Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft 2005

In der Pfingstwoche vom 14. bis 22. Mai machten sich die Bremer Jugendlichen Maike Janiesch (U18w), Benjamin Kaufmann (U18), Alex Isakson (U16), Simon Bart (U14), Eileen Thiele (U12), Cedric Tantzen (U12), Jendrik von Wardenburg (U12), Christin Woitysak (U10), An Hai Dang (U10), Tobias Kügel (U10), Simon Schäfer (U25-Open) und Arthur Szczap (U25-Open) sowie die Betreuer Gennadij Fish und Florian Mossakowski auf den Weg nach Willingen zur diesjährigen Deutschen Jugendmeisterschaft. Am ersten Wochenende fungierten Markus Lammers und Ulrike Schlüter als zusätzliche Betreuer, während in der restlichen Zeit einige mitgefahrene Eltern die Betreuer dankenswerterweise entlasteten.

[Photo Die Bremer Delegation bei der DJEM in Willingen (von links nach rechts): Gennadij Fish, Alex Isakson, Simon Bart, Simon Schäfer, Jendrik von Wardenburg, Benjamin Kaufmann, Tobias Kügel, Cédric Tantzen, Arthur Szczap, An Hai Dang, Maike Janiesch, Eileen Thiele, Christin Woytisak, Florian Mossakowski]Die Bremer Delegation bei der DJEM in Willingen (von links nach rechts): Gennadij Fish, Alex Isakson, Simon Bart, Simon Schäfer, Jendrik von Wardenburg, Benjamin Kaufmann, Tobias Kügel, Cédric Tantzen, Arthur Szczap, An Hai Dang, Maike Janiesch, Eileen Thiele, Christin Woytisak, Florian Mossakowski (Photo: Ingo Tantzen)

Die Meisterschaft fand bereits zum vierten Mal in Folge im exzellenten Sauerland-Stern Hotel statt, das für optimale Spiel- und Freizeitbedingungen für die ca. 700 Teilnehmer sorgte.

Das Thema der diesjährigen Meisterschaft lautete Karibik, passend dazu wurde eine Kokusnuss als Wanderpokal für besondere Leistungen bzw. Engagement verliehen, die am Ende des Turniers zugunsten eines guten Zwecks über ebay versteigert wurde.

Über alles Wissenswerte zur Meisterschaft wurde täglich im „Jamaika-Journal“ berichtet, das auch im Internet unter www.dem2005.de (Website offline) veröffentlicht ist. Ein weiteres Motto war das Fair-Play, hierfür wurde extra eine eigene Wertung mit grünen Karten (für besonders faires Verhalten) bzw. gelben und roten Karten (für störendes bzw. unfaires Verhalten) eingeführt.

Der Terminplan sah für die U10 und U12 4 Doppelrunden bei insgesamt 11 Runden vor, während die Älteren es mit 9 Runden etwas gemütlicher angehen konnten, dafür aber meist auch viel länger spielten. Um neben dem Rhythmus Partie vorbereiten, spielen und nachbereiten auch mal etwas vom Schach abschalten zu können, gab es in dem Hotel eine große Freizeithalle, in der täglich vom „Dr. Freizeitteam“ diverse Events angeboten wurden. Die erfolgreiche Teilnahme an diesen Veranstaltungen wurde mit Länderpunkten belohnt und das beste Bundesland in der Kombinationswertung von Unihockey, Fußball, Honululu Star-Search, Cocktail mixen, Tischtennis und Blitzschach gesucht. Wem das noch nicht genug war, der konnte sich auch im hoteleigenen Lagunen-Schwimmbad (mit vier Rutschen) erholen. Ein beliebtes Ausflugsziel war auch die Sommerrodelbahn Willingen, die nach einem kurzen Fußweg zu erreichen war.

Dass die Bremer bei der Meisterschaft einen recht schweren Stand haben würden, war schon beim Blick auf die Teilnehmerlisten deutlich, fast ausnahmslos befanden sich dort die Bremer am unteren Ende der DWZ/Elo-Rangliste. Insofern galt es erstmal, sich möglichst gut zu behaupten und gegen starke Gegnerschaft Erfahrungen zu sammeln. Die schachliche Betreuung wurde so aufgeteilt, dass Gennadij hauptsächlich für die älteren zuständig war, während Florian sich um die „Kleinen“ kümmerte.

Die Resultate im Einzelnen:

In der U18w war Maike Janiesch als vorletzte der Setzliste von der Papierform her zwar nicht soviel zuzutrauen, doch der Abstand zum Mittelfeld war erstens nicht übermäßig groß und außerdem ist Maike die starke Gegnerschaft durch einige DJEM-Teilnahmen schon gewohnt.

Leider ging bei ihr der Turnierstart mit 0/3 völlig daneben, wobei besonders die Niederlage in der dritten Runde ärgerlich war, da sie eine einfache Gewinnstellung mit zwei Mehrbauern noch verdarb. Es folgte ein überzeugender Sieg gegen eine stärker eingestufte Gegnerin sowie ein Remis, bei dem Maike eine taktische Chance ausließ, wonach das Spiel verflachte. Es folgte ein Eröffnungsunfall in der sechsten Runde und wieder ein überzeugender Weißsieg in der siebten Runde. Das Turnier endete mit einem ausgekämpften Remis sowie einem erneuten kurzzügigen Eröffnungsunfall (die Philidorverteidigung scheint bei 0/3, wovon zwei Partien um die 20 Züge dauerten einfach nicht die richtige Eröffnung für Maike zu sein). So reichte es letztlich leider nur zu 3/9 und dem 26. Platz von 28, da wäre sicher noch mehr drin gewesen!

Bei der männlichen U18 startete Benjamin Kaufmann als 24. von 28 in der Elo-Setz-liste, wobei er aber die schlechteste DWZ im Teilnehmerfeld aufwies. Auch er startet mit 0/3, was aber hauptsächlich an der übermächtigen Gegnerschaft lag (zwei 2200er und ein 2000er). Es folgte ein Remis gegen einen weiteren 2000er, wobei die Endstellung allerdings deutlich vorteilhaft für Benjamins Gegner aussieht. Das starke Teilnehmerfeld in diesem Turnier demonstriert die Tatsache, dass Benjamin in der fünften Runde mit 0.5/4 einen Gegner mit fast 2100 Elo zugelost bekam, leider verdarb er hier eine vorteilhafte Stellung durch einen einzügigen Turmeinsteller. Es folgte eine Serie von drei Remisen, wobei beim ersten Benjamin und beim zweiten sein Gegner stark unter Druck standen, während das dritte in Ordnung geht. In der letzten Runde kam Benjamin durch einen im Damenendspiel technisch sauber verwerteten Mehrbauern doch noch zu seinem Erfolgserlebnis, so dass am Ende ebenfalls 3/9 und der 24. Platz (genau gemäß Setzliste) herauskam.

In der U16 hatte Alex Isakson als deutlich letzter der Setzliste einen schweren Stand, vor allem weil der Abstand zum hinteren Mittelfeld schon 400 Punkte betrug. Auch für ihn war in den ersten drei Runden gegen sehr starke Gegnerschaft nichts zu holen, in der vierten Runde verweigerte er aber unnötigerweise die Verwertung eines Mehrbauern gegen einen nicht so übermächtigen Gegner und willigte ins Remis ein. Es folgte ein stark herausgekämpftes Remis gegen einen 500 Punkte stärkeren Gegner, gegen den Alex ein schlechteres Endspiel so lange geduldig verteidigte, bis dieser schliesslich seine Gewinnbemühungen einstellen musste. Die nächsten drei Runden brachten leider wieder drei Niederlagen, wobei in der siebten Runde unnötiger Aktionismus in einer ausgeglichenen Stellung bestraft wurde, während die anderen beiden Partien schon aus der Eröffnung heraus schlecht standen.

In der letzten Runde konnte Alex durch einen Sieg im Turmendspiel (der allerdings schon viel früher unter Dach und Fach hätte sein müssen) gegen einen 300 Punkte stärkeren Gegner dann doch noch einmal gewinnen, wodurch insgesamt 2/9 und der 27. Platz von 28 zu Buche standen. Bezeichnend für den Abstand zu den anderen Landesverbänden ist, dass Alex mit 2/9 noch deutlich DWZ hinzugewonnen hat!

Simon Bart startete in der U14 ebenfalls als letzter der Setzliste. Das Turnier begann mit einem Remis aus der Position der Stärke heraus gegen einen 500 Punkte stärkeren Spieler verheißungsvoll, leider folgten zwei Niederlagen gegen ebenfalls deutlich höher eingeschätzte Spieler, wobei die zweite etwas unnötig war, da Simon einen Bauern mehr hatte gegen ungenügende Kompensation, aber leider taktisch überspielt wurde. Es folgte ein sehr unnötiges Remis, als Simon mit Mehrfigur gegen zwei Bauern klar auf Gewinn stand und bei der technischen Verwertung den Gegner ins Remis entschlüpfen ließ. Es folgte eine klare Niederlage sowie ein gut herausgekämpftes Remis aus einem schwierigen Turmendspiel mit einem Minusbauern. In der siebten Runde wurde der Kampfgeist mit einem Sieg belohnt, hier hatte sein Gegner allerdings auch „nur“ 100 DWZ-Punkte mehr aufzuweisen.

Das Turnier endete leider mit zwei Niederlagen gegen wieder sehr starke Gegnerschaft, wodurch am Ende 2.5/9 und der 26. Platz von 28 herauskamen.

In der U12 starteten mit Eileen Thiele, Cédric Tantzen und Jendrik von Wardenburg drei Bremer, wobei insbesondere von Cédric einiges zu erwarten war, war er doch als einziger Bremer Teilnehmer der Deutschen in der vorderen Hälfte gesetzt.

Bei Eileen geriet der Start mit 0/5 völlig daneben, wofür sich eine Kombination aus stärkerer Gegnerschaft und hoher Einstellquote in den chancenreichen Stellungen verantwortlich zeigte. Es folