . . b b b b
. . . . . . . .
d . b b . . B .
. . . B s . . .
. . B . . . . .
B B . . B B L B
T S L D K . S T

Hier ist die Sache jetzt schon etwas garstiger angelegt, als in Tönjes-Dietze. 6 Sf3 e6 7 Lf4 Sc6 8 e3 cxd4 9 Sxd4 Sd6 10 Sd2 Sxd4 11 exd4 Ld7 12 Lf1 Lb5 13 Le2 Tc8 14 h4 Lxe2 15 Dxe2 b5 16 Sb3 Db6 17 Sc5 Sf5 18 Sd3 b4 19 0-0 bxc3 20 bxc3 Sxh4 21 Se5 Sg6 22 Tab1 Sxf4 23 Df3 Dc7 24 Dxf4 Ld6 25 Tb3 0-0 26 Tfb1 f6 27 gxf6 Txf6 28 De3 Lxe5 29 Dxe5 Tg6+ 30 Kh2 De7 31 Df4 Th6+ 32 Kg2 De8

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . t . d . k .
b . . . . . b b
. . . . b . . t
. . . b . . . .
. . . B . D . .
. T B . . . . .
B . . . . B K .
. T . . . . . .

0-1

2...e5 ist analog zur Idee von Budapester- oder Fajarowicz-Gambit. Es hat im GWG aber eine ganz eigene Dynamik. Der Wiener Herwig Steinhauser hat es im Themafernturnier gern und erfolgreich angewendet. Im Nahschach konnte ich keine Partie damit beobachten.

Beispielpartien:

In der folgenden Partie spielt Weiß zu harmlos und gerät in einem gefährlichen Angriff unter die Räder.

Buchhauser,G - Tönjes,J
corr Freie Partie / Endrunde 1985/87

1 d4 Sf6 2 g4 e5 3 g5 Se4 4 h4 exd4 5 Dxd4 d5 6 Le3 Sc6 7 Dd1 d4 8 Lf4 Lb4+ 9 Ld2 Dd6 10 Sf3 Lf5 11 Dc1 0-0-0 12 Lxb4 Sxb4 13 a3 Sc6 14 Sbd2 The8 15 Lh3 Lxh3 16 Txh3 De6 17 Th1?? Sg3

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . k t t . . .
b b b . . b b b
. . s . d . . .
. . . . . . B .
. . . b . . . B
B . . . . S s .
. B B S B B . .
T . D . K . . T

0-1

Tönjes, J. - Steinhauser, H.
corr tt Freie Partie / Endrunde 1985/87

1 d4 Sf6 2 g4 e5 3 g5 Se4 4 Lg2 Sxg5 5 dxe5 c6 6 Lf4 Lc5 7 e3 h5 8 h4 Se6 9 Lg3 g6 10 Sc3 Lb4 11 Sge2 f5 12 a3 Le7 13 Dd2 Sa6 14 Td1 Sac7 15 e4 Sg7 16 exf5 gxf5 17 Sf4 Kf7 18 Lf3 Sce6 19 Sxe6 Sxe6 20 Se2 De8 21 Kf1 b6 22 Dd3 Sg7 23 Sd4 Kg6 24 Tg1 Df7 25 Lf4+ Kh7 26 Txg7+ Kxg7 27 Sxf5+ Kf8 28 e6 Dg6 29 Ld6

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t . l . . k . t
b . . b l . . .
. b b L B . d .
. . . . . S . b
. . . . . . . B
B . . D . L . .
. B B . . B . .
. . . T . K . .

und aufgegeben. Die von mir angegebene Eventualzugfolge »29...Th7 30 Sxe7 Dxd3+ 31 cxd3 Txe7 32 exd7 Lxd7 (La6) 33 Te1! Lh3+ (Lxd3+) 34 Kg1 Tae8 35 Lxh5« hielt SF Steinhauser für überzeugend 1-0

a2) Die passiven Ablehnungen 2...g6, 2...e6 und 2...d6

sind harmlos anmutende Ablehnungen, die aber durchaus tückisch sein können. Persönlich hatte ich damit nur im Nahschach zu tun. Es existieren in [1] und [2] aber auch Fernpartien dazu.

Beispielpartie für 2...d6

Ioan, M. - Wöltjen, J.
Vereinsmeisterschaft der SF Lilienthal 1995/96, Endrunde am 22.03.1996
Gibbins-Weidenhagen-Gambit

1 d4 Sf6 2 g4 d6

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b b . b b b b
. . . b . s . .
. . . . . . . .
. . . B . . B .
. . . . . . . .
B B B . B B . B
T S L D K L S T

So verschieden die einzelnen Gegner, so verschieden sind auch die Ablehnungsarten. SF Wöltjen ist ebenfalls Individualist auf dem Schachbrett und bevorzugt diese relativ wenig gespielte, aber keinesfalls verwerfliche Ablehnung. 3 g5 Sfd7 4 Sc3 c5 5 d5 a6 6 a4 g6 7 Lg2 h6 8 h4

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
. b . s b b . .
b . . b . . b b
. . b B . . B .
B . . . . . . B
. . S . . . . .
. B B . B B L .
T . L D K . S T

Ein interessantes Motiv was SF Ioan im Auge hat. Vorläufiger Verzicht auf die Zentrumssicherung und frühzeitiges Vorantreiben der Randbauern, um Schwarz die Rochade zu verderben. Partiebeispiele für diese Systematik gibt es in [1] und [2] nicht. 8....hxg5 9 hxg5 Txh1 10 Lxh1 Se5 11 f4 Sg4 12 e4 Lg7 13 Lf3 Dd7 14 De2 e5

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s l . k . . .
. b . d . b l .
b . . b . . b .
. . b B b . B .
B . . . B B s .
. . S . . L . .
. B B . D . . .
T . L . K . S .

Der schwarze Entwicklungsrückstand beginnt jetzt ein wenig lästig zu werden. Ob SF Wöltjen noch eine Lösung für dieses Problems findet? 15 dxe6 e.p. Lxc3+ 16 bxc3 Dxe6 17 Lb2 Sc6 18 a5 Ld7 19 c4 0-0-0 20 Lc3 Te8 21 0-0-0 Nun haben beide Akteure doch noch rochiert, wenn auch sehr spät. 21...f5 22 gxf6 e.p. Sxf6 23 Te1 Df7 24 Dd3 De7 25 e5 Lf5 26 Dd2 dxe5 27 Lxc6 bxc6 28 Txe5 Df8 29 Sf3 Se4 30 De1 Txe5 31 Lxe5 Df7 32 Df1 De6 33 Dd3 De7 34 Db3 Db7 35 Sh4 Db4 36 Dxb4 cxb4 37 Sxf5 gxf5 38 Ld4 Sd6 39 Lc5 Sxc4 40 Lxb4 Kd7 41 Kd1 Ke6 42 Ke2 Kd5 43 Kd3 c5 44 Lc3 Sd6 45 Le5 c4+ 46 Kc3 Se4+

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . . . . . . .
. . . . . . . .
b . . . . . . .
B . . k L b . .
. . b . s B . .
. . K . . . . .
. . B . . . . .
. . . . . . . .

Weiß hat seinen virtuellen Vorteil wieder verspielt. Schwarz konnte alle seine Entwicklungsprobleme lösen und in der Schlussstellung dürfte die Remisbreite wirklich nicht überschritten sein. 1/2-1/2

Beispielpartien für 2...e6

Tönjes, J. - Dittler, V.
B-Klasse LSB Bremen am 04.03.1984, SF Lilienthal 2 - Werder Bremen 5

1 d4 Sf6 2 g4 e6 3 g5 Se4 4 f3 Sd6 5 e4 Le7 6 h4 h6 7 Sh3 hxg5 8 Sxg5 »Besser hxg5, wegen 8...f6 9 Sh6 Txh4.« 8...f6 9 Sh3 b6 10 Tg1 La6 11 Lxa6 Sxa6 12 De2! Dc8 13 Txg7 Db7 14 Dg2 0-0-0??

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . k t . . . t
b d b b l . T .
s b . s b b . .
. . . . . . . .
. . . B B . . B
. . . . . B . S
B B B . . . D .
T S L . K . . .

»Weiß hat zwar Initiative, aber bei genauer Abwicklung droht noch nichts vernichtendes. Allein die Angst macht es.« 15 Txe7 Txh4 16 Tg7 Sb4 17 Sa3 Se8 18 Tg8 c5 19 Ld2 Sa6 20 0-0-0 ? cxd4 21 Th1 d5 22 Dg3 Th7 23 Dg6 Dd7 24 exd5 e5 25 Dg4 Dxg4 26 Txg4 Sd6 27 Sf2 Tdd7 28 Se4 Se8 29 Tg8 Thg7 30 Txg7 Sxg7 31 Sxf6 Sc7 32 f4 exf4 33 Lxf4 Sxd5 34 Sxd5 Txd5 35 Th8+ Td8 36 Txd8+ Kxd8 37 Sb5 a6 38 Sxd4 1-0

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
. . . k . . . .
. . . . . . s .
b b . . . . . .
. . . . . . . .
. . . S . L . .
. . . . . . . .
B B B . . . . .
. . K . . . . .

Die folgende Partie wird über Zugwiederholungen und aller möglicher Versuche auf Gewinn gespielt, weil andere Teile der Mannschaft gepatzt hatten. Am Ende kommt doch nur Punkteteilung heraus.

Tönjes, J. - Lange, D.
Verbandsliga Nord HB/Niedersachsen, SF Lilienthal 1 - PSV Uelzen 1 am 7.11.1993

1 d4 Sf6 2 g4 e6 3 g5 Se4 4 Lg2 d5 5 Dd3 Sc6 6 c3 Sxg5 7 h4 Se4 8 Lxe4 dxe4 9 Dxe4 Dd5 10 Dxd5 exd5 11 Lf4 Lg4 12 Lxc7 Kd7 13 Lf4 Ld6 14 Lxd6 Kxd6 15 Sd2 The8 16 Sgf3 f6 17 Tg1 h5 18 e3 Te7 19 Sh2 Lf5 20 0-0-0 Tc8 21 a3 Sa5 22 Tde1 Tce8 23 Shf1 Sc4 24 Sg3 Lg6 25 Sxc4+ dxc4 26 Se2 Lf5 27 Sf4 Lg4 28 Kd2 g5 29 Sg2 Lf3 30 Tef1 Tg8 31 Se1 Ld5 32 f3 Teg7 33 e4 Le6 34 hxg5 fxg5 35 Th1 h4 36 f4 Th7 37 fxg5 Txg5 38 Tfg1 Txg1 39 Txg1 h3 40 Th1 Tg7 41 Ke3 Tf7 42 Sf3 Tg7 43 Th2 b5 44 Td2 Tg3 45 Kf4 Tg4+ 46 Ke3 Tg3 47 Kf2 Tg2+ 48 Ke3 Tg3 49 Kf2 Tg2+ 50 Kf1 Tg4 51 d5 Lc8 52 e5+ Ke7 53 Sd4 Tf4+ 54 Kg1 Te4 55 Sc6+ Kd7 56 e6+ Kd6 57 Sxa7 La6 58 Sc6 Lb7 59 Sd8 Lxd5 60 Sf7+ Kc5 61 Kh2 1/2-1/2

Die folgende Partie zeigt sehr schön, dass man, auch wenn der Gegner eine relativ anspruchslos und harmlos wirkende Verteidigung wählt, etwas tranig und verschlafen wirkt und scheinbar zweitklassige Züge macht, nie in der eigenen Wachsamkeit nachlassen sollte, u.U. folgt eine kalte Dusche ...

Tönjes, J. - Knippert, T.
4er-Mannschaftspokal am 12.02.1995, SF Lilienthal - SF Hannover von 1919

1 d4 Sf6 2 g4 e6 3 g5 Se4 4 f3 Sd6 5 e4 f6

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b b b . . b b
. . . s b b . .
. . . . . . B .
. . . B B . . .
. . . . . B . .
B B B . . . . B
T S L D K L S T

Soweit, so ungewöhnlich. 6 h4 b6 7 Sc3 Lb7 8 Le3 Sf7 Noch so ein krummer Zug. 9 Sh3 Lb4 10 Ld3 Sc6 11 a3 Lxc3+ 12 bxc3 d5 13 Tg1 e5 14 Dd2 Dd7 15 Sf2 dxe4 16 fxe4 exd4 17 cxd4 0-0-0 18 c3 Sd6 19 Tb1 The8 20 c4 Sxd4 21 Lxd4 Sxe4 22 Sxe4 Dxd4 0-1

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
. . k t t . . .
b l b . . . b b
. b . . . b . .
. . . . . . B .
. . B d S . . B
B . . L . . . .
. . . D . . . .
. T . . K . T .

Guten Morgen, gefällt ihnen ihre demolierte Weiße Stellung?

a3) Die Sicherheitsablehnung 2...h6

... mutet passiv an. Weiß kann wählen ob er das Gambitbauernangebot mit 3 Sc3 aufrecht erhalten, den Vorstoß 3 g5 wagen oder mittels 3 h3 oder den Bg4 sichern will. Die letzte Möglichkeit hat dann nur noch wenig mit Gambitspiel und dem GWG zu tun.

Beispielpartien für 3 Sc3:

Tönjes, J. - Weiher, Dr. U.
A-Klasse Bremen am 17.02.1991, SG Bremerhaven 2 - Stotel/Loxstedt 1

1 d4 Sf6 2 g4 h6 3 Sc3 d5 4 g5 Wenn, dann besser jetzt als 3 g5. Der schwarze Springer kann jetzt schlecht nach e4 ausweichen. 4...hxg5 5 Lxg5 Lf5 6 Lg2 e6 7 Dd2 Sbd7 8 f3 Le7 9 e4 dxe4 10 fxe4 Lg4 11 h3 Lh5 12 Sge2 c6 13 Sg3 Da5 14 Sxh5 Txh5 15 h4 0-0-0 16 Lf3 Thh8 17 0-0-0 Se5 18 De2 Sxf3 19 Dxf3 Td7 20 Td3 Dd8 21 Thd1 Sh7 22 Lxe7 Dxe7 23 d5 exd5 24 exd5 c5 25 Dg3 Sf8 26 Te3 Dxh4

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . k . . s . t
b b . t . b b .
. . . . . . . .
. . b B . . . .
. . . . . . . d
. . S . T . D .
B B B . . . . .
. . K T . . . .

