Was macht man denn so eigentlich als Referent für Breiten- und Freizeitschach?

Was macht man denn so eigentlich als Referent für Breiten- und Freizeitschach? Nun, ich versuche, Menschen, welche bisher kaum oder wenig Berührung mit Schach hatten, zum Schach zu bringen. Erst über die Schiene Breiten- und Freizeitsport, dann vielleicht in die Vereine.

Und nun muss ich etwas schreiben, was eigentlich meine Privatsache ist und so auf dem ersten Blick nichts mit meinen Aufgaben als Referent für Breiten- und Freizeitschach des Landesverbandes Bremen zu tun hat, aber doch auch für meine Aufgabe sehr bezeichnend und lehrreich ist!

Da passierte es eines Tages, dass sich der 1. Vorsitzende des FC Syke 01 an mich mit der Frage gewandt hat, ob ich nicht Lust hätte, in seinem bisher reinen Fußballverein eine Schachabteilung aufzubauen. Hier stellte sich mir die Frage, wie macht man so etwas bekannt und wie erreicht man die oben genannte Zielgruppe »Mensch, der bisher keine Affinität zum Schach hatte«? Vielleicht über das Internet? Zum Glück hat der FC Syke 01 eine eigene Homepage (www.fcsyke01.de) mit einem Forum. Also habe ich dort unter dem Thema »Schachabteilung!?« das folgende geschrieben und gespannt auf die Reaktion gewartet: »Der Verein ist an mich herangetreten, mit der Bitte, eine Schachabteilung innerhalb des Vereins aufzubauen! Hierzu würde ich gerne einmal auf diesem Weg erfahren, ob ein Interesse daran besteht!?

Gespannt wartete ich auf die erste Reaktion. Und sie kam prompt: »Hallo, das hört sich ja doch interessant an und ich würde mich schon dafür interessieren. Es kommt halt die zeitliche Komponente dazu. Wann, wie lange, wo? Wie läuft zum Beispiel ein Training ab, oder ein Spieltag? Ich kenne mich da überhaupt nicht aus und bin in Sachen Schach auch eher noch Anfänger. Wäre schön, hier noch mehr Stimmen dazu zu hören.«

Was zeigt diese Reaktion? Das nicht Schach sondern die Schachvereine für Außenstehende völlig unbekannte Wesen sind!! Man weiß »draußen« einfach nicht, wie es in einem Schachverein zugeht! Und das ist meiner Meinung nach auch Schuld der Schachvereine! Man zeigt sich einfach zu wenig! Jeder Golfclub hier in der Umgebung bietet »Tage der offenen Tür« an, mit Schnupperrunden und Vorführungen. Warum kann dies nicht auch ein Schachverein? Ich weiß aus meiner Zeit in Schleswig-Holstein, dass der TuS Holtenau so etwas Mal gemacht hat, mit Computerschach, Kinderschach mit Schokoladenfiguren, Blitzschachvorführungen, Simultanvorstellung und so weiter. Also entsteht hier, so glaube ich, ein zweiter Schwerpunkt meiner Arbeit: Neben »Schach muss raus« möchte ich die Schachvereine animieren, Tage der offenen Tür anzubieten, also sich zu zeigen und sich damit bekanntmachen.

Zum Thema »Der Schachverein – das unbekannte Wesen« muss ich noch etwas einflechten: ich spiele ja wie viele über den Chess Base Server Schach. Da kann man ja sehen, aus welcher Stadt der Gegner kommt. Und vor kurzem spielte ich gegen jemanden aus Bremen! Ich ihn per Chat gefragt, ob wir uns kennen und wo er denn in Bremen Schach spielen würde? Zu meinem Erstaunen antwortete er, dass er in keinem Verein sei und er nicht einmal wisse, wo es in Bremen einen Schachverein in seiner Nähe gäbe!? Da habe ich ihm erstmal die Homepage des Landesverbandes empfohlen. Auch diese Geschichte bestätigt mir wieder, dass Schachvereine an einem Bekanntheitsmangel leiden! Ich glaube fest daran, dass, wenn die Vereine sich ein wenig mehr in die Öffentlichkeit trauen würden, sie auch Neumitglieder bekommen.

Doch zurück zum Thema: Es gab noch eine zweite Reaktion: »Hallo, ich finde es sehr interessant das sich nun auch eine Schachabteilung in den Verein eingliedern will. Auf jeden Fall eine gute Sache. Leider bin ich mit dem Jungendfußball und der Herrenmannschaft zeitlich so ausgeplant dass ich hierfür wohl keine Zeit aufbringen kann. Ich werde mich aber mal umhören und ein bisschen Werbung dafür machen. Wünsch euch auf jeden Fall viel Erfolg und wenn ich etwas für euch machen kann meldet euch einfach.« Diese Reaktion zeigt mir, dass durchaus Interesse am Schach bei vielen vorhanden ist, es muss erstens nur geweckt werden und zweitens dieses Interesse kann auch in einen Verein gelenkt werden! Und drittens kommt Schach zu spät! Viele, viel zu Viele haben ihren Sport schon gefunden und bleiben diesem treu! Wie ja bekannt ist, möchte ich ja besonders die Zielgruppe der Mädchen und Frauen zwischen 14 und 44 ansprechen, weil mir ja auf der letzten Sitzung des Landesverbandes gesagt worden ist, dass es ganz schwierig ist, diese beim Schach zu halten. Nebenbei möchte ich auch Jugendliche ansprechen, die einfach keine Lust auf Fußball oder andere »Draußen-Sportarten« haben.

Aber wie erreicht man die? Am besten wieder über das Internet. Es gibt hier in Syke eine »Stadtcommunity«, (www.citybash.de) hauptsächlich für junge Leute. Also habe ich dort das folgende ins Forum gestellt, übrigens unter dem Thema »Stadtgeflüster«: »... und zwar möchte ich in Zusammenarbeit mit dem FC Syke 01 eine Schachabteilung gründen. Besonders angesprochen von diesem Angebot sollten sich alle diejenigen fühlen, die bisher wenig oder gar nichts mit dem Schachsport zu tun hatten, aber diesen faszinierenden Sport ausüben möchten. Besonders angesprochen sollten sich vor allem junge Damen und Mädchen fühlen. Zu diesem Zweck wird es bald einen Anfängerschachkurs in Syke geben. Wer Interesse hat, sollte sich melden...« Auch hier kam eine Antwort: » Moinsen, also ich finde Schach eigentlich ganz geil. Würde das aber auch nur im Verein praktizieren um an Spielerfahrung zu gewinnen und den blöden René vom Tisch zu hauen. Durch meinen relativ großen Mangel an Zeit wird das aber wohl leider nichts. Denke aber das es einige Interessenten gibt.« Was lernt man daraus? Schach wird auch bei bisher von Schach unbefleckten Jugendlichen als »eigentlich ganz geil« empfunden, aber es schwingt unterschwellig das Vorurteil mit, dass Schach eine sehr zeitaufwendige Sache ist.

Volker Brandt

2004-07-20