Schachfreunde Achim drei Mal Vizemeister

Versuch einer gesamtbremischen Saisonbilanz (Teil 2: Stadtliga bis D-Klasse)

In der Maiausgabe warfen wir einen Blick zurück auf die überbremischen Ligen. Leider hatte sich beim Blick auf die Bundesliga mal wieder der Fehlerteufel eingeschlichen: Bei IM Fish war schlichtweg die letze Doppelrunde nicht eingerechnet; seine Bilanz beläuft sich statt der angegebenen 10 aus 12 auf nicht minder beeindruckende 11 Punkte aus 14 Partien. Nun aber zum innerbremischen Spielbetrieb, der in dieser Saison leider wieder in allen Klassen von zahlreichen kampflosen Partien geprägt war. Anders als in der vergangenen Ausgabe verzichten wir aus Platzgründen auf das Erwähnen jeder einzelnen Mannschaft, sondern konzentrieren uns auf die Auf- und Absteiger bzw. deren hartnäckigste Kontrahenten.

In der Stadtliga belegte nach den ersten drei Spieltagen das erste Team des SK Schwanewede mit zwei Siegen und einer Niederlage die Tabellenspitze. Hernach ging den Mannen um Mannschaftsführer Axel Jagdhuber jedoch anscheinend die Puste aus; es reichte nur noch zu zwei Unentschieden, so dass man bis zum achten Platz regelrecht durchgereicht wurde, was wegen des Doppelabstiegs aus der Verbandsliga nicht zum Klassenerhalt reichte. Die 5,5 aus 8 von Jurij Ruff konnten da keine Abhilfe schaffen. Abgegeben wurde die Tabellenführung an die erste Vertretung des SC Vahr. Das Waschhausteam war ebenfalls mit zwei (denkbar knappen) Siegen und einer (deutlichen Niederlage) gestartet, fegte dann jedoch fünf Spieltage lang alles gnadenlos weg, was ihm vor die Flinte kam: Drei Kämpfe gewann man 6:2, zwei mit 5,5:2,5. Garanten dieses Erfolgs waren vor allem die ersten vier Bretter, nämlich Leo Gontscharow (5,5 aus 8), Peter-Michael Gerhardt (6 aus 8), Jens Hänisch (5,5 aus 8) und Nikolai Gaier (6,5 aus 9). In der letzten Runde wartete jedoch mit der Bremer SG 4 noch das einzige ungeschlagene Team der Liga, das auch dieses Mal die Oberhand behielt: 5,5:2,5 hieß es am Ende aus Sicht der Mannschaft um Teamchef Christoph Beckmann, die sich wohl mit sechs Teamunentschieden um den Friedensnobelpreis bewerben wollte. Bei einer eventuellen Verleihung nicht preisberechtigt wären Dirk Stieglitz (5,5 aus 7) und Andreas Fricke (6 aus 8). Und wem leisteten die BSGler damit Schützenhilfe? Natürlich den eigenen Vereinskameraden von der Bremer SG 3. Selbige waren nach dem Unentschieden gegen gerade betrachtete Vierte im Auftaktspiel, das sich übrigens – ein Schelm, wer da was Böses denkt – aus acht Remisen zusammen setzte, sowie einem deutlichen 6:2-Sieg über SC Vahr 1 völlig überraschend gegen das nominell klar schwächere erste Team des SK Bremen-West knapp mit 3,5:4,5 gestrauchelt. Danach ließ die Mannschaft jedoch nichts mehr anbrennen und gewann die verbliebenen sechs Kämpfe, davon die Hälfte punktgenau mit 4,5:3,5. Dank der vereinsinternen Unterstützung schoss man damit noch am letzten Spieltag an den Vahrern vorbei. Wenig überraschend gehören drei der sechs Topscorer der Liga dem Stadtligameister an: Dr. Kai Hinrichs (5,5 aus 7), Ronald Fleck (6,5 aus 8) und der als Vorsitzender und Mannschaftsführer mit gutem Beispiel vorangehende Herwarth Ernst (5 aus 6).

Am siebten Spieltag hatte man die Findorffer SF 2 mit 5,5:2,5 besiegt – womit wir bei einem sehr traurigen Kampf angelangt wären: Das Heimteam bot in der Hemmstraße gerade mal fünf Spieler auf. Auffällig hierbei: Am selben Spieltag trat die Findorffer Dritte in der D-Klasse komplett an. Wären von den drei somit verschenkten Partien nur zwei zu Gunsten der Gastgeber ausgegangen, hätte die Mannschaft aus der Vahr die Stadtliga gewonnen – und Findorff die Klasse gehalten. Das Team wies zwar nach vier Spieltagen ein ausgeglichenes Punktekonto auf, war gegen die drei Spitzenmannschaften der Liga jedoch völlig überfordert. Nach einem Sieg in der achten Runde gegen die SF Lilienthal hatte man den Klassenerhalt am letzten Spieltag noch gegen die SF Leherheide 2 selbst in der Hand, vergab diese Chance allerdings denkbar knapp mit 3,5:4,5, was schlussendlich Platz 9 bedeutete. Für ein Aufrücken innerhalb der Mannschaftsliste empfahl sich Christoph Redmann (mit 4,5 aus 6 ohne Niederlage). Ebenfalls mit ausgeglichenem Punktekonto »überwintert« hatte TuS Varrel 2. Fünf empfindliche Niederlagen in den übrigen Spielen bedeuteten jedoch den nominell sicher nicht erwarteten letzten Platz in dieser Liga. In diesem Team brachten es lediglich einige der Reservisten bei entsprechend wenigen Einsätzen auf 50% oder mehr.

Topscorer Stadtliga (mindestens 5 gespielte Partien)
Name Brett Team Punkte
Bernhard Künne 4 SK Bremen-West 1 6/7 (86%)
Herwarth Ernst 8 Bremer SG 3 5/6 (83%)
Ronald Fleck 7 Bremer SG 3 6,5/8 (81%)
Dr. Kai Hinrichs 1 Bremer SG 3 5,5/7 (79%)
Dirk Stieglitz 2 Bremer SG 4 5,5/7 (79%)
Jürgen Tönjes 8 SF Lilienthal 1 5,5/7 (79%)

Die A-Klasse dominierten zwei der zahlreichen dem Bremer Verband angehörenden niedersächsischen Teams: Bereits nach vier Spieltagen belegten Tus Syke 2 und SF Achim 1 mit einem Punkt Vorsprung die Plätze 1 und 2 und tauschten fortan nur noch munter untereinander. Auf die Platzierung keinen Einfluss hatte dabei glücklicherweise die Tatsache, dass sich am vorletzten Spieltag nur sechs Schachfreunde von der SSG Stotel/Loxstedt auf den Weg in den Kreis Verden gemacht hatten; bei genau entgegen gesetztem Ausgang der so vorgegebenen Partien hätte das Ergebnis aus Sicht der Achimer zwar nicht 5,5:2,5, sondern 3,5:4,5 gelautet, aber auf Grund der besseren Brettpunkte gegenüber SV Werder 5 wäre man trotzdem Zweiter gewesen. Fette Punkte für Achim machten Dennis Webner und Ewald Wellmann (jeweils 6 aus 9) sowie vor allem der unter den Topscorern der Liga auf Rang 3 rangierende Alexander Paeschke (6,5 aus 8). Den Sieg in dieser Liga verdanken die Syker, die nach einer Niederlage in der ersten Runde nur noch ein Unentschieden abgaben, primär Wolfgang Schmidt (5,5 aus 8) und den beiden erfolgreichsten Ligaspielern Christoph Leipold und Jens Grieme (5,5 bzw. 5 aus 6).

Die SF Osterholz-Scharmbeck 2, nominell wohl krassester Außenseiter der Liga, legten mit zwei Siegen, davon einem gegen die eigene Erste, einen überraschend starken Saisonstart hin, konnten ihre Form jedoch nicht konservieren. Von den sieben Niederlagen am Schmerzhaftesten waren sicherlich die beiden im Januar: 0,5:7,5 hieß es gegen Syke 2, gegen Stotel/Loxstedt kassierte man gar die »Höchststrafe« von 0:8. Mit nur vier Mannschaftspunkten bei 7,5 Brettpunkten Rückstand auf Platz 9 belegte man in der Abschlusstabelle den letzten Platz. Eher auf organisatorische als auf sportliche Schwächen sind die anderen beiden Abstiege zurückzuführen: Die Teams SSG Stotel/Loxstedt (Platz 8) und Delmenhorster SK 4 (Platz 9) vergaben sich durch kampflose Partieniederlagen die Chancen auf nicht weniger als je fünf Mannschaftspunkte mehr. So erreichten z.B. am sechsten Spieltag die bei SV Werder 5 angetretenen fünf Spieler aus Stotel/Loxstedt ein 4:4 – man stelle sich vor, nur einer mehr wäre dabei gewesen. Beide Mannschaften hätten allein durch Siege in den kampflos verlorenen Partien die Klasse halten können. Die Teamchefs Gunnar Ahrens (DSK) und Uwe Berndt (Stotel/Loxstedt) müssen in der kommenden Saison in diesem Punkt einiges verändern, falls sie den sofortigen Wiederaufstieg anstreben. Nicht unerwähnt bleiben sollen die je 6 aus 9 durch Ahrens für den DSK und Wilfried Gerdes für Stotel/Loxstedt.

Topscorer A-Klasse (mindestens 5 gespielte Partien)
Name Brett Team Punkte
Christoph Leipold 6/7 TuS Syke 2 5,5/6 (92%)
Jens Grieme 5 TuS Syke 2 5/6 (83%)
Alexander Paeschke 6/7 SF Achim 1 6,5/8 (81%)
Arthur Szczap 4 SV Werder Bremen 5 5,5/7 (79%)
Oliver Höpfner 1/2 SV Werder Bremen 5 6,5/9 (72%)
Eberhard Leopold 3/4 Horn/Wilstedt 1 6,5/9 (72%)

Ungeschlagener Sieger der B-Klasse war SK Bremen-West 2, wobei die Mannschaft insgesamt recht minimalistisch agierte: Zu Buche stehen in der diese Saison mit nur acht Teams ausgetragenen Liga neben zwei deutlichen 6,5:1,5-Siegen zwei mit 4,5:3,5 sowie drei Unentschieden. Gegen die Bremer SG 5 wurde sogar durch eine kampflose Niederlage ein möglicher Mannschaftspunkt vergeben. Die Ergebnisse wurden insgesamt durch eine geschlossene Mannschaftsleistung erzielt, weswegen sich unter den Topscorern der Liga auch keines der Teammitglieder befindet; besonders ragt nur Ralf Fasmers mit 5,5 aus 7 heraus. Spannender gestaltete sich der Kampf um den zweiten Aufstiegsrang; am Ende gaben gerade mal zwei Brettpunkte den Ausschlag zu Gunsten der SF Achim 2, die allerdings auch das direkte Duell gegen den drittplatzierten SC Kattenesch mit 6:2 deutlich für sich entscheiden konnten. Im Gegensatz zu ihrer ersten Vertretung profitierten die Niedersachsen auch von drei kampflosen Partiesiegen, die ihnen insgesamt vier Mannschaftspunkte einbrachten. Mit 5 aus 6 erwies sich überdies der Bremer U12-Meister Cédric Tantzen als unschätzbar wertvoller Spieler. Als einziger Absteiger kristallisierte sich mit nur einem Sieg mindestens so deutlich wie der Meister die dritte Mannschaft des SK Bremen-West heraus, obgleich Martin Rosenke (4,5 aus 6) hier sehr gut punktete und Katja Fahrenholz (3,5 aus 4) sich gar unter den drei erfolgreichsten Spieler(inne)n der Liga befindet.

Topscorer B-Klasse (mindestens 4 gespielte Partien)
Name Brett Team Punkte
Hans-Martin Sixt 5 Bremer SG 5 3,5/4 (88%)
Julius Mosebach 8 TuS Syke 3 3,5/4 (88%)
Katja Fahrenholz 8 SK Bremen-West 3 3,5/4 (88%)
Cédric Tantzen 6 SF Achim 2 5/6 (83%)
Heiko Fischer 1 TuS Varrel 3 4/5 (80%)
Klaus Schröder 2 TuS Varrel 3 4/5 (80%)

Von Beginn an auf Platz 1 in der C-Klasse befand sich der TV Arbergen. Acht Siegen steht lediglich eine mit 2,5:3,5 denkbar knappe Niedrlage gegenüber. Hier findet sich eine ganze Hand voll erfolgreicher Punktesammler, von denen drei auch unter den besten Sechs der Liga auftauchen: Thomas Angermann (4,5 aus 6), Rolf Teske (5 aus 6), Axel Brandt (5,5 aus 7), Josef Lövenich (4 aus 5) und der Ligatopscorer Hinnerk Stach (5,5 aus 6). Wie in der B-Klasse war der zweite Aufstiegsplatz wesentlich härter umkämpft; erst am letzten Spieltag sicherte das Team SF Achim 3 dank der Schützenhilfe durch SK Schwanewede 2 gegen SV Werder 6 den dritten Vizemeisterplatz für den Verein in dieser Saison. Beim 4,5:1,5 über TuS Syke 4 war der Gegner allerdings nur zu viert angetreten. Wichtigste Punktesammler für Achim bzw. Thedinghausen waren Karl-Heinz Wolff (7,5 aus 9) und Uwe Heine (4,5 aus 6). Am Tabellenende stand der Absteiger schon vorzeitig fest: Die SGM Lemwerder hatte während der Saison offenbar massive Aufstellungsprobleme; von 54 auszutragenden Partien wurden acht einzelne sowie ein kompletter Mannschaftskampf, insgesamt also 14 kampflos verloren, was mehr als einem Viertel entspricht. Bei entsprechend anderem Ausgang dieser Spiele hätte das Team 8:10 Mannschaftspunkte statt 0:18 auf dem Konto, was locker zum Klassenerhalt gereicht hätte.

Topscorer C-Klasse (mindestens 5 gespielte Partien)
Name Brett Team Punkte
Hinnerk Stach 4/5 TV Arbergen 1 5,5/6 (92%)
Mariusz Schröder 3/4 SK Bremen-West 4 6/7 (86%)
Karl-Heinz Wolff 1 SF Achim 3 7,5/9 (83%)
Rolf Teske 2/3 TV Arbergen 1 5/6 (83%)
Dimitrij Jebtchouk 2/3 SV Werder Bremen 6 4/5 (80%)
Josef Lövenich 4 TV Arbergen 1 4/5 (80%)

Mehrere Parallelen zur C-Klasse finden sich in der darunter liegenden D-Klasse: Souveräner Sieger mit acht Siegen bei einer Niederlage wurde die Mannschaft Findorffer SF 3. Wichtigste Punktesammler im Team von Mannschaftsführer Guenter Mattfeldt waren Erich Casties (5 aus 6) sowie der mit 100% klare Ligatopscorer Sören Behrens (8 aus 8). Besonders erfreulich an diesem Sieg ist, dass die Mannschaft als einzige in der Liga sämtliche Partien tatsächlich gespielt hat; bei allen anderen stehen kampflose Partien zu Buche (wenngleich teilweise nur Siege, wofür derjenige ja üblicherweise nichts kann). Keine Partie kampflos verloren hat SC Kattenesch 2; die kampflosen Siege brachten sieben zusätzliche Mannschaftspunkte, was folgerichtig Platz 2 bedeutete. Vorbildlich mit 6 aus 8 agierte hier Mannschaftsführer Hartmut Flasche-Alke. Mit zwei Brettpunkten mehr, aber einem Mannschaftspunkt Rückstand auf Platz landete die neugegründete Schachabteilung des OT Bremen, die mit Dr. Armin Sausmikat (8 aus 9), Eckhard Bartkowski (6 aus 8) und Frank Michael (4 aus 5) drei der sechs Ligatopscorer stellte. Wäre man am fünften Spieltag im direkten Duell komplett angetreten, hätte das vielleicht schon zu mehr als dem erzielten 2:2 gereicht, was in der Abschlusstabelle Platz 2 bedeutet hätte. Das Beispiel für katastrophale Saisonplanung in dieser Liga war die Mannschaft SV Werder 8, die nur zwei Mal überhaupt zu viert antrat und sogar zwei Spiele komplett absagte, was das Team von Mannschaftsführer Thorsten Schumann insgesamt neun mögliche Mannschaftspunkte kostete.

Topscorer D-Klasse (mindestens 5 gespielte Partien)
Name Brett Team Punkte
Sören Behrens 4 Findorffer SF 3 8/8 (100%)
Dr. Armin Sausmikat 1 OT Bremen 8/9 (89%)
Erich Casties 1/2 Findorffer SF 3 5/6 (83%)
Frank Michael 4 OT Bremen 4/5 (80%)
Eckhard Bartkowski 2 OT Bremen 6/8 (75%)
Hartmut Flasche-Alke 1/2 SC Kattenesch 2 6/8 (75%)

»Epilog«: Es mag die übrigen Vereine erleichtern, dass selbst der deutsche Meister vor solchen Problemen nicht gefeit ist, aber seitens der Redaktion kann die durch die folgende Tabelle dokumentierte Entwicklung nur als Besorgnis erregend bezeichnet werden. Insbesondere in den untersten beiden Klassen dürfte es für jeden schon ohne Statistiken leicht ersichtlich sein, dass eine einzelne Partie hohes Gewicht hat (in der D-Klasse 25% des gesamten Mannschaftskampfs). Bei der Erstellung dieser Übersicht war mir teilweise direkt zum Heulen zumute. In der C- und D-Klasse wurden durch die Kampflosen je 21 Mannschaftspunkte verschoben – also mehr, als ein Team in einer Saison überhaupt erreichen kann. Auch der Stadtligameister wäre bei genau entgegen gesetztem Ausgang jenes oben erwähnten Kampfes ein anderes Team geworden. Wer diese Zahlen liest, braucht sich nicht darüber zu wundern, dass der Weser-Kurier keine Schachresultate veröffentlicht...

Auswirkungen der kampflosen Partien auf Mannschaftskämpfe und Saisonverlauf
Liga Partien Einfluß Mannsch.k. Auf Abs A+A Einfluß Saison
Stadtliga 360 10/17 (59%) 0 2 3 5/17 (29%)
A-Klasse 360 10/17 (59%) 10 10/17 (59%)
B-Klasse 280 13/18 (72%) 6 6/18 (33%)
C-Klasse 270 32/41 (78%) 8 6 18 32/41 (78%)
D-Klasse 180 27/32 (84%) 17 17/32 (53%)

Erläuterungen:

Raimund Klein