27 Te8+ Td8 28 Txd8+ Dxd8 29 Dxg7 Th7 30 Dg4+ Dd7 31 Dg8 De8 32 d6 Kd7 33 Sd5 Dd8 34 Dg4+ und Zeitüberschreitung Schwarz 1-0

Ioan, M. - Rohdenburg, H.
Vereinsmeisterschaft der SF Lilienthal 1995/96, Endrunde am 19.04.1996
Gibbins-Weidenhagen-Gambit

1 d4 Sf6 2 g4 h6 Nach der Partie Tönjes - Rohdenburg, Vereinsmeisterschaft Lilienthal 1984/85 mit nach 2 ...Sxg4 3 e4 Sf6 4 e5 usw., wechselvollem Spiel und 1-0 im 56. Zug ist SF Rohdenburg scheinbar vollständig von der Gambitannahme abgegangen und bevorzugt die Ablehnung. 3 Sc3 d5 4 f3N

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b b . b b b .
. . . . . s . b
. . . b . . . .
. . . B . . B .
. . S . . B . .
B B B . B . . B
T S L D K L S T

Weiß entwickelt eine eigene Idee als Alternative zu 4 g5. Der Zug mutet etwas seltsam an, hat aber etwas für sich. Dem schwarze Springer wird das Feld e4 versperrt. In Tönjes, J. - Rohdenburg, H. Vereinsmeisterschaft Lilienthal 1985/86 folgte statt 4 f3 nun: 4 h3 e6 5 Lg2 c5 6 e3 Sc6 7 Sge2 Ld6 8 dxc5 Lxc5 9 Sf4 Dc7 10 Ld2 b6 11 Sd3 Le7 12 Sb5 Dd7 13 Sd4 Sxd4 14 exd4 Lb7 15 c3 Db5 16 Lf1 Dd7 17 Se5 Dc7 Remis 4...Sbd7 5 Lf4 a6 6 e3 c5 7 Lg2 e6 8 Sge2 cxd4 9 exd4 Sb6 10 h4 Ld6 11 b3 Dc7 12 Dd2 Ld7 13 a4 Tc8 14 Lxd6 Dxd6 15 a5 Sa8

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
s . t . k . . t
. b . l . b b .
b . . d b s . b
B . . b . . . .
. . . B . . B B
. B S . . B . .
. . B D S . L .
T . . . K . . T

Eines der 4 »denkbar günstigsten« Springerfelder auf dem Schachbrett musste angesteuert werden. 16 Sa4 Lxa4 17 Txa4 Dc6 18 c4 b5 19 axb6 e.p. Dxb6 20 c5 Ein Bauernopfer um das Spiel zu verschärfen. 20...Dxb3 21 Tb4 Da3 22 0-0 Da5 23 Db2 Dd8 24 Ta1 Sc7 25 Tb7 0-0 26 Sf4 Sd7 27 c6 Sb8 28 Db6 Dd6 29 Sd3 Sa8 30 Da7 Sxc6 31 Dxa6 Sc7 32 Db6 Sa8 33 Da7 Sc7 1/2-1/2

Beispielpartie nach 3 h3:

Lindner, B. - Godt, F.
Vereinsmeisterschaft der SF Lilienthal 1996/97, Vorrunde Gruppe B am 08.11.1996

1 d4 Sf6 2 g4 h6 Bescheidener und weniger gebräuchlich als 2...d5, aber sicherlich spielbar. 3 h3

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b b b b b b .
. . . . . s . b
. . . . . . . .
. . . B . . B .
. . . . . . . B
B B B . B B . .
T S L D K L S T

SF Lindner weiß nun gar nichts damit anzufangen und wählt eine, von Pape/Jensen in [1] relativ ausführlich erläuterte, aber gleichzeitig als sehr ruhig und kaum dem Geiste des Gambitspieles entsprechend bezeichnete Spielweise. Konsequenter ist hier 3 Sc3 und nun z.B. 3...d5 4 g5 (vgl. 4 h3 oder 4 f3) hxg5 5 Lxg5 wie z.B.in: Tönjes, J. - Krüger, R. corr 1983 TT Gr. 14; Tönjes, J. - Kraus, J. corr 1983 TT Gr. 14; Tönjes, J. - Weiher, U. vgl. 3...e6 4 Lg2 d5 5 c4 dxc4 6 Da4+ Ja, immer schön auf den Materialgleichstand achten und farblose Partien produzieren! Das ist die Grundidee des Gambitgedankens. 6...Ld7 7 Dxc4 Lc6 8 Sf3 Dd5 9 Dxd5 Lxd5 10 Sc3 Lb4 11 a3 La5 12 b4 Lb6 13 Sxd5 exd5 14 Lf4 c6 15 e3 Sbd7 16 Tc1 Tc8 17 0-0 Lc7 18 Lxc7 Txc7 19 b5 0-0 20 Tc2 Tfc8 21 Tfc1 Se8

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . t . s . k .
b b t s . b b .
. . b . . . . b
. B . b . . . .
. . . B . . B .
B . . . B S . B
. . T . . B L .
. . T . . . K .

Die allseits vereinsbekannten Bunker-, Maurer- und Riegelmanöver von SF Godt beginnen. 22 bxc6 bxc6 23 Se1 Sb6 24 Lf1 Td8? 25 Txc6 Txc6 26 Txc6 Tc8 27 Txc8 Sxc8

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . s . s . k .
b . . . . b b .
. . . . . . . b
. . . b . . . .
. . . B . . B .
B . . . B . . B
. . . . . B . .
. . . . S L K .

Ein Teilziel der Weißen Begehrlichkeiten ist jetzt trotzdem erreicht: Bauerngewinn, kompletter Turmabtausch und ein Endspiel L+S : 2S. Was soll jetzt noch dem Gewinn entgegenstehen? Sollte man denken ... 28 La6 Scd6 29 Sc2 Sc7 30 Sb4 Kf8 31 Kf1 Ke8 32 Ke2 Kd7 33 f3 Ke6 34 Kd3 Sxa6 35 Sxa6 Sc4 36 Sc5+ Nunmehr ist das Duell der noch verbliebenen Klepper und Gäule im vollem Gange. 36...Kd6 37 a4 Sa5 38 e4 f6 39 f4 Sc6 40 Sa6 dxe4+ 41 Kxe4 Se7 42 f5 Sd5 43 Sc5 Sc7 44 Sd3 Sd5 45 Sb2 Kc6 46 h4 Sc3+ 47 Kd3 Sd5

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . . . . . . .
b . . . . . b .
. . k . . b . b
. . . s . B . .
B . . B . . B B
. . . K . . . .
. S . . . . . .
. . . . . . . .

Remisgebot von SF Godt. Wieder einmal hat er sein Ziel, eine abgeriegelte Stellung, erreicht. Doch Weiß hat noch den Ehrgeiz auf den vollen Punkt. 48 Sc4 Sf4+ 49 Ke4 Sd5 50 Sa5+ Kd6 51 Sb7+ Kc6 52 a5 Sc3+ 53 Kd3 Sd5 54 Sd8+ Kb5 55 Se6 Kxa5 56 Sxg7 Kb4 57 Se6 a5

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . . . . . . .
. . . . . . . .
. . . . S b . b
b . . s . B . .
. k . B . . B B
. . . K . . . .
. . . . . . . .
. . . . . . . .

