Geglückter Saisonstart für Werder

Nachdem der dreifache Meister Lübecker SV kurz vor Saisonbeginn völlig überraschend seinen Rücktritt von der Eliteliga erklärt hat, muss die Spielzeit 2003/4 bedauerlicherweise mit 15 (statt 16) Mannschaften bestritten werden. Aus dem erwarteten Dreikampf an der Spitze ist ein Zweikampf geworden, denn eindeutige Favoriten auf den Titel sind nun die SG Porz und der SC Baden-Oos. Indes für die Bronzemedaille bzw. Qualifikation für einen Europapokal-Platz kommen schon eine ganze Reihe von Teams in Betracht, nach der frisch aufgestiegenen und hervorragend ausgestatteten Bremer SG, der Solinger SG, dem TV Tegernsee u.a. auch wieder der SV Werder. Mit zwei Neuzugängen variabler gemacht, hoffen die Werderaner in ihrer nunmehr zehnten Bundesliga-Saison, einmal mehr nominelle Nachteile durch Konstanz und »Team Spirit« wettmachen zu können - allerdings wäre eine erneute Direktqualifikation für den Europa-Pokal schon ein kleines Wunder ...

Inzwischen stieg in Hofheim bei Frankfurt für Werders Schachcracks die erste Bundesliga-Doppelrunde. Wie erhofft konnte sich der Dritte der letzten Meisterschaft gegen die beiden Newcomer Hofheim und St. Ingbert durchsetzen und mit 4:0 Mannschaftspunkten einen perfekten Saisonstart hinlegen.

Der Auftakt mit einem 6:2-Kantersieg gegen Hofheim verlief routinegemäß und unspektakulär. Drei Remisen an den Spitzenbrettern und einem verschenkten halben Punkt an Brett 8 folgten relativ glatte Gewinne von Pelletier, Schandorff und Joachim. Eine ansprechende Leistung bot zudem Großmeister Joseph Gallagher, der die hübsche Frauengroßmeisterin Jovanka Houska (England) mit einer trickreichen Sizilianischen Verteidigung überspielte.

[Photo] Etienne Bacrot spielt gegen Luke McShane

Luke McShane: Gegen St. Ingbert der Matchwinner. Foto: ef

Ganz anders als am Vortag hatte Werder am Ende seine liebe Not mit dem SC Anderssen St. Ingbert. Bei glatten Remisen von Babula, Pelletier und Joachim sowie zwei eleganten Vorstellungen von Gerlef Meins und Joe »the Bomber« Gallagher (2 aus 2) entsprechend einer komfortablen 3,5:1,5-Führung fing es eigentlich prächtig an. Doch dunkle Gewitterwolken hielten sich hartnäckig über den Positionen von Lars Schandorff und Zbynek Hracek, zu böser Letzt landeten beide in einem verlorenen Turmendspiel. Während Schandorff bald das Handtuch warf, spielte Hracek unverdrossen weiter. Wäre da nicht noch »Lucky« Luke McShane, wäre es ganz eng geworden. Werders neuer Spitzenmann erwies sich als der Matchwinner, als er in einem brisanten Zeitnot-Duell seinen französischen Konkurrenten Christian Bauer niederkämpfte. Da Hracek gegen den in der sechsten Stunde offenbar erschöpften Chi Minh Nguyen noch zur unverhofften Punkteteilung kam, wurde aus einem denkbar knappen Sieg ein etwas schmeichelhaftes 5:3.

Claus Dieter Meyer

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