Bremer SG: Das Jahr der Erfahrungen in der Bundesliga

Erstmalig schnupperte unser Verein in der vergangenen Saison Bundesligaluft. Man behauptet ja, die deutsche Bundesliga sei die stärkste Liga der Welt. Mag sein, das es so ist. Jedoch haben sich die Umstände der Mannschaftskämpfe in der höchsten Spielklasse schon seit 25 Jahren verändert.

Immer mehr nähert man sich auch im Schach den Verhältnissen an, wie man sie aus anderen Sportarten kennt. Während aber vergleichsweise, um nur ein Beispiel zu nennen, beim Fußball eine finanzielle Basis aus Zuschauerbeiträgen, aus Fernsehgeldern und anderen Quellen gegeben ist, haben Schachvereine diese Möglichkeiten nicht. Es gibt in der Bundesliga wohl keinen Schachverein oder keine Schachabteilung, die heute ihre Ausgaben aus dem eigenen Mitteln bestreiten könnte. Immer stehen dahinter Spender, Sponsoren oder andere Geldgeber, die den Spielbetrieb auf diesem Niveau erst ermöglichen. Der Unterschied von Spender und Sponsor ist dabei gravierend. Ein Spender bezahlt aus Freude am Schach die notwendigen Auslagen, während Sponsoren eine Gegenleistung, meistens in Form von Werbung, verabreden.

Auch unsere Ausgaben hätte die BSG nicht allein aufbringen können. Unser Spender, der nur ungern genannt wird, weil er eben Freude am Spitzenschach hat, ermöglichte uns in den vergangenen Jahren den Aufstieg über die Landesliga, die Oberliga, die 2. Bundesliga bis schließlich in die Bundesliga. Das ist schon ein sehr anzuerkennender, lobenswerter Kraftakt des Spenders, der sehr große Anerkennung verdient.

Als wir unsere ersten Heimspiele in der Bundesliga zu absolvieren hatten, war das anders als zum Beispiel im Jahr 1965. Damals wurde die Mannschaft der BSG Weser/Ems-Meister und nahm an der Vorrunde der deutschen Meisterschaft teil. Diesen Unterschied haben einige Mitglieder empfunden und auch geäußert. Es waren damals mehr Mitglieder in der Mannschaft, sagten sie, die auch an den Spielabenden anwesend waren. H.E. Heißenbüttel, Stabenow und Breutigam wie auch Scotland, Keller und H. Heißenbüttel gehörten dazu. Aber auch 1965 gab es schon Verstärkungen: Heemsoth, Kasüschke und Krause waren spielberechtigte Gastmitglieder.

Aus der Bundesligamannschaft der vergangenen Saison konnten nur wenige Spieler an den Spielabenden anwesend sein. Das ist einerseits zu bedauern, andererseits jedoch hatte die BSG die Möglichkeit, sich in der höchsten Spielklasse zu behaupten. In den zwanziger Jahren gehörte die BSG schon einmal zur deutschen Spitzenklasse (Egon Ditt auf unserer 125-Jahr-Feier).

Unsere Mannschaft setzte sich vor allem aus Großmeistern (GM) und Internationalen Meistern (IM) zusammen, die zu den Wettkämpfen aus verschiedenen Richtungen anreisten: GM Konstantin Sakaev (ELO 2655), vormals Jugendweltmeister, 34. der Weltrangliste kommt aus St. Petersburg. GM Etienne Bacrot, 32. der Weltrangliste (ELO 2664), war einst das französische Wunderkind. GM Johann Hjartarson (ELO 2640) und GM Hannes Stefansson (ELO 2560) kommen aus Island, konnten allerdings nur sporadisch eingesetzt werden. GM Evgeni Agrest (ELO 2605), 82. der Weltrangliste, ist einer der Kämpfer, der alle Partien ausspielt und kurze Remisen verurteilt. »In the team we have to play all the games«, sagte er, verärgert, als wir deswegen unsere Chancen auf eine noch bessere Platzierung verloren. GM Alexander Baburin (ELO 2541) reist aus Dublin an und GM Konstantin Landa (ELO 2614) aus Dortmund.

Aus Bremen oder umzu kommen IM Gennadiy Fish (ELO 2513), der erfolgreichste Punktesammler der vergangenen Saison, IM Ewgeni Gisbrecht (ELO 2441), IM Martin Breutigam (ELO 2409), IM Otto Borik (ELO 2429) und FM Florian Mossakowski (ELO 2331). Dazu gehörte auch noch IM Joris Brennikmeijer (ELO 2507). Der wohnt in Groningen, konnte aber aus beruflichen Gründen nicht häufig teilnehmen.

Nach den ELO-Zahlen der ersten acht Spieler war unsere Mannschaft sogar die drittstärkste der Bundesliga. Allerdings konnten wir nur selten in stärkster Formation antreten.

In der Bundesliga werden zum Wochenende immer zwei Wettkämpfe ausgetragen. Das spart erhebliche Reisekosten. Am Sonnabend wird ab 14 Uhr gespielt, am Sonntag schon sehr früh um 9 Uhr. Es treffen dann immer zwei Reisepartner aufeinander. Unser Reisepartner war die Mannschaft von Werder Bremen.

Zur ersten Runde mussten wir am 1. November in Hofheim antreten und gewannen gegen St. Ingbert mit 5:3. Bacrot, Baburin und Breutigam gewannen, Landa, Agrest, Fish und Borik spielten Remis. Es verlor Gisbrecht. Der Erfolg in der ersten Runde erschien nicht besonders berauschend.

Bacrot,E (2664) - Bauer,C (2602) [A87]
[BL 0304 SCA St. Ingbert - Bremer SG (1.1)]

1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 g6 4.Sf3 Lg7 5.0–0 0–0 6.c4 d6 7.Sc3 De8 8.Sd5 Sxd5 9.cxd5 Sd7 10.Sg5 Sb6 11.a4 c6 12.dxc6 bxc6 13.d5 c5 14.Ta2 Tb8 15.b3 Ld7 16.Se6 Lxe6 17.dxe6 Sa8 18.e4 Sc7 19.Te2 Tb4 20.Ld2 Td4 21.Dc2 f4 22.Lh3 Le5 23.Lc3 Sa6 24.Lxd4 Lxd4 25.e5 Sb4 26.De4 f3 27.Td2 d5 28.Dh4 Lc3 29.Tdd1 Lxe5 30.Dg5 Ld4 31.Lg4 a5 32.h4 Kg7 33.Txd4 cxd4 34.De5+ Tf6 35.Dxd4 Dc6 36.Da7 Dd6 37.Tc1 Tf8 38.Tc7 Kf6 39.Td7 De5 40.Txe7 De1+ 41.Kh2 Sd3 42.Tf7+ Txf7 43.exf7 Kg7 44.Lxf3 Sxf2 45.Dd4+ Kxf7 46.Kg2 1–0

Am Sonntag gegen Hofheim sollte es besser werden, hatte doch unser Reisepartner am Vortag 6:2 gewonnen. Jedoch wurden die Gesichter immer länger. Was war los? Die Mannschaft spielte verkrampft. Agrest, Fish und Gisbrecht gewannen, die Gewinner vom Vortag – Baburin und Breutigam – und Borik verloren jedoch ihre Partien und Bacrot sowie Landa spielten remis. Also 4:4 und der vierte Tabellenplatz hinter Baden Oos, Köln Porz und Werder.

Am 22. November waren wir erstmals Gastgeber im Hotel Golden Tulip in der Vahr. Unsere Gegnerin in der dritte Runde, die SG Solingen, ist eine konstante Größe in der Bundesliga. Entsprechend waren unsere Erwartungen. Jedoch gewannen Bacrot, Hjartarson, Brennikmeijer und Gisbrecht. Sakaev, Agrest und Gisbrecht spielten remis, nur Stefansson hatte das Nachsehen. 5½:2½ war das Ergbebnis. Immer noch der vierte Tabellenplatz.

Schäfer (2374) - Brenninkmeijer (25004) [B42]
[BL 0304 Bremer SG - Solinger SG (3.7)]

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 a6 5.Ld3 Lc5 6.Sb3 Le7 7.0–0 d6 8.f4 Sd7 9.S1d2 Sgf6 10.De2 Dc7 11.a4 b6 12.Sc4 d5 13.exd5 Sxd5 14.Se5 0–0 15.Ld2 Lb7 16.Kh1 g6 17.Sg4 S7f6 18.Se5 Sb4 19.Lxb4 Lxb4 20.Sd2 Sd5 21.c3 Le7 22.Lc4 Lf6 23.Lxd5 Lxd5 24.Sdf3 Lg7 25.Tfe1 Lh6 26.g3 f6 27.Sd3 e5 28.Sb4 Lb7 29.Kg1 exf4 30.g4 a5 31.Sc2 Tae8 32.Dd3 Te3 33.Sxe3 fxe3 34.Tf1 Df4 35.De2 Dxg4+ 36.Dg2 De4 37.Tae1 Td8 38.De2 Dg4+ 39.Dg2 De4 40.De2 Td5 41.Td1 Txd1 42.Txd1 Dg4+ 0–1

Tags darauf reichte es gegen den SV Wattenscheid wieder nur zum Unentschieden. Nur Agrest und Brenninkmeijer holten einen vollen Zähler, Sakaev, Bacrot, Stefansson und Gisbrecht remisierten, Landa sowie Hjartarson konnte hingegen unser Punktekonto nicht verbessern. Fünfter Tabellenplatz – der Hamburger SK hatte sich mit einem eindrucksvollen 8:0 gegen St. Ingbert noch davor geschoben.

Agrest,E (2605) - Dinstuhl,V (2439) [A29]
[BL 0304 SV Wattenscheid - Bremer SG (4.5)]

1.c4 e5 2.Sc3 Sf6 3.Sf3 Sc6 4.d3 d5 5.cxd5 Sxd5 6.g3 Le7 7.Lg2 Sb6 8.0–0 0–0 9.a3 Le6 10.b4 Sd4 11.Lb2 Sxf3+ 12.Lxf3 c6 13.Se4 f6 14.Sc5 Lxc5 15.bxc5 Sd7 16.d4 exd4 17.Lxd4 De7 18.Dc2 Tfd8 19.Le4 Sf8 20.Le3 Ld5 21.Ld3 Df7 22.Tab1 Td7 23.Tb4 Te8 24.Lc1 Le6 25.Te1 Ted8 26.Lf4 Sg6 27.Ld6 b6 28.Db1 f5 29.a4 bxc5 30.Lxc5 Se5 31.Lc2 Sc4 32.Tb8 Sd2 33.Db4 De8 34.Txd8 Dxd8 35.Le3 h6 36.Dc5 Dc7 37.Lxf5 Lxf5 38.Dxf5 Dd6 39.Dc2 Db4 40.Td1 1–0

Am zweiten Dezemberwochenende war Werder Bremen Gastgeber für die fünfte bis siebte Runde in den VIP-Räumen des Weserstadions. Am Freitag wurde die Begegnung gegen die Reisepartner vorgeholt und wir spielten gegen die Bundesliga erfahrenen Werderaner. Die »Bremer Meisterschaft« gewannen wir überraschend hoch mit 6:2 Punkten. Sakaev, Bacrot, Agrest und Baburin sorgten für volle Punkte, Landa, Hjartarson, Stefansson und Gisbrecht spielten remis. Keine Partie ging verloren. Dritter Tabellenplatz.

Sakaev,K (2655) - McShane,L (2619) [D86]
[BL 0304 SV Werder Bremen - Bremer SG (7.1)]

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Lc4 c5 8.Se2 Sc6 9.Le3 cxd4 10.cxd4 Da5+ 11.Ld2 Dd8 12.Le3 Da5+ 13.Ld2 Dd8 14.Lc3 0–0 15.Dd2 Ld7 16.0–0 Tc8 17.Tac1 a6 18.Lb3 e6 19.d5 exd5 20.Lxg7 Kxg7 21.Lxd5 f6 22.Sf4 De7 23.h3 Tfd8 24.De3 Kh8 25.Db6 Le8 26.Tb1 Tb8 27.Tfc1 Td6 28.Db2 Se5 29.Tc3 Lc6 30.Lxc6 Sxc6 31.Sd5 Dxe4

Weiß am Zug
  ABCDEFGH
.t.....k
.b.....b
b.st.bb.
...S....
....d...
..T....B
BD...BB.
.T....K.

32.Sxf6 De5 33.Se4 Te6 34.Sg5 Te7 35.Sf3 Df6 36.Txc6 Dxb2 37.Txb2 Td8 38.Tcb6 1–0

Baburin,A (2541) - Skripchenko,A (2489) [D27]
[BL 0304 SV Werder Bremen - Bremer SG (7.7)]

1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.e3 e6 4.Lxc4 a6 5.Sf3 c5 6.0–0 Sf6 7.dxc5 Dxd1 8.Txd1 Lxc5 9.Sbd2 b6 10.Le2 Lb7 11.Sc4 Sbd7 12.Sfd2 Ld5 13.Sb3 Le7 14.Ld2 0–0 15.Tac1 Tac8 16.f3 b5 17.Sca5 Sc5 18.Sd4 Tfe8 19.b3 Lf8 20.e4 La8 21.Le3 Sb7 22.Sxb7 Lxb7 23.a4 bxa4 24.bxa4 Lc5 25.Kf2 Sd7 26.Sb3 Lxe3+ 27.Kxe3 Txc1 28.Txc1 Tc8 29.Txc8+ Lxc8 30.Kd4 Kf8 31.Sc5 Sb8 32.f4 Ke7 33.e5 Kd8 34.Lf3 Kc7 35.a5 f6 36.h4 f5 37.Kc4 g6 38.Kb4 Kd8 39.Sb3 Kc7 40.Sd4 Ld7 41.Kc5 Lc8 42.Kb4 Ld7 43.Le2 Lc8 44.Lc4 Sc6+ 45.Sxc6 Kxc6 46.g3 h6 47.Lb3 Ld7 48.La2 Lc8 49.Lc4 1–0

Gegen die SF Stuttgart verzichteten wir am Samstag auf unsere Spitzenspieler Sakaev und Bacrot, um sie für die Begegnung am Sonntag gegen Baden Oos, den Tabellenführer, zu schonen. Die Mannschaft gewann 6:2. Fish, Borik, Landa und Stefansson gewannen, Baburin, Gisbrecht, Hjartarson und Agrest remisierten, keiner verlor.

Schmittdiel,E (2483) - Landa,K (2587) [B22]
[BL 0304 Bremer SG - Stuttgarter SF (5.1)]

1.e4 c5 2.c3 Sf6 3.e5 Sd5 4.d4 cxd4 5.Dxd4 e6 6.Sf3 Sc6 7.De4 Dc7 8.Lb5 a6 9.Lxc6 Dxc6 10.Sd4 Dc7 11.Sd2 b5 12.0–0 Lb7 13.De1 Sf4 14.S2f3 Sd3 15.De3 Sxc1 16.Tfxc1 Lc5 17.b4 Lb6 18.a4 Dc4 19.axb5 axb5 20.Txa8+ Lxa8 21.Ta1 0–0 22.Ta6 Tb8 23.Sd2 Dc8 24.Ta3 Ld5 25.h3 Ta8 26.Txa8 Dxa8 27.Kh2 h6 28.f3 Da1 29.Se4 Lxe4 30.Dxe4 Dxc3 31.Da8+ Kh7 32.De4+ Kg8 33.Da8+ Kh7 34.De4+ g6 35.Sxb5 Dc1 36.Kg3 Dg5+ 37.Kh2 Dc1 38.Kg3 Le3 39.h4 De1+ 40.Kh3 Dh1+ 41.Kg3 Dg1 42.Kh3 Ld2 0–1

Borik,Otto (2429) - Gabriel,Josef (2179) [A87]
[BL 0304 Bremer SG - Stuttgarter SF (5.8)]

1.d4 f5 2.g3 Sf6 3.Lg2 d6 4.Sf3 g6 5.0–0 Lg7 6.c4 0–0 7.Sc3 Sa6 8.b3 c5 9.Lb2 De8 10.Sb5 Se4 11.Sd2 d5 12.a4 e6 13.Tb1 cxd4 14.Sxe4 fxe4 15.Lxd4 Lxd4 16.Dxd4 Df7 17.cxd5 exd5 18.f3 e3 19.f4 Td8 20.Tbd1 Le6 21.Dxe3 Sb4 22.Sd4 Lg4 23.f5 Df6 24.h3 Lxf5 25.g4 Te8 26.Dd2 Sd3 27.Dxd3 Lxd3 28.Txf6 Lxe2 29.Lxd5+ Kh8 30.Te1 1–0

Unsere Mannschaft kannte immer etwa zwei Wochen vor den Wettkämpfen die Aufstellung, so dass sich die Spieler auf die möglichen Gegner mit der ihnen bekannten Farbverteilung vorbereiten konnten. Das ist in diesen Kreisen nicht nur gebräuchlich, sondern auch notwendig. Denn die Spieler auf diesem Niveau kennen sich alle und – natürlich gucken auch unsere Gegner vorher in den Computer und stellen sich auf die Partien ein.

