Werder im Leistungsbereich das Maß aller Dinge

Versuch einer gesamtbremischen Saisonbilanz (Teil 1: 1. Bundesliga bis Verbandsliga Nord)

Die Mannschaftssaison 2004/05 ist mit Ausnahme der Entscheidung um die deutsche Meisterschaft in allen Ligen mit Bremer Beteiligung beendet. Anhand der Ergebnisse lässt die Rochade Bremen noch einmal die wichtigsten Momente in allen Klassen gesammelt Revue passieren. Dass nicht jeder Sieg gleichermaßen gewürdigt werden kann, versteht sich dabei von selbst; daher bittet die Redaktion um die nötige Nachsicht, falls ein besonderer Erfolg übersehen worden sein sollte. In dieser Ausgabe werfen wir einen Blick auf die »überbremischen« Ligen, im nächsten Monat werden wir die Stadtliga und die darunter liegenden Klassen näher beleuchten.

Beginnen wir kurz mit der höchsten deutschen Spielklasse: Was wurde in den letzten Wochen nicht alles über die vielleicht spannendste Saison seit Gründung der Liga berichtet. Um es so kurz wie möglich zu machen: Auch wenn Werder I den Stichkampf am 8. Mai nicht für sich entscheiden sollte, hat das Team bereits jetzt die erfolgreichste Saison seit seinem Bestehen hinter sich – wobei mehr als einmal das nötige Glück durchaus nicht unbeteiligt war. Der wichtigste Saisonsieg jedoch, das historische 6:2 gegen Porz (nach zehn Niederlagen in zehn Jahren), war allenfalls in der Höhe, jedoch nicht in den Mannschaftspunkten unverdient. Rückhalt der für ihren vorbildlichen Teamgeist »berüchtigten« Mannschaft war die furios aufspielende Mittelachse mit dem finnischen GM Nyback (9 aus 12), dem ehemaligen BSGler IM Fish (10 aus 12) und dem dänischen GM Schandorff (8 aus 11). Der Stichkampf gegen Porz verspricht mit dem geplanten Rahmenprogramm und den voraussichtlichen Aufstellungen ein echter schachlicher Leckerbissen zu werden. Daher lautet die Empfehlung von dieser Stelle an alle Bremer Schachfreunde, die eventuell vorhanden persönlichen Animositäten beiseite zu lassen und einen hoffentlich spannenden und für Bremen erfolgreichen Nachmittag im Weserstadion zu verbringen.

Die 2. Bundesliga Nord wurde ebenfalls von Grün-Weiß dominiert: Mit dem sensationellen Ergebnis von 18:0 Mannschaftspunkten ließ Werder II alle anderen Teams der Liga weit hinter sich. Maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg hatten der isländische Neuzugang IM Hedinn Steingrimmson, der zurzeit an der Bremer Universität an seiner Dissertation arbeitet, mit dem überragenden Ergebnis von 8 aus 9 am ersten Brett sowie die beiden ehemaligen Bundesligaspieler Sven Joachim (7 aus 9) und Jacob Heissler (6,5 aus 9), Jugendwart Oliver Müller (5 aus 6) und Mannschaftskapitän FM Dr. Joachim Asendorf (5 aus 7). Da die Bundesligastatuten den Aufstieg verbieten, rückt der mit sechs Punkten Rückstand auf Platz 2 gelandete SK Zehlendorf aus Berlin nach.

In der Oberliga Nord West führte nach drei Spieltagen ein wenig überraschend SK Bremen-Nord I. In Runde 4 und 6 folgten jedoch knappe Niederlagen gegen niedersächsische Teams, so dass es am Ende »nur« zum Bronzeplatz reichte. Einen sehr guten Einstand gab Neuzugang Peter Issing mit 5,5 aus 8, der überragende Spieler war jedoch der offenbar auf Platz 7 zu tief agierende Helmut Lange mit 8 Punkten aus 9 Begegnungen. Die junge Mannschaft Delmenhorster SK I spielte nach der Auftaktniederlage gegen das Team aus Bremen-Nord eine solide Saison, die sie mit 10:8 Punkten auf Platz 4 beendete. Beste Akteure waren Markus Lammers (4 aus 6) und Frithjof Fehsenfeld (5 aus 8). Die Bremer SG I machte erst im letzten Duell mit einem 5:3-Sieg gegen den SK Bremen-Nord den Ligasieg und damit den Aufstieg in die 2. Bundesliga klar. Die erfolgreichsten Punktesammler waren hier Landesjugendtrainer Florian Mossakowski (6,5 aus 9), der erste deutsche A-Amateurmeister Olaf Steffens (6,5 aus 8) und Christian Schmidt (5,5 aus 8).

In der Landesliga Nord hatten die Bremer Teams nicht viel zu bestellen. Am souveränen 18:0-Durchmarsch des Post SV Uelzen war für die gesamte Liga nicht zu rütteln. Das beste Resultat erzielte das Team von TuS Syke I mit Platz 6; Verlass war dabei mal wieder auf das Ehepaar Jürgens mit 6,5 bzw. 6 aus 8. Von Beginn an im Tabellenkeller agierte dagegen die Mannschaft Delmenhorster SK II: Nur einmal, nach dem dritten Spieltag, war man nicht im Besitz der roten Laterne. Die besten Einzelresultate liegen bei 50%. Auch das dritte LSB-Team, die Bremer SG II, sah sich lange dem drohenden Abstieg gegenüber. Wie die erste Mannschaft in der Oberliga den Aufstieg, so konnte auch die zweite erst in der letzten Runde gegen DSK2 den Klassenerhalt sicherstellen. Hätten alle Spieler so agiert wie Axel Jürgenlimke (5,5 aus 6), wäre die Saison wohl ein wenig anders verlaufen.

Spannung pur versprach die Ausgangssituation in der Verbandsliga Nord, da hier kein eindeutiger Favorit auszumachen war. Nominell fielen nur zwei der Bremer Teams etwas ab, der gesamte Rest konnte sich genau wie die vier Teams aus dem niedersächsischen Bezirk 4 mehr oder weniger berechtigte Hoffnungen auf die Tabellenspitze machen. Gleich am ersten Tag warfen jedoch die Schachfreunde von SK Bremen-Nord II, die als erster Abstiegskandidat galten, sämtliche Prognosen über den Haufen, indem sie die Mannschaft von TuS Varrel I schlugen. Da es aber leider bei diesen zwei Mannschaftspunkten blieb, fanden sie sich am Saisonende auf dem letzen Platz wieder. Dagegen halfen auch nicht die 3,5 aus 5 von Thorsten Döscher an Brett 1. Das bereits erwähnte erste Team aus Varrel kam zu Saisonbeginn überhaupt nicht in Tritt und stand nach drei Spieltagen sogar nur auf Rang 9. Fast die Hälfte der am Schluss auf Platz 5 erreichten 40 Brettpunkte steuerten die ersten Drei bei: Fred Hedke an 1, Stefan Wetjen an 2 und Michael Furian an 3 kamen je auf 6 Punkte, wobei FM Hedke ein Spiel weniger als seine beiden Teamkameraden, nämlich 8 bestritt. Trotz des schwachen Starts konnte die Mannschaft noch Einfluss auf den Aufstieg nehmen, indem sie in der letzten Runde den Tabellenführer Findorffer SF I besiegten. Ebendiese Findorffer hatten nach vier Runden vier Mannschaftspunkte auf dem Konto, spurteten dann aber mit vier Siegen in Folge an die Tabellenspitze, die sie durch die erwähnte Niederlage jedoch wieder abgeben mussten. Maßgeblich beteiligt am schlussendlich erreichten dritten Platz waren Arend Viet (5,5 aus 7), der letztjährige Bremer Dähne-Pokalsieger Viktor Gesswein (6,5 aus 9) und Werner Oswald (6 aus 7).

Wie an Varrel und Findorff lief der Saisonstart auch an den SF Leherheide I komplett vorbei. Nach zwei Niederlagen zu Beginn fand man sich auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Es folgten fünf Siege hintereinander und zum Saisonabschluss wieder zwei Niederlagen, womit am Ende 10 Mannschaftspunkte und Platz 6 zu Buche standen. Ganz wesentlich verdankt die Mannschaft dieses Ergebnis dem frischgebackenen Bremer Dähne-Pokalsieger Bernhard Jürgens (7 aus 9) und Michael Tronnier (7,5 aus 9). So erfolgreich die ersten beiden grün-weißen Mannschaften spielten, so verkorkst lief die Saison für die beiden nächstrangigen: SV Werder IV, neben dem Team aus Bremen-Nord die zweite nominell gegenüber dem Ligarest unterlegene Mannschaft, gelangen neben dem Sieg gegen ebenjenes Team aus Bremen-Nord noch zwei Unentschieden, was nur zu Platz 9 reichte und wegen des Delmenhorster Landesligaabstiegs ebenfalls den Abstieg bedeutet. Gegen den Trend punktete lediglich Arber Qesja (4,5 aus 6). Nicht viel besser erging es den Vereinskameraden von SV Werder III, die zwar auf acht Punkte kamen, aber damit nur Platz 8 erreichten und somit gerade noch dem Abstieg entgingen. Positiv heraus ragte dabei lediglich Gerald Jung (6 aus 8). Wenn man bedenkt, dass das Team in der vergangenen Spielzeit in nahezu identischer Besetzung noch den zweiten Platz in der Liga erreicht hatte, stellt dies eine klare Enttäuschung dar.

In der nächsten Ausgabe:

Raimund Klein

2005-04-18