Schach-Bundesliga: Schwungvoller Saisonstart in Berlin

Gastgeber Kreuzberg lud die Mannschaften von Neukölln, Erfurt und Bremen ins Thomas-Dehler-Haus ein, wo Spieler und Besucher zum Auftakt der neuen Saison hervorragende Bedingungen vorfanden. Werder Bremens Schachcracks, obwohl ohne die Spitzenmänner Luke McShane und Yannick Pelletier gehandicapt, gelang ein glücklicher Doppelschlag gegen Neukölln (4,5 : 3,5) wie Kreuzberg (5 : 3) und können sich mit 4 : 0 Punkten über einen gelungen Start freuen.

Dabei sah es gegen die etwas unterschätzten Schachfreunde Neukölln, die an diesem Wochenende ohne ihr norwegisches Wunderkind, GM Magnus Carlsen, antraten, lange Zeit kritisch für Werder aus. Zwar hatte Neuzugang Gennadij Fish locker das 1 :0 vorgelegt, aber nachdem Zahar Efimenko gegen seinen ukrainischen Landsmann Miroshnichenko in einem offenen Schlagabtausch am Königsflügel den kürzeren zog und der 19jährige Newcomer Tomi Nyback aus Finnland gegen Martin Borriss erfahren mußte, daß ein Elo-Übergewicht allein nicht ausreicht, wurde das Match ziemlich spannend. Auf Vlastimil Babula war wieder einmal Verlaß: Mit seinem Sieg über Polzin sorgte er für Ruhe. Leider sah Zbynek Hracek nach einer mißglückten Eröffnung (gegen Nataf) keine Sonne und kämpfte schon bald für eine verlorene Sache.

Den erneuten Ausgleich für Werder besorgte Gerlef Meins, dem es gegen Henrik Rudolf gelang, aus einer nahezu ausgeglichenen Stellung den ganzen Punkt herauszuquetschen. Als Zünglein an der Waage indes sollte sich die Partie an Brett 6 zwischen den beiden Lars (Thiede und Schandorff) erweisen. Eigentlich war sie schon als remis abgeharkt. Thiede jedoch bei seinem Versuch, Spannung aufrecht zu erhalten, um einen eventuellen Verlust an Brett 8 (wo Almira Skripchenko gegen Dirk Poldauf ein Endspiel mit Mehrbauer verwaltete) kompensieren zu können, bot seinem Widersacher leichtsinnig eine fatale Konterchance, die eiskalt genutzt wurde. Nach dieser für Werder glücklichen Wendung machte Skripchenko sofort remis und damit alles klar.

1. Runde
SFR Neukölln 3,5:4,5 Werder Bremen
Nataf 1:0 Hracek
Miroshnichenko 1:0 Efimenko
Polzin 0:1 Babula
Borriss 1:0 Nyback
Berndt 0:1 Fish
Thiede 0:1 Schandorff
Poldauf remis Skripchenko
Rudolf 0:1 Meins


Nach dem hart umkämpften Auftaktsieg stand die Begegnung mit dem SC Kreuzberg an, der knapp vor Werder nominell drittstärksten deutschen Mannschaft. Die Berliner, von Position 1 bis 8 in Bestformation, gingen klar favorisiert an die Bretter. Doch einmal mehr sollte es sich zeigen, daß den Elozahlen nur bedingte Aussagekraft beizumessen ist. Allerdings zogen zunächst dunkle Wolken über Werder auf. In der Partie Aronian – Babula geriet Vlastimil früh in ein schlechteres, zudem passives Endspiel, aus dem es kein Entrinnen gab. Bei Nisipeanu – Hracek am Spitzenbrett hielt Zbyneks schlechte Form an, und nach ungenauer sizilianischer Verteidigung mußte auch der zweite Tscheche ins Gras beißen, also 0 : 2. Relativ gefahrlos verlief Meins – Tischbierek – remis. Den ersten Lichtstreifen am Horizont zeigte der dänische Großmeister Schandorff, er bezwang Kalinitschew überzeugend und glänzte mit seinem zweiten Sieg. Als auch Werders Neuzugang Gennadij Fish sich wieder ganz unspektakulär durchsetzte (er knöpfte Maiwald einen Bauern ab und dominierte dann das Endspiel) und einen optimalen Einstand feierte, kippte das Match zugunsten der Werderaner. Erst überwand Efimenko die Berliner Verteidigung von Almasi mit dem ruhigen 4.d3, gewann einen Bauern und später die Partie. Dann bezwang Nyback, der geduldig und konsequent einen Angriff aufbaute, GM Socko und machte damit Werders Gesamtsieg perfekt. Schließlich steuerte Almira Skripchenko noch einen soliden halben Punkt bei.

2. Runde
Werder Bremen 5:3 SC Kreuzberg
Hracek 0:1 Nisipeanu
Efimenko 1:0 Almasi
Babula 0:1 Aronian
Nyback 1:0 Socko
Fish 1:0 Maiwald
Schandorff 1:0 Kalinitschew
Skripchenko remis Volke
Meins remis Tischbierek
Tabelle:
Pl. Team R MP BP
1. SC Baden Oos 3 6 17,5
2. SG Porz 3 6 17,0
3. SC Kreuzberg 3 4 15,0
4. SV Mülheim Nord 2 4 10,0
5. Werder Bremen 2 4 9,5
6. SC Eppingen 3 3 9,5
7. SV Hofheim 3 2 9,5
8. Hamburger SK 2 2 8,5
9. SF Katernberg 2 2 8,5
10. TV Tegernsee 2 2 7,5
11. SFR Neukölln 3 1 9,5
12. SGA Solingen 2 1 7,5
13. Erfurter SK 2 1 6,0
14. Stuttgarter Sfr 2 0 6,0
15. SV Wattenscheid 2 0 5,5
16. Preetzer TSV 2 0 5,0

(R = absolvierte Runden, MP = Mannschaftspunkte, BP = Brettpunkte, Plätze 13-16 = Abstiegsbereich)

2. Bundesliga Nord: Mit Kantersieg an der Spitze

Mit einem in der Höhe allerdings schmeichelhaften 7 :1- Erfolg über Neukölln II ist Werder II nach zwei Runden erstmalig Tabellenführer der 2. Liga Nord und darf schon zuversichtlich sein, in dieser Saison von Abstiegssorgen verschont zu bleiben.

Bundesliga hebt ab!

Diesmal treten Werders Spitzenschachspieler am Bremer Flughafen in Aktion. Im Atlantic Hotel Airport Bremen (Raum Lilienthal), finden die Runden 5 + 6 der Schach-Bundesliga statt. Am Samstag, den 11. Dezember 2004, ab 14.00 Uhr, spielt Werder Bremen gegen den Hamburger SK (außerdem Erfurter SK – Preetzer TSV) und am Sonntag, den 12. Dezember 2004, ab 09.00 Uhr, gegen den Preetzer TSV (parallel Hamburger SK – Erfurter SK). Zuschauer sind herzlich willkommen.

C. D. Meyer