Plötzlich wird der schwarze a-Bauer noch einmal gefährlich und nun muss Weiß um das vorher angebotene Remis mühevoll kämpfen. 58 g5 fxg5 59 hxg5 hxg5 60 Sxg5 a4 61 Sf3 a3 62 Kc2 Se3+ 63 Kb1 Sxf5 64 d5 Kc5 65 Ka2 Kxd5 66 Kxa3 Remis

So kann es gehen wenn man ein Gambit zu ruhig und harmlos anlegt und den Gegner dann im Endspiel unterschätzt!

a4) Der Zentrumsgegenstoss 2...d5

... war und ist in Nah- und Fernschach die mit Abstand beliebteste und wohl auch konsequenteste Ablehnung. Hiermit wurden jeweils zahlreiche Partien gespielt, wie auch schon in den Teilen 1 + 2 ansatzweise ersichtlich wird. Hier muss schon eine feinere Unterscheidung zwischen Weißen und schwarzen Unterabspielen nach dem 3., 4. oder sogar 5. Zug gemacht werden. Hinreichend Beispielpartien sind in [1] und [2] und im Teil 2 zu finden, weshalb an dieser Stelle keine weiteren Partien mit dieser Verteidigung gebracht werden.

b) Das angenommene GWG nach 1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4

b1) ohne 3 e4

Selbst habe ich an dieser Stelle immer mit 3 e4 fortgesetzt, sodass ich hierzu keine Praxiserfahrung mit Weiß habe. Am beliebtesten scheint 3 Sc3 zu sein, wie in [1] und [2] dokumentiert wird. 3 Lg2 scheint Schwarz keinerlei Probleme zu bereiten. Als durchaus chancenreich wird 3 Lf4 in [1] beurteilt, ebenso wie 3 Lh3. Grössere Probleme bereiteten mir diese Züge allerdings nicht, wie die nachfolgenden Beispielpartien zeigen:

Beispielpartie mit 3 Lf4:

Dietze, O. - Tönjes, J.
corr tt Gr. 14 1983/85

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 Lf4 d5 4 c4

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b b . b b b b
. . . . . . . .
. . . b . . . .
. . B B . L s .
. . . . . . . .
B B . . B B . B
T S L D K L S T

Ein Aufbau analog zum Damengambit wird von Weiß gewählt. 4...dxc4 5 e3 e5 6 Lg3 Dd5 7 Sf3 exd4 8 exd4 Lb4+ 9 Sc3 c5 10 De2+ Le6 11 0-0-0 Lxc3 12 bxc3 0-0 13 Lg2 cxd4 14 Txd4 Da5 15 Se5 Dxc3+ 16 Dc2 Dxd4 17 Sxg4 Lxg4 0-1

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s . . . t k .
b b . . . b b b
. . . . . . . .
. . . . . . . .
. . b d . . l .
. . . . . . L .
B . D . . B L B
. . K . . . . T

Beispielpartien mit 3 Lh3:

Kahle, W.D. - Tönjes, J.
corr tt Gr.14 1983/85

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 Lh3 Sf6 4 d5 c6 5 Sc3 cxd5 6 Sxd5 Da5+

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s l . k l . t
b b . b b b b b
. . . . . s . .
d . . S . . . .
. . . . . . . .
. . . . . . . L
B B B . B B . B
T . L D K . S T

7 Sc3 Sc6 8 Ld2 e6 9 a3 d5 10 Sf3 a6 11 Tg1 Dc7 12 Le3 Ld7 13 Dd2 b5 14 Ld4 Sxd4 15 Dxd4 Tb8 16 b4 Tc8 17 Sd1 Dxc2 18 Se5 De4 19 Dxe4 Sxe4 20 Sxd7 Kxd7 21 f3 Sd6 22 Se3 g6 23 Sxd5 Kc6 24 Se3 Lg7 25 Td1 Thd8 26 Tg5 f5 27 Kf2 Sc4 28 Tc1 Ld4 29 Txc4+ bxc4 30 f4 c3 31 Tg1 c2 32 Kf3 Lxe3 33 Kxe3 Td1 0-1

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . t . . . . .
. . . . . . . b
b . k . b . b .
. . . . . b . .
. B . . . B . .
B . . . K . . L
. . b . B . . B
. . . t . . T .

Dietze, O. - Tönjes, J.
corr tt Freie Partie 1984/86

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d5 4 Lh3 Sf6 5 e5 Sfd7 6 e6

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t . . . . t k .
b b . . b . . b
. . . . b . b D
. . . s . . . .
. . d . B . . .
. . . . . S . .
B B B . . . . B
. . K . . . . T

Um stärkeren Angriff zu bekommen wird ein zweiter Bauer geopfert. 6...fxe6 7 Sf3 Sf6 8 Sg5 Dd6 9 De2 Sc6 10 c3 e5 11 Sa3 a6 12 Lxc8 Txc8 13 Sc2 g6 14 Le3 Lg7 15 dxe5 Dxe5 16 Sd4 Sxd4 17 cxd4 Dd6 18 h4 h6 19 Sh3 Sh5 20 0-0-0 0-0 21 Kb1 e5 22 dxe5 Dxe5 23 Dd2 Kh7 24 f4 Df5+ 25 Ka1 c6 26 Sf2 Sxf4 27 Thf1 Sh3

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . t . . t . .
. b . . . . l k
b . b . . . b b
. . . b . d . .
. . . . . . . B
. . . . L . . s
B B . D . S . .
K . . T . T . .

28 Sd3 Dxf1 29 Txf1 Txf1+ 30 Sc1 Tcf8 31 Kb1 T8f2 32 Lxf2 Txf2 33 Se2 Sg1 34 De1 Txe2 35 Dxg1 Txb2+ 36 Kc1 Txa2 37 Db6 Tb2 38 Dc7 h5 0-1

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . . . . . . .
. b D . . . l k
. . b . . . b b
b . . b . . . .
. . . . . . . B
. . . . . . . .
. t . . . . . .
. . K . . . . .

Fischer, A. - Tönjes, J.
corr tt Endrunde 1985/87

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 Lh3 d5 4 Dd3 Sf6

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b b . b b b b
. . . . . s . .
. . . b . . . .
. . . B . . . .
. . . D . . . L
B B B . B B . B
T S L . K . S T

5 Lxc8 Dxc8 6 Sc3 g6 7 Lf4 c6 8 0-0-0 Lg7 9 f3 Sbd7 10 e4 Sh5 11 Le3 dxe4 12 fxe4 0-0 13 Sce2 c5 14 Sf3 cxd4 15 Lxd4 Sc5 16 De3 Lxd4 17 Txd4 Se6 18 Td5 Sf6 19 Dh6 Dc4 20 Sed4 Sxd5 21 Sxe6 fxe6

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b b s b b b b
. . . . B . . .
. . . b . . . .
. . . B . . . .
. . . . . . . L
B B B . . B . B
T S L D K . S T

falls nun: 22 Sd2 (alles andere verliert noch mehr Material) folgt 22...Dxa2 23 exd5 Dxd5 24 Tg1 0-1

b2) nach 3 e4

Sieht man einmal von der originellen Partie Ioan-Turner 1996 aus Teil 2 mit 3...h5 ab, gliedert sich das weitere Spiel im wesentlichen nach erfolgter Annahme in folgende Hauptfortsetzungen:

b21) die Standardverteidigung 3...d6

Diese Verteidigung wurde nach meiner praktischen Erfahrung am häufigsten gespielt. Einige interessante und unterhaltsame Partien kamen in Nah- und Fernschach zu stande wie die nachfolgende Auswahl dokumentieren soll. Da ich allerdings immer mit 4 f3 fortgesetzt habe, kommen alternative Spielweisen wie 4 Df3, 4 Sc3, 4 Le2, 4 h3, 4 Lc4 natürlich hier nicht vor. Beispiele dafür sind in [1] und [2] zu finden.

Tönjes, J. - Senft, H.
corr tt Freie Partie/Endrunde 1985/87

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d6 4 f3 Sf6 5 Le3 g6 6 Sc3 Lg7 7 Dd2 0-0 8 0-0-0 Sc6 9 Lb5 Ld7 10 Sge2 e5 11 Lxc6 bxc6 12 Sg3 De7 13 d5 Tfb8 14 h4 cxd5 15 exd5 Tb7 16 h5 Tab8 17 b3 c5 18 hxg6 fxg6 19 Dd3 Lb5 20 Sxb5 Txb5 21 Lg5 Lf8 22 Se4 Lg7 23 De2 h5 24 Dd3 Kh7 25 Txh5+ 1-0

Tönjes,J - Dullaert,C
corr tt Gr. 14 1983/85

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d6 4 f3 e5 Ein Gegengambit, das ein Figurenopfer beinhaltet und für Weiß sehr tückisch werden kann. 5 fxg4 Dh4+ 6 Kd2 exd4 7 Sf3 Dxg4 8 Sxd4 Dxe4 9 c3 Le7 10 Tg1 0-0 11 Ld3 De5 12 Sf3 Dd5 13 Kc2 Lf5 14 Le3

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t s . . . t k .
b b b . l b b b
. . . b . . . .
. . . d . l . .
. . . . . . . .
. . B L L S . .
B B K . . . . B
T S . D . . T .

14...Lxd3+ 15 Dxd3 Dxf3 16 Txg7+ Kxg7 17 Ld4+ Df6 18 Dg3+ Kh8 19 Lxf6+ Lxf6 20 Df3 Sd7 21 Dxb7 Sc5 22 Df3 Le5 23 Sd2 aufgegeben 1-0

Tönjes,J - Duwe,C
Stadtliga Bremen am 12.01.1986
SF Lilienthal 1 - SG Brinkum 1

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d6 4 f3 Sf6 5 Le3 g6 6 Sc3 Lg7 7 Dd2 0-0 8 0-0-0 Sbd7 9 Lh3 Sb6 10 Lxc8 Sc4 11 De2 Sxe3 12 Dxe3 Dxc8 13 h4 Sh5 14 Sge2 c6 15 Tdg1 b5 16 Sg3 Sxg3 17 Txg3 b4 18 Se2 c5 19 h5 cxd4 20 Sxd4 Dc4 21 Sb3 Tac8 22 Tg2 a5 23 De2 De6 24 hxg6 fxg6 25 Db5 Df6 26 Dd5+ e6 27 Dxa5 Dxb2+ 28 Kd1 Db1+ 29 Sc1 Txf3 30 Da6 Tcf8 31 Dc4 Lb2

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . . . . t k .
. . . . . . . b
. . . b b . b .
. . . . . . . .
. b D . B . . .
. . . . . t . .
B l B . . . T .
. d S K . . . T

32 Dxe6+ T8f7 33 De8+ Tf8 34 Txg6+ hxg6 35 Dxg6+ Lg7 36 Dh7+ Kf7 37 Dh5+ Ke7 38 Dg5+ Ke8 39 Db5+ Kd8 40 Db6+ Ke8 41 Dc6+ Ke7 42 Db7+ Ke6 43 Dd5+ Kf6 44 Dd4+ Ke6 45 Dd5+ Remis

Auch zukünftige IM werden nicht vom GWG verschont, wie nachstehende Partie zeigt.

Tönjes, J. - Lauber, A.
Simultan des Vereinsmeisters
Lilienthal am 04.09.1992

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d6 4 f3 Sf6 5 Le3 e5 6 Dd2 exd4 7 Lxd4 Sc6 8 Lb5 Ld7 9 Lxc6 Lxc6 10 Sc3 Le7 11 0-0-0 Dd7 12 Sge2 a6 13 Sf4 0-0-0 14 h4 The8 15 Df2 Kb8 16 Kb1 g6 17 Sce2 Lxe4

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. k . t t . . .
. b b d l b . b
b . . b . s b .
. . . . . . . .
. . . L l S . B
. . . . . B . .
B B B . S D . .
. K . T . . . T

Bringt ein Figurenopfer für 3 Bauern und gestaltet die Stellung sehr dynamisch. 18 fxe4 Sxe4 19 Df3 Lf6 20 Sd5 Lxd4 21 Sxd4 Te5 22 Sf6 Sxf6 23 Dxf6 De7 24 Dxe7 Txe7 25 The1 und aus simultantaktischen Gründen lässt er sich ein Remis abschnorren 1/2-1/2

Tönjes, J. - Mielke, W.
corr tt Freie Partie/Endrunde 1985/87

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d6 4 f3 Sf6 5 Le3 Sbd7 6 Sc3 e5 7 Dd2 exd4 8 Lxd4 Le7 9 0-0-0 a6 10 Lh3 c5 11 Lxd7+ Dxd7 12 Le3 0-0 13 Dg2 Se8 14 Lxc5 Dc7 15 Ld4 b5 16 Sd5 Dd8 17 e5 Lb7 18 Lb6 Dd7 19 Sxe7+ Dxe7 20 exd6 Sxd6 21 Lc5 Tfd8 22 Dg3 Td7 23 Txd6 Txd6 24 Lxd6 De3+ 25 Kb1 Te8 26 Sh3 Lxf3 27 Sg5! 1-0

Tönjes, J. - Quass, M.
Bremer Einzelmeisterschaft 1984

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d6 4 f3 Sf6 5 Le3 Sbd7 6 Sc3 a6 7 Dd2 b5 8 Lg2 Lb7 9 Sge2 Sb6 10 b3 e6 11 Sg3 d5 12 e5 Sfd7 13 Sce2 h5 14 Sf4 h4 15 Sge2 Dc8 16 Lh3 c5 17 c3 c4 18 Kf2 a5 19 Thg1 Sb8 20 Db2 b4 21 Ld2 Sa6 22 Sg2 a4 23 Se3 Dd7 24 bxc4 Sxc4 25 Sxc4 dxc4 26 cxb4 a3 27 Dc1 Db5 28 Tb1 g6 29 Dxa3 Dc6 30 De3 Sc7 31 Sc3 Ta3 32 Tgc1 Lh6 33 f4 Sd5 34 Lg2 Tg8 35 Sxd5 Txe3 36 Sf6+ Kf8 37 Lxc6 Td3 38 Lxb7 Txd2+ 39 Ke1 Lxf4 40 Sxg8 Txh2 41 Txc4 Kxg8 42 a4 h3 43 a5 Lg3+ 44 Kf1 Tf2+ 45 Kg1 Ta2 46 a6 Lf4 47 b5 g5 48 b6 g4 49 a7 g3 50 a8D+ Kg7 51 Dxa2 1-0

b22) der Springerrückzug 3...Sf6

Fast ebenso beliebt wie 3...d6 ist dieser Springerrückzug. Wenn Weiß ihn jagt entstehen häufig Stellungsbilder, die etwas an die Aljechin-Verteidigung erinnern. Nachfolgend einige Partien damit.

Tönjes,J - Köstergarten, K.
B-Klasse Bremen am 18.03.1984
SF Lilienthal 2 - SF Leherheide 2

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 Sf6 4 e5 Sd5 5 Lg2 e6 6 c4 Sb6 7 c5 Sd5 8 Sc3 Sxc3 9 bxc3 d6 10 cxd6 cxd6 11 Lf4 d5 12 Sf3 Le7 13 h4 Sc6 14 Dc2 Ld7 15 Lf1 Tc8 16 Tb1 Dc7 17 Ld2 Sa5 18 Ld3 h6 19 Tg1 Lf8 20 h5 b5 21 Lxb5 Lxb5 22 Txb5 Sc4 23 Tb3 a5 24 a4 Dc6 25 Da2 Sb6 26 Tb5 Dc4 27 Dxc4 Sxc4 28 Ke2 Tg8 29 Lxh6 Th8 30 Lxg7 Txh5 31 Lxf8 Kxf8 32 Sd2 Sxd2 33 Kxd2 Th2 34 Tf1 Ta8 35 Kd3 Th3+ 36 Kc2 Th2 37 Kb3 Th3 38 f3 Th2 39 Td1 Tf2 40 Td3 Ke7 41 c4 dxc4+ 42 Kxc4 Ta2 43 Kb3 Tf2 44 Tc3 Ta7 45 Kc4 Ta2 46 Kb3 Tf2 47 Tb8 Td2 48 Tcc8 Td3+ 49 Kc4 Txf3 50 Te8+ Kd7 51 Tbd8+ Kc7 52 Td6 Tb7 53 Te7+ Kb8 54 Txb7+ Kxb7 55 Kb5 Tb3+ 56 Kxa5 Kc7 57 d5 exd5 58 Txd5 Tb1 59 Tc5+ Kd7 60 Tb5 Ta1 61 Tb6 Te1 62 Td6+ Kc7 63 Td5 Kc6 64 Tb5 Te4 65 Tb6+ 1/2-1/2

Tönjes, J. - Dietze, O.
corr tt Freie Partie 1984/86

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 Sf6 4 e5 Sd5 5 c4 Sb6 6 c5 Sd5 7 Lg5 c6 8 Lc4 Da5+ 9 Ld2 Dc7 10 Sf3 d6 11 Da4 b5 12 cxb6 Sxb6 13 Da5 d5 14 Le2 e6 15 Tg1 c5 16 dxc5 Dxc5 17 Dxc5 Lxc5 18 Txg7 La6 19 Sc3 Lxe2 20 Sxe2 h6 21 Sf4 Sc6 22 Sd3 Le7 23 Tc1 Sxe5 24 Sfxe5 Lf6 25 Txf7 aufgegeben

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t . . . k . . t
b . . . . T . .
. s . . b l . b
. . . b S . . .
. . . . . . . .
. . . S . . . .
B B . L . B . B
. . T . K . . .

Falls: 25...Lxe5 26.Sxe5 Sc4 27.Txc4 dxc4 28.Tc7 1-0

Tönjes, J. - Ferch, W.
Vereinspokal SG Bremerhaven am 29.01.1991

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 Sf6 4 e5 Sd5 5 c4 Sb6 6 c5 Sd5 7 Lg5 h6 8 Lh4 g5 9 Lg3 Lg7 10 Sc3 e6 11 Lg2 Sxc3 12 bxc3 Sc6 13 h4 gxh4 14 Lxh4 Se7 15 Se2 d6 16 c6! b6 17 exd6 Dxd6 18 Lg3 Dd8 19 Sf4 Sf5 20 Sh5 Dg5 21 Sxg7+ Sxg7 22 Df3 La6 23 Lxc7 Sf5 24 Lf4 Dg6 25 c7 Tc8 26 Lh3 ? Se7 27 Lf1 Lxf1 28 Kxf1 Sd5! 29 Lg3 Dc2 30 Te1 Dxa2 31 Dd3 Db3 32 Le5 f6 33 Dg6+ Kd7 34 Df7+ Kc6 35 Dxe6+ Kb7 36 Lg3 Db5+ 37 Kg2 Tce8 38 Df7 Dc6! 39 Kh2 Kc8 40 c4 Sxc7 41 d5 Dd7 42 Dxf6 h5 43 Txe8+ Txe8 44 d6! Se6 45 Df3! Kb8 46 Dxh5 Dc8 ?? 47 Dxe8 1-0

Zur Abwechslung eine Bruchlandung:

Tönjes, J. - Eckner, H.
Verbandsliga Nord HB / Niedersachsen am 11.12.1993, SF Lilienthal 1 - SF Leherheide 1

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 Sf6 4 e5 Sd5 5 c4 Sb6 6 c5 Sd5 7 Lg5 h6 8 Lh4 c6 9 Lg2 Da5+ 10 Kf1 d6 11 cxd6 exd6 12 Lg3 dxe5 13 dxe5 Le6 14 Se2 Le7 15 Sbc3 Sxc3 16 Sxc3 Sd7 17 De2 0-0 18 Le4 Sc5 19 Lc2 b5 20 Kg2 Tad8 21 Thd1 Txd1 22 Sxd1 Ld5+ 23 f3 Se6 24 Dd3 g6 25 Sc3 Td8 26 De2 Sd4 27 Df2 Lxf3+ 28 Kf1 Sxc2 29 Dxc2 Db4 30 b3 Dg4 31 Te1 Lc5 32 Tc1 Le3 33 Ke1 Lxc1 34 Dxc1 b4 0-1

Und ein weiter zurückliegendes Duell gegen die ewigen Rivalen um den Aufstieg in die Verbandsliga Nord:

Tönjes, J. - Kaufmann, H.
Stadtliga Bremen am 08.11.1985, SK Bremen-Nord 2 - SF Lilienthal

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 Sf6 4 e5 Sg8 Zurück in die Grundstellung. Dies empfahl auch FM Stefan Bücker. Wer dann das bessere Ende für sich hat muss einfach ausgespielt werden. Analysieren bringt hier nichts. 5 Ld3 e6 6 Le3 d5 7 Sf3 g6 8 h4 h5 9 Sg5 Se7 10 Df3 Sf5 Leider nicht zu verhindern. übrigens ging nicht 10.Sxf7 Kxf7 11.Lg5 Lg7 12.Df3 Kg8, falls jetzt 13.Lxg6?? folgt ...Df8!. Ansonsten droht ständig 13...Df8 nebst 14...Sf5 und das Opfer wäre vergeblich. 11 Sd2 c5 Logisch und gut. 12 c3 Db6 13 Tb1 Sc6 Der Vorteil ist jetzt auf der schwarzen Seite. 14 Lxf5 gxf5 15 dxc5 Dc7 16 Lf4 Reicht zur Deckung von e5 wegen) 16...Sxe5 17.Dg3 f6 18.Sgf3 Sxf3+ 19.Sxf3 Dxc5 20.Dg6+ Ke7 21.Sg5 fxg5 22.hxg5 Kd7 23.Le5! Auch bei anderen Zugfolgen kann Weiß ausgleichen) 17...Lg7 18.Sb3 etwa Ausgleich. 16...Lxc5 17 De2 b6 18 Sb3 Se7 19 Sd4 a6 20 Sgf3 Sg6 21 Lg5 Le7 22 Tg1 Lb7 23 a3 Dc4 24 De3 Dc7 25 Kd2 Tc8 26 Lxe7 Dxe7 27 Txg6?!

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
. . t . k . . t
. l . . d b . .
b b . . b . T .
. . . b B b . b
. . . S . . . B
B . B . D S . .
. B . K . B . .
. T . . . . . .

Ein letzter Schwindelversuch in schlechter Stellung bei beiderseitigem Zeitmangel. 27...fxg6 28 Sg5 0-0 29 Sdxe6 f4? Unnötige und ungünstige Verwicklungen für Schwarz. 30 Sxf4 Tc4??

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . . . . t k .
. l . . d . . .
b b . . . . b .
. . . b B . S b
. . t . . S . B
B . B . D . . .
. B . K . B . .
. T . . . . . .

