Breiten- und Freizeitschach:
Nun bin ich also gewählt …

Aber was nun? Und wie soll es weiter gehen? Was ist zu tun? Ich habe mich ja um den Posten des Referenten für Breiten- und Freizeitschach förmlich gedrängt. Aber was nun? Notizen zu einem Konzept habe ich ja schon veröffentlicht. Aber ist dies alles? Nein, so eine Sache muss auch mit Leben erfüllt werden. Aber wie?

Dazu komme ich gleich. Zuerst einmal möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Volker Brandt, 38 Jahre alt, gebürtiger Schleswig-Holsteiner und Beamter im Statistischen Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein im Bereich Seeverkehrsstatistik. Mit Schach begann ich als Kind von, ich glaube, 6 oder 7 Jahren. Ich war Gründungsmitglied der Schachabteilung der F. T. Eider Büdelsdorf. Dann spielte ich für die Schachgemeinschaft Raisdorf, wo ich auch einige Zeit 2. Vorsitzender und Pressewart war. Dann verschlug es mich nach Ascheberg am den Großen Plöner See, wo ich die Schachgemeinschaft Plöner See gründete und auch ein Jahr lang 1. Vorsitzender war. Dann wurde meine damalige Frau schwer psychisch krank, geschieden werden musste sein, und es verschlug mich nach Kiel, wo ich bei der Schachgemeinschaft Kiel-Ost spielte. Schließlich verliebte ich mich neu nach Syke und spiele nun beim SC Kattenesch.

Doch zurück zum Thema: Aber was nun? Erstmal produzierte ich eine Menge an Ideen, was man so alles machen könnte. Die Betonung liegt auf könnte, denn jede Idee muss nicht sein, aber die eine, die gut ist, überzeugend ist, mit 0,00 Euro finanzierbar ist, die sollte es dann sein. Und ich muss bei dieser Gelegenheit zugeben, dass ich mich geirrt habe. Wurde doch im Weser-Report, so einem Anzeigenblatt, im Syker Teil, ein Artikel veröffentlicht, dass ich zum Referenten für Breiten- und Freizeitschach gewählt worden bin und dass ein Schachkurs für Frauen und Mädchen geplant ist. Ich wollte damit eigentlich nur einmal in dem kleinen regionalen Bereich, um Syke herum, testen, wie die Resonanz auf so ein Angebot wäre. Und nun die Überraschung: Es haben sich fünf ältere Damen, also über 55 Jahre, gemeldet, die Interesse an diesem Angebot haben. Überraschung, Überraschung. Ich telefonierte mit allen, um die Gründe für deren Interesse am Schachsport herauszufinden und folgende Punkte kristallisierten sich heraus:

  1. Man möchte geistige Fitness im Alter bewahren
  2. Man hatte schon immer Interesse am Schach
  3. Man möchte soziale Kontakte zu Gleichaltrigen gewinnen

Auf meine Frage, warum man denn nicht schon längst einem Schachverein beigetreten wäre, kamen immer die gleichen Antworten:

  1. Ich wusste gar nicht, dass es einen Schachverein im Dorf gibt
  2. Ich habe »Schwellenangst« und klischeehafte Vorstellungen von einem Schachverein, die da sind:
    • Da sitzen nur alte Männer
    • Da muss man stundenlang stillsitzen
    • Da schweigt man sich stundenlang an
    • Da gibt es keine Frauen

Hierzu stelle ich mir die folgende Fragen: Hat der Schachsport zu sehr und zu einseitig auf die Jugend gesetzt? Wenn man sich die demographische Entwicklung in Deutschland ansieht, wird es immer mehr ältere Menschen geben. Muss hier der Bereich Breitensport ansetzen? Für Jugendliche gibt es Schulschach und Kadersichtungen und Turnierserien und Extratrainingszeiten im Verein und und und … Dies ist auch alles richtig und gut, aber ich stelle mir in letzter Zeit, vor allem nach den oben angeführten Telefongesprächen, doch die Frage: Läuft der Schachsport an der Zielgruppe 38+ vorbei?

Doch zurück zum Thema: Aber was nun? Meine Lieblingsidee ist ja folgende, und die habe ich jetzt einfach mal von der Internetseite des DSB geklaut:

Schach im Bahnhof

Die Idee

In größeren Städten haben Bahnhöfe eine hohe Publikumsfrequenz. Dies gilt insbesondere für Bahnhöfe von großen Städten, sowie Umsteigebahnhöfe (Knotenpunkte). Die Idee ist nicht geeignet für kleine Gemeinden mit kleinen Bahnhöfen.

Was wird benötigt?

Besonders zu beachten:

Ich stelle mir die eigentlich ganz toll vor: An einem Sonnabend, am besten am Tag des Schach (31.08.), wird in der Wandelhalle des Bremer Hauptbahnhofes ein Schnellschachturnier veranstaltet. So sieben Runden mit 15 Minuten Bedenkzeit für jeden Spieler. Dauer von 10:30 Uhr bis 14:30 Uhr. Teilnehmerzahl müsste auf 50 begrenzt werden. Spielort wäre wie gesagt die Mitte der Wandelhalle im Bremer Hauptbahnhof. Vielleicht lassen sich ja die Geschäfte in der Wandelhalle für ein Sachpreissponsoring gewinnen? Die Wandelhalle deswegen, weil man da erstens vor Wetterunbilden geschützt wäre, zweitens dort eine ganze Menge Menschen durchlaufen, nicht nur Reisende, sondern auch Menschen, die auf der Bürgerweide geparkt haben. Man müsste auch schon in den Zügen, die nach Bremen hereinkommen, auf dieses Event aufmerksam machen. Nur 15 Minuten Bedenkzeit deswegen, weil man da schnell in eine Zeitnotphase kommt und somit es sehr schnell sehr viel »Action« auf dem Brett gibt. Vielleicht wäre es da sogar besser, dieses Turnier mit 9 Runden und 10 Minuten Bedenkzeit zu spielen. Fünf Minuten Blitz wäre zu schnell für den unbedarften Schachzuschauer, weil ich glaube, dass viele auch die Entwicklung einer Partie mitverfolgen wollen. Vielleicht wäre auch ein Demonstrationsbrett ganz schön, wo man zum Beispiel die Partie am ersten Brett darstellen könnte. Ob man wirklich die Leute zum Problemlösen oder so animieren kann, bezweifle ich.

Doch dies ist erstmal nur eine Idee, aber ich glaube eine, die ich mit Nachdruck weiterverfolgen werde …

Volker Brandt
Referent für Breiten- und Freizeitschach

2004-06-15