Spät abends nach dem Spiel gegen Stuttgart kam es dann zu einem Disput zwischen Mannschaftsführung und unserem Mäzen, der die lange vorher geplante Aufstellung ändern und unbedingt am Sonntag GM Landa statt IM Fish gegen Baden Oos einsetzen wollte. Fünf BSG-Spieler mussten deswegen mit unvorbereiteter Farbe antreten. Die Rechnung ging nicht auf. Die verunsicherte Mannschaft verlor hoch mit 2:6 gegen den Meisterschaftsfavoriten, der am Tage vorher gegen Werder geschwächelt und nur 4:4 gespielt hatte. Nur Sakaev, Hjartarsson, Agrest und Landa hielten remis. Bacrot, Stefansson, Baburin und Gisbrecht verloren. Immer haben Mäzene auch nicht recht, und dass Nachgeben nicht immer richtig ist, hat sich hier bewahrheitet. Damit hatte die Mannschaft auch die Aussicht auf einen der vordersten Plätze verloren. Immerhin lagen wir nach diesem Wochenende wieder auf dem dritten Tabellenplatz.

Weil der Reisepartner des Hamburger SK, der Lübecker SV, sein Team kurz vor Saisonbeginn zurückgezogen hatte, mussten wir Anfang Februar nur eine Runde spielen. Gegen den Hamburger SK, dachten wir vor der neunte Runde, sollten wir eigentlich klar gewinnen können. Aber es kam anders. Viel zu schnell gaben Sakaev, Stefansson und Gisbrecht ihre Partien remis. Wenn auch an den anderen Brettern ein leichter Vorteil zu erkennen war, wurden unsere restlichen Spieler dadurch verunsichert, lag doch die Verantwortung gewinnen zu müssen nun bei ihnen. Daher auch der Ausspruch von Agrest: »We have to play all the games.« Denn nur Bacrot gewann gegen den deutschen Vizemeister Gustafson, allerdings in einer Glanzpartie, aber Hjartarson und Breutigam vergaben ihre guten Positionen in Zeitnot, Fish spielte remis. Agrest kämpfte bis zum letzten Bauern, musste aber schließlich auch in ein Remis einwilligen. 3½:4½ verloren.

Bacrot,E (2664) - Gustafsson,J (2571) [D19]
[BL 0304 Bremer SG - Hamburger SK (9.2)]

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.Sf3 dxc4 5.a4 Lf5 6.e3 e6 7.Lxc4 Lb4 8.0–0 Sbd7 9.De2 0–0 10.e4 Lg6 11.Ld3 Lh5 12.e5 Sd5 13.Sxd5 cxd5 14.De3 h6 15.Se1 Lg6 16.Lxg6 fxg6 17.Sc2 La5 18.Dd3 Kh7 19.f4 a6 20.b4 Lb6 21.g4 Dh4 22.Se3 Tac8 23.Ld2 h5 24.Tae1 hxg4 25.Te2 Tf7 26.Tg2 Sf8 27.Txg4 De7 28.a5 La7 29.Tf3 Kg8 30.Th3 De8 31.Tgh4 Tfc7 32.f5 Kf7 33.Th8 Db5 34.fxg6+ Ke7 35.Tf3 Tc1+ 36.Kg2 1–0

Breutigam,M (2409) - Reeh,O (2446) [E30]
[BL 0304 Bremer SG - Hamburger SK (9.8)]

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.Lg5 c5 5.dxc5 h6 6.Lh4 Lxc5 7.e3 0–0 8.Sf3 b6 9.Ld3 Lb7 10.0–0 Le7 11.Sd4 Sc6 12.Tc1 Sxd4 13.exd4 d5 14.b3 Tc8 15.a4 Dd7 16.Lg3 Ld6 17.Lxd6 Dxd6 18.Sb5 Db8 19.c5 bxc5 20.dxc5 d4 21.Sd6 Txc5 22.Txc5 Dxd6 23.Dc1 Sg4 24.f4 Se3 25.Tf2 Sd1 26.Td2 Se3 27.Tf2 Sd5 28.Le4 Sb4 29.Lb1 Ld5 30.Tb2 d3 31.Tc8 Txc8 32.Dxc8+ Kh7 33.Dc1 Le4 34.De3 f5 35.g3 Dc6 36.Tf2 a5 37.h4 Dc3 38.Dd2 Dd4 39.Kh2 Sd5 (ZÜ) 0–1

Zum Tegernsee war es vier Wochen später nur eine kurze Reise. Unser Spender hatte für die Bremer Flugkarten spendiert. So kamen die Mannschaft locker an und auch die Unterbringung in einem Familienhotel bei einem »schachspielerverständigen« Chef war optimal. Optimal war auch die Punktausbeute in der zehnten Runde gegen den SK König Plauen. Agrest, Baburin, Fish, Breutigam und Borik gewannen ihre Spiele. Sakaev, Bacrot und Gisbrecht fuhren halbe Punkte ein. 6½:1½ für die BSG.

Zeitgleich hatte unser Reisepartner Werder gegen den TV Tegernsee mit 5½:2½ das Nachsehen. Wir waren also gewarnt. Immerhin mischten die Tegernseer mit einer nicht zu unterschätzenden Großmeistertruppe tüchtig in der Bundesliga mit. Nach der zehnten Runde lagen sie auf dem dritten Tabellenplatz – vor der BSG und Werder. Wieder gab es aber zwei frühe Remisvereinbarungen (Sakaev und Gisbrecht). Aber die Stellungen bei Bacrot, Fish, Breutigam und Borik waren viel versprechend, während sie bei Agrest und Baburin unklar waren.

Dann jedoch überzog Borik seine Stellung und verlor. Wir lagen sehr lange mit einem Punkt zurück. In den kampfbetonten Partien konnten dann Bacrot, Fish und Breutigam keinen Nutzen aus den zeitweilig bestandenen Vorteilen ziehen und mussten remisieren. Auch die Partie von Agrest wurde remis. Alle schauten jetzt auf Alexander Baburin. Wir meinten, er hat Vorteile, es war aber auch ein Tanz auf dem Seil. Die vielen taktischen Raffinessen hat der Alexander aber alle gut umschifft und gewann die Partie nach vollen sechs Stunden. 4:4 war das versöhnliche Ende. Baburin gewann an diesem Wochenende beide Partien.

Baburin,A (2541) - Bischoff,K (2564) [A41]
[BL 0304 Bremer SG - TV Tegernsee (11.4)]
1.d4 g6 2.Sf3 Lg7 3.c4 d6 4.g3 c5 5.d5 Sa6 6.Lg2 Sc7 7.Sc3 f5 8.Dc2 Sf6 9.0–0 0–0 10.Lg5 h6 11.Ld2 Sh5 12.e3 De8 13.Tab1 b6 14.Tfe1 g5 15.h3 Df7 16.Se2 e5 17.dxe6 Lxe6 18.b3 Tad8 19.Lc3 Sf6 20.Tbd1 Tfe8 21.Lb2 a6 22.Sc3 b5 23.Sd2 Sd7 24.a4 b4 25.Sd5 Lxd5 26.cxd5 Lxb2 27.Dxb2 Se5 28.Dc2 f4 29.exf4 gxf4 30.Sc4 Sxc4 31.Dxc4 Txe1+ 32.Txe1 Tf8 33.Te4 fxg3 34.fxg3 Df2+ 35.Kh2 Tf7 36.Th4 Tg7 37.Dd3 Df6 38.De3 Dg5 39.Dxg5 hxg5 40.Th6 Td7 41.Tg6+ Kf7 42.Txg5 Te7 43.Lf1 Kf6 44.h4 Te5 45.Tg8 a5 46.g4 Sxd5 47.g5+ Kf7 48.Ta8 Se3 49.Ld3 d5 50.Txa5 c4 51.bxc4 dxc4 52.Txe5 Sg4+ 53.Kg3 Sxe5 54.Le4 b3 55.a5 Ke7 56.a6 Sd3 57.a7 b2 58.a8D b1D 59.Da7+ Kf8 60.Da3+ Db4 61.Da8+ Ke7 62.Da7+ Kf8 63.De3 Dd6+ 64.Kf3 Se5+ 65.Ke2 Sf7 66.g6 Se5 67.Dh6+ Ke7 68.Dh7+ Kf6 69.g7 1–0

Am 27./28.März waren wir wieder Gastgeber. Am Sonnabend kam es zu einem 4:4 gegen den SC Kreuzberg. Hjartarson und Fish gewannen, Sakaev, Bacrot, Agrest und Gisbrecht remisierten, während Borik und Breutigam verloren. In der 13. Runde gewannen wir erstmalig an einem Sonntag, gegen die SF Neukölln, gleichfalls aus Berlin, mit 4½:3½. Erneut siegten Hjartarson und Fish sowie Sakaev. Bacrot, Agrest und Gisbrecht spielten Remis, Borik und Breutigam mussten jeweils ihre zweite Niederlage an diesem Wochenende einstecken.

Lau,Ralf (2503) - Fish,Gannadij (2509) [B23]
[BL 0304 Bremer SG - SC Kreuzberg (12.5)]

1.e4 c5 2.Sc3 e6 3.Sge2 Sc6 4.g3 Sge7 5.Lg2 Sd4 6.0–0 g6 7.d3 Lg7 8.Tb1 0–0 9.a3 a5 10.Le3 a4 11.f4 d6 12.h3 Ld7 13.g4 f5 14.Sg3 Lc6 15.Dd2 Dd7 16.Sce2 b5 17.Sxd4 cxd4 18.Lf2 Tac8 19.gxf5 exf5 20.Se2 fxe4 21.dxe4 Db7 22.Dd3 Sf5 23.Sxd4 Sxd4 24.Lxd4 Lh6 25.Lc3 Lxf4 26.Txf4 Txf4 27.Dxd6 Tcf8 28.De5 T4f6 29.Td1 Da7+ 30.Ld4 Dd7 31.Td3 De6 32.Dg5 T6f7 33.Lc5 Lxe4 34.Te3 Tf5 35.De7 Dxe7 36.Lxe7 Lxc2 37.Lxf8 Kxf8 38.Tc3 Lb3 39.Tc7 h5 40.Lf1 Tg5+ 41.Kf2 Tf5+ 42.Ke1 Td5 43.Le2 Te5 44.Kf2 Le6 45.Tb7 Lxh3 46.Lxb5 h4 47.Lxa4 Tf5+ 48.Ke3 Lg2 49.Th7 h3 50.Lc2 Tf3+ 51.Ke2 g5 52.Th5 Tf6 53.Ke3 Ke7 54.b4 g4 55.Lf5 Txf5 56.Txf5 h2 57.Th5 Lh3 0–1

In der 14. Runde gewannen wir am letzten Aprilwochenende gegen die SF Katernberg (Essen) mit 5:3. Bacrot, Agrest und Baburin fuhren volle Punkte ein, Landa, Hjartarson, Landa und Fish remisierten, Gisbrecht verlor. Die abschließende 15. Runde brachte eine 2½:5½ Niederlage gegen den Tabellenführer SG Köln Porz. Fünf Remisen – Bacrot, Landa, Agrest, Fish, Gisbrecht – standen drei Niederlagen (Hjartarson, Stefansson und Baburin) gegenüber.

Rückzug aus der Bundesliga

Wir haben uns nach diesem erfolgreichem Jahr entschlossen, die Mannschaft nicht wieder für die Bundesliga zu melden. Das kam sehr überraschend und muss daher auch erklärt werden. Denn so einfach zieht man sich nicht aus der Bundesliga zurück.

Die Schachbundesliga hat sich in den Jahren ähnlich entwickelt wie andere Spitzensportarten. Der regionale Bezug reichte nicht mehr. Man holt sich Spitzensportler zuerst aus anderen Regionen, später aus dem Ausland. Das Vorbild ist zum Beispiel der Fußball. Nur dieser Vergleich hinkt. Zum Fußball kommen zahlende Zuschauer. Dazu zahlt auch noch das Fernsehen. Auch Werbeverträge bringen Geld in die Kassen. Für Spitzenschach trifft das aber nicht zu.

Auch für die Schachbundesliga benötigt man Geld, wenn man Erfolg habe will. Das beste Beispiel dafür lieferte der Lübecker SV, der mit einer teuer zusammengestellten Mannschaft in der Vorsaison die deutsche Meisterschaft gewonnen hatte. Dieser deutsche Meister bestand nur aus hochkarätigen Ausländern. Ein Bezug zum Lübecker SV oder auch nur zu deutschen Spielern gab es nicht.

Ein Jahr Bundesliga hat gereicht, um einen Überblick über die Finanzierung der Mannschaften zu erhalten. Fast alle Bundesligisten sind abhängig von zahlungskräftigen Mäzenen oder Sponsoren, ob es nun Privatpersonen, Firmen oder Hauptvereine sind. Die eigenen Kosten werden kaum eingespielt. Aus Vereinsbeiträgen selbst darf das ohnehin nicht finanziert werden.

Aber zurück zur Bremer Schachgesellschaft. Als vor einigen Jahren eines unserer Mitglieder durchblicken ließ, er sei in der Lage und würde so etwas finanzieren, begann der Aufschwung bis zur Bundesliga. Das hat unserem Geldgeber auch viel Spaß gemacht. Gleich der sechste Platz.

Für die kommende Saison plante unser Mitglied den ganz großen Wurf. Die Mannschaft sollte restlos umgekrempelt werden. Es sollten Spieler um ELO 2700 eingesetzt werden. Mit diesen Spielern war auch schon verhandelt worden. Zusagen lagen vor. Die Bremer SG als deutscher Meister 2005 schien machbar. Für den regionalen Bezug wäre dann aber kaum mehr Platz gewesen. Auch einige GMs sollten nicht mehr zur Mannschaft gehören. Von 13 Spielern sollten acht ausscheiden. Unser Sponsor war bereit, dafür sehr viel Geld auf den Tisch zu legen.

Der Vorstand wollte da nicht folgen. Wir waren der Auffassung, dass unsere Mannschaft zwar verstärkt werden und langsam zusammenwachsen soll, aber nicht so rigoros verändert werden darf. Da wir die ganz große Veränderung nicht mitmachen wollten, unser Mäzen jedoch darauf bestand, wurden wir uns nicht einig. Jeder hoffte, dass der andere nachgibt. Das geschah aber nicht und daher haben wir dann die Mannschaft aus der Bundesliga abgezogen.

So einfach wie berichtet, war das natürlich nicht. Es hat viele Gespräche gegeben, bis wir absagten. Wichtig war allen Beteiligten, dass aus dieser Sache kein Streit entstehen durfte. Mäzen und Vorstand haben sich dabei vorbildlich im Interesse der BSG verhalten. Einer weiteren guten Zusammenarbeit steht daher auch nichts im Wege.

Was uns fehlt, ist ein BSG-Trainingszentrum

Das wurde schon oft angedacht. Ein Trainingszentrum für die Jugendarbeit, die häufiger und besonders auch verbindlicher als einmal in der Woche durchgeführt werden kann, lässt sich im Bürgerhaus Weserterrassen nicht aufbauen. Dafür sind die stark frequentierten Räume dort nicht beschaffen.

Aber auch für alle anderen Mitglieder wäre ein solches Zentrum eine zusätzliche Gelegenheit zum Training. Unsere sehr umfangreiche Bibliothek wäre dort zugänglich gemacht, und ein Computer mit den wichtigen Schachprogrammen könnte dort auch regelmäßig genutzt werden. Mit einem BSG-Trainingszentrum würde der sportliche Weg der BSG auch wieder in Richtung Bundesliga zeigen können.

Unser Ziel wird es sein, die Mannschaft so kontinuierlich zu entwickeln, dass die BSG wieder ins Oberhaus einziehen kann. Dafür sollten wir diese Strukturen aufbauen. Die Erfahrungen »ein Jahr in der Bundesliga« stehen dafür Pate.

Uns gehört dann die Zukunft!

Manfred Breutigam
(Schach-Info BSG Nr. 27)

1. Bundesliga 2003/2004
Pl. Mannschaft MP BP
1. SG Köln Porz 26:2 80,5*
2. SC Baden Oos 26:2 78,5*
3. TV Tegernsee 21:7 67,0
4. SV Werder Bremen 20:8 63,0
5. Hamburger SK 19:9 67,5
6. Bremer SG 18:10 62,5
7. Solinger SG 15:13 61,5
8. SC Kreuzberg 15:13 58,5
9. SV Wattenscheid 12:16 57,0
10. SF Neukölln 10:18 52,0
11. SF Katernberg 10:18 52,0
12. SCA St. Ingbert 7:21 41,0
13. SV Hofheim 6:22 40,0
14. SK König Plauen 5:23 31,0
15. Stuttgarter SF 0:28 28,0
16. Lübecker SV (Rückzug vor Saisonbeginn)

*) Den Stichkampf um die deutsche Meisterschaft gewann die SG Köln Porz gegen den SC Baden Oos mit 4½:3½.

2004-10-18