31 Sxg6 De8 32 Sxf8 Dxf8 33 Tg1?! Für sofortiges Aus sorgt der Zug Se6!! 33...Kh8 34 Sf7+ Kh7 35 Sg5+ Kh8 36 Sf7+ Kh7 37 Dd3+ Te4 38 Sg5+ Kh8 Se6 drohte immer noch. 39 Sxe4 dxe4 40 Dd4 Df4+ 41 De3 1-0

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
. . . . . . . k
. l . . . . . .
b b . . . . . .
. . . . B . . b
. . . . b d . B
B . B . D . . .
. B . K . B . .
. . . . . . T .

Aber es reichte auch so.

Tönjes, J. - Guye, J. P.
Open de Neuchatel/CH am 24.05.1996

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 Sf6 4 e5 Sd5 5 c4 Sb6 6 c5 Sd5 7 Lg5 c6 8 Sc3 Da5 9 Ld2 Sxc3 10 Lxc3 Dc7 11 Lc4 d5 12 cxd6 exd6 13 f4 d5 14 Ld3 Sd7 15 Sf3 Sb6 16 Tg1 h6 17 b3 Ld7 18 a4 g6 19 a5 Sc8 20 b4 b6 21 Dc2 Se7 22 Sh4 0-0-0 23 axb6 Dxb6 24 Ta6 Db7 25 Kd2 Kc7 26 Tga1 Ta8 27 b5 cxb5 28 La5+ Kb8 29 Tc1 Lc6 30 Dc5 Dxa6 31 Dd6+ Kb7 32 Dc7# 1-0

b23) der Zentrumsgegenkonter 3...d5!

In diesem aggressiven Gegenkonter liegt die Ursache warum ich das GWG vorläufig ins Gambittechnikmuseum gestellt habe und z.Zt. nicht mehr in Turnierpartien anwende. Weiß hat es hier am schwersten ausreichende Kompensation für seinen geopferten Bauern zu bekommen und sein Zentrum zu verteidigen. Obwohl schon recht früh von Ulf Wokittel gegen mich angewendet wurde ich mit dieser Verteidigung glücklicherweise sehr selten konfrontiert.

Ob die von Thomas Lindemann aufgezeigte Spielweise genügt die Defizite von Weiß gegen 3...d5! auszuräumen müsste bei Bedarf näher geprüft werden. Es ist auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Beispielpartien mit 3...d5!:

Tönjes, J. - Wokittel, U.
Vereinsmeisterschaft Lilienthal am 02.05.1986

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d5 4 h3 Sf6 5 e5 Sfd7 6 Lg5 e6 soll unterbunden werden, damit Schwarz keine solide Aufstellung im Zentrum bekommt. 6...c5 7 Lg2 Da5+ 8 Ld2 Dc7 9 c3 e6 Nun hat er es doch geschafft. In der Folge entsteht eine Art französischer Aufbau ohne den Bg2 auf Weißer Seite. Dies kennt Ulf sehr gut, ergo gerät Weiß in die Defensive und verliert am Ende. 10 f4 Sc6 11 Sf3 g6 12 Dc2 c4 13 h4 h5 14 a4 Sa5 15 Sa3 Sb3 16 Ta2 a6 17 Le3 Sb6 18 Sb1 Ld7 19 Sbd2 Lxa4 20 Db1 Lb5 21 Dc2 La4 22 Db1 Dd7 23 Lh3 Lh6 24 Tg1 0-0-0 25 Sxb3 cxb3 26 Ta1 Sc4 27 Lc1 Kb8 28 Lf1 Lb5 29 Le2 Lf8 30 Lxc4 dxc4 31 Sg5 Lc6 32 Le3 Lh6 33 Ta5 Lb5 34 De4 Dc7 35 Ta3 Lc6 36 Db1 Ld5 37 Ke2 Lxg5 38 fxg5 Dc6 39 Df1 Le4 40 Df4 Lf5

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. k . t . . . t
. b . . . b . .
b . d . b . b .
. . . . B l B b
. . b B . D . B
T b B . L . . .
. B . K . . . .
. . . . . . T .

Feuerpause, Abbruch und Hängepartie. Wiederaufnahme nach 3 Tagen beim Gegner zu Hause. Auch eine Sache die man vermeiden sollte, da in nicht neutraler Umgebung das analytische Denken getrübt wird. 41 Ta5 Td5 42 Tga1 Thd8 43 Lf2 Db6 44 T5a4 Tc8 45 Tb4 Dc6 46 Tba4 Tcd8 47 Dc1 Tb5 48 Dh1 Le4 49 Dh3 Tdd5 50 De3 Lf5 51 Dc1 Txe5+ 52 dxe5 Txe5+ 53 Le3 Dg2+ 54 Ke1 Dg1+ 55 Ke2 Lg4+ 0-1

Auch in der folgenden Partie gelingt es Weiß nicht genügend Initiative für den geopferten Bauern nachzuweisen.

Hoffmann, K.D. - Tönjes, J.
corr tt Freie Partie/Endrunde 1985/87

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d5! 4 f3 Ein anderer Versuch. 4...Sf6 5 e5 Sh5 6 Le2

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t s l d k l . t
b b b . b b b b
. . . . . . . .
. . . b B . . s
. . . B . . . .
. . . . . B . .
B B B . L . . B
T S L D K . S T

Wegen dem Bf3 hat der Sh5 noch genug Zeit rechtzeitig zu verschwinden, bevor ein Doppelrandbauer entstehen kann. 6...g6 7 f4 Sg7 8 h4 h5 9 Ld3 Lf5 10 Sf3 e6 11 Sc3 c5 12 Le3 c4 13 Lf1 Sc6 14 Se2 Sb4 15 Kf2 Sxc2 16 Tc1 Sxe3 17 Kxe3 b5 18 Sc3 a6 19 Sg5 Lg4 20 Dc2 Sf5+ 0-1

10 Jahre später folgte dann die Nagelprobe vor der ich mich in der aktiven GWG-Dienstzeit immer unterbewusst gefürchtet hatte.

Tönjes, J. - Müske, M.
4er-Mannschaftspokal am 19.03.1995, SF Lilienthal - SF Salzgitter

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d5! 4 Le2 4 f3 oder 4 h3 konnten mich aufgrund der vorangegangenen Partien nicht begeistern. 4...Sf6 5 e5 Sfd7 6 e6 Wenn Schwarz zu e7-e6 kommt nimmt der Unterhaltungswert dieser GWG-Variante rapide für Weiß ab. Also sollte ein zweiter Bauer geopfert werden. 6...fxe6 7 Dd3 Sf6 8 Sf3 c5 9 Db5+ Sc6 10 Dxc5 Dd6 11 Sc3 e5 12 Dxd6 exd6 13 Lg5 e4 14 Sg1 Le6 15 0-0-0 Le7 16 f3 0-0 17 Lxf6 Lxf6 18 fxe4 Sxd4 19 exd5 Sxe2+ 20 Sgxe2

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t . . . . t k .
b b . . . . b b
. . . b l l . .
. . . B . . . .
. . . . . . . .
. . S . . . . .
B B B . S . . B
. . K T . . . T

Vorübergehend ist Materialgleichstand hergestellt. Allerdings schert auf schwarzer Seite ein Läuferpaar gegen die schimmeligen Springer und die Stellung ist offen. 20...Lg4 21 h3 Lf3 22 Th2 Lxc3 23 bxc3 Tac8 24 Td3 Tc5 25 Sd4 Lxd5 26 Sb3 Lxb3 27 axb3 Tf6 28 c4 Kf7 29 Te2 Tc7 30 Kb2 Te7 31 Ted2 Tee6 32 Kc3 g5 33 Tg2 h6 34 Tdg3 Tf5 35 Td2 Tef6 36 Tdd3 Tf4 37 Tge3 h5 38 c5 dxc5 39 Td7+ Kg6 40 Txb7 Tf3 41 Tbe7 g4 42 hxg4 Txe3+ 43 Txe3 hxg4 44 Kc4 Tf5 45 Te8 Kg5 46 Ta8 g3 47 Txa7 Kf4 48 b4 cxb4 49 Kxb4 g2 50 Ta1 Ke3 51 Tg1 Kf2 52 Td1 Kg3 53 c4 Tf1 54 Td8 Tf4 55 Td1 Tf1 56 Td8 g1D 57 Tg8+ Kf4 58 Txg1 Txg1 0-1

Ioan, M. - Tönjes, J.
Lilienthaler Vereinsmeisterschaft am 27.10.1995

1 d4 Sf6 2 g4 Ich hätte es wissen müssen. Vor einer Woche hat er sich [1] aus der Vereinsbibliothek entliehen. Allerdings ist mir diese Eröffnung durchaus ein Begriff, da ich sie selbst seit 12 Jahren mit wechselndem Erfolg angewendet habe. 2...Sxg4 3 e4 d5! Den Tag habe ich immer gefürchtet, wo jemand diese Verteidigung gegen mich angewendet hat. Nun ist mein Vereinskollege in der »glücklichen« Lage. 4 h3 Sf6 5 e5 Sfd7 6 Lg5 Verhindert 6...e6, auch 6...f6 7 Ld3! sieht für Schwarz verdächtig aus, wogegen 6...h6 7 Lh4 g5 8 Lg3 den schwarzen Königsflügel auflockert. Selbst spielte ich an dieser Stelle 6 e6 6...c5 7 Ld3 cxd4 Was Weiß nach 7...c4 für einen Plan hatte, bleibt zu klären. 8 e6 Konsequent 8...Sf6 [8...fxe6?? 9 Dh5+ g6 10 Dxg6+ hxg6 11 Lxg6#] 9 exf7+ [9 Lb5+ Sc6 10 Lxc6+ bxc6 11 exf7+ Kxf7 12 Dd4 Db6 unklar] 9...Kxf7 10 Sf3 Sc6 11 Sbd2 [11 Lb5 scheitert hier an 11...Da5+] 11...e5 12 Sh2 e4 13 Lb5 h6 14 Lh4 [14 Lxf6 Dxf6 15 Dh5+ Ke6 16 De8+ (16 Lxc6 bxc6 17 De8+ Kd6 18 Sg4 De6 -:+) Se7 -:+] 14...g5 15 Lg3 Ld6 Hier gefiel mir die Entwicklung des schwarzfeldrigen Läufers subjektiv besser, als der zusätzliche Bauerngewinn durch 16 Lxh3 16 Lxd6 DxLd6 17 Le2? e3! 18 Sdf1 exf2+!? Wie nachstehende Variante zeigt, war kurzer Prozess noch nicht möglich. [18...Db4+!? 19 c3 dxc3 20 a3! Alle anderen Züge verlieren sofort! (20 Lh5+ Kg7 21 De2 cxb2+!) (20 Lh5+ SxLh5 21 DxLh5 Kg7 22 Tb1 c2+!) Dh4 21 Sxe3 Se4 22 Lh5 Kg7 23 De2 Tf8-+] 19 Kxf2 Se4+ 20 Kg1 Sg3 21 Lh5+ Kg7 22 Df3 Sxh5 23 Dxh5 Lf5 24 Sf3 Lxc2 25 Th2 Lg6 26 Dg4 Taf8 27 Te2 Tf4 28 Dg3 Df6 29 S1h2 Lh5 30 Tf1 Tf8 31 Tef2 Se7 32 Sg4 Lxg4 33 hxg4 Sg6 34 Sd2 De6 35 Txf4 Es drohte 35...Txg4 35...Txf4 36 Txf4 Sxf4 37 Df3 De3+ Erzwingt den Damentausch bei vorteilhafter sich ergebender Bauernstruktur und 2 Mehrbauern für Schwarz. 38 Dxe3 dxe3 39 Sb3 Se6 40 Kg2 Kf6 41 Kf3 d4 42 Sc1 Sf4 43 a4 a5 44 Sb3 Sd3

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
. . . . . . . .
. b . . . . . .
. . . . . k . b
b . . . . . b .
B . . b . . B .
. S . s b K . .
. B . . . . . .
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Hierdurch werden Weiß alle Mogelchancen genommen, da jetzt alle Damenflügelbauern abgetauscht werden. 45 Sxa5 Sxb2 46 Sxb7 Sxa4 47 Sd6 Sc3 48 Sc4 Ke6 49 Sb6 Sd5 50 Sc4 Sf6 51 Sb2 Kd5 52 Sd3 Kc4 53 Se5 Kc3 54 Ke2 Sd5 Und Weiß gab auf 0-1

Den einzigen Lichtblick im 3...d5-Sektor stellt denn auch folgende Partie dar:

Lindemann, Th. - Chessmaster 3000 (Marshallstyle),
Paris / Frankreich 1995

1 d4 Sf6 2 g4 Sxg4 3 e4 d5! Fast überflüssig zu erwähnen das fast alle Schachcomputer und -programme diesen Zug spielen 4 Sc3 dxe4 5 Lg5 Lf5 6 f3 Weiß versucht eine analoge Spielweise zu den Aufbauten, die aus dem Blackmar-Diemer-Komplex gut bekannt sind. 6...exf3 7 Dxf3 Dc8 8 0-0-0 g6 9 Sge2 Sc6 10 Sg3 Lg7 11 Lb5 Ld7 12 Sce2 0-0 13 h4 f6 14 Ld2 Sd8 15 Lxd7 Dxd7 16 h5 f5 17 hxg6 hxg6 18 Tdg1 Lxd4 19 Sxd4 Dxd4 20 Se2 Dc4 21 Dh3 Kf7 22 Dh7+ Ke8 23 Dxg6+

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t . . s k t . .
b b b . b . . .
. . . . . . D .
. . . . . b . .
. . d . . . s .
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B B B L S . . .
. . K . . . T T

Sf7 24 Sf4 Dxa2 25 c3 Sf2 26 Se6 Sxh1 27 Sxf8 Sf2 28 Kc2 Da4+ 29 Kb1 De4+ 30 Ka1 Dc4 31 Dg8 Da6+ 32 Kb1 Dd3+ 33 Kc1 Se4 34 Lf4 Sf6 35 Dg7 Sd5 36 Sg6 Sxf4 37 Df8+ Kd7 38 Dxe7+ Kc8 39 Sxf4 Dd6 40 Tg8+ Sd8 41 Dg5 b6 42 Se6 Kd7 43 Sxd8 De5 44 Dd2+ Dd6 45 Tg7+ Ke8 46 Dxd6 cxd6 47 Sf7 Kd7 48 Sg5+ Kc6 49 Se6 Kb5 50 Tf7 f4 51 Txf4 Tg8 52 Tf5+ Kc4 53 Sd4 a5 54 Tb5 d5 55 Txb6 Tg1+ 56 Kc2 Tg2+ 57 Kb1 a4 58 Ka2 1-0

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
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. T . . . . . .
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b . k S . . . .
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K B . . . . t .
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verwendete Quellen: