von C. D. Meyer
Die 8. Runde der Schach-Bundesliga war für Werder Bremen schon so etwas wie eine Vorentscheidung im Kampf um Platz drei, die Berechtigung zur Teilnahme am Europa-Cup. In Erfurt fand das mit Spannung erwartete und als »kleines Finale« apostrophierte Match gegen den Rivalen TV Tegernsee statt. Nachdem die Hansestädter im Vorjahr gegen die Bayern noch arg unter die Räder gekommen waren, gelang ihnen diesmal eine deftige 5,5:2,5-Revanche. Als reine Pflicht gestaltete sich der anschließende Vergleich mit den Stuttgarter Schachfreunden, die nahezu chancenlos mit 6:2 niedergehalten wurden.
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Der 19jährige Tomi Nyback (rechts) bei der Eröffnung seiner Partie gegen Bundestrainer Uwe Bönsch
Den erstklassigen Spielbedingungen in der Thüringer Hauptstadt passte sich Werder allerdings auch vollständig an: Vor die Wahl gestellt, die ruhige oder die scharfe Variante zu spielen, entschieden sich so gut wie alle Akteure für die ultrascharfe und boten damit den Zuschauern mitreißendes Kampfschach. Bald zeichnete sich ab, dass die Taktik der von Brett 1 bis 8 in Bestbesetzung angetretenen Bayern, vorne dicht zu halten, hinten zu punkten, nicht aufgehen würde. Im Duell der beiden »Französisch-Experten« bot Rainer Knaak (mit Schwarz) Gerald Hertneck ein interessantes Bauernopfer an. Statt dieses pflichtgemäß anzunehmen, entschied sich der Bayer nach etwa 1stündigem Grübeln – für alle total überraschend - gar selber für ein ominöses Figurenopfer, übersah jedoch eine unkomplizierte Widerlegung und ging dann ganz schön baden. Auch an Brett 8 zeichneten sich deutliche Vorteile für Gerlef Meins ab, der Großmeister Teske erst einen Doppelbauern verpasste, ihm dann einen Bauern abknöpfte, darauf eine Qualität und schließlich den Punkt. Ganz cool blieb Werders Neuzugang aus Finnland, der 19jährige Tomi Nyback, in seiner Begegnung mit Bundestrainer Uwe Bönsch. Gegen Nybacks forsch vorgetragenen »Grünfeld-Inder« fand der Deutsche nicht das geeignete Rezept, ließ sich mehr und mehr zurückdrängen und verlor kurz vor der Zeitkontrolle völlig den Faden.
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Werders Altmeister Rainer Knaak glänzte mit 2 aus 2 in Erfurt
Die unterwegs abgezeichneten Remisen waren ebenso heiß umstritten. Als dann im Springer-Endspiel der große Techniker Zoltan Ribli (gegen Pelletier) die einzig aussichtsreiche Partie für Tegernsee zum Remis verdarb, konnte Werder noch vor Ablauf der vierten Stunde einen ungefährdeten 5,5:2,5-Sieg verbuchen – und das erste Match dieser Saison ohne Partieverlust.
| Werder Bremen | 5;5:2,5 | TV Tegernsee |
|---|---|---|
| McShane | remis | Khenkin |
| Hracek | remis | A. Sokolov |
| Pelletier | remis | Ribli |
| Babula | remis | Bischoff |
| Nyback | 1:0 | Bönsch |
| Fish | remis | Kindermann |
| Knaak | 1:0 | Hertneck |
| Meins | 1:0 | Teske |
Es war nicht abgesprochen, aber nach dem kämpferischen Vortag bekamen fast alle Werderaner gegen Stuttgart ruhigere Positionen. Allein bei Gerlef Meins stand das Brett »in Flammen«, denn mit einem brisanten Opferangebot veranstaltete sein 250 Elopunkte leichterer Gegner ein wildes Getümmel am Königsflügel. Im alles entscheidenden Moment griff der Bremer daneben, um, statt schlicht zu gewinnen, mit Pauken und Trompeten unterzugehen. Zuvor hatte Altmeister Knaak mit seinem zweiten Triumph an diesem Wochenende die Führung für Werder erspielt.
Meins’ Niederlage sollte die einzige bleiben. Neben den Remisen von Zbynek Hracek und Vlastimil Babula wurden nur noch Siege verzeichnet, wobei Nyback (wie Knaak) mit 2 Punkten aus 2 Partien in Erfurt glänzte.
| Stuttgarter Sfr | 2:6 | Werder Bremen |
|---|---|---|
| Sedlak | 0:1 | McShane |
| Schmittdiel | remis | Hracek |
| Reuss | 0:1 | Pelletier |
| Vujic | remis | Babula |
| Vuckovic | 0:1 | Nyback |
| Lorscheid | 0:1 | Fish |
| Heinatz | 0:1 | Knaak |
| Migl | 1:0 | Meins |
| Pl. | Verein | MP | BP |
|---|---|---|---|
| 1. | SC Baden-Oos | 18 | 49 |
| 2. | SG Porz | 17 | 48,5 |
| 3. | Werder Bremen | 16 | 45,5 |
| 4. | TV Tegernsee | 14 | 43,5 |
| 5. | SV Mülheim Nord | 12 | 40 |
| 6. | SC Kreuzberg | 11 | 45 |
| 7. | SF Katernberg | 11 | 38,5 |
| 8. | SC Eppingen | 10 | 32,5 |
| 9. | Hamburger SK | 8 | 35,5 |
| 10. | SV Wattenscheid | 6 | 33 |
| 11. | Erfurter SK | 5 | 33 |
| 12. | SFR Neukölln | 5 | 30 |
| 13. | SV Hofheim | 5 | 27,5 |
| 14. | SGA Solingen | 3 | 29 |
| 15. | Stuttgarter Sfr | 0 | 22 |
| 16. | Preetzer TSV | 0 | 20,5 |
(MP = Mannschaftspunkte, BP = Brettpunkte, kursiv = Abstiegszone)
2005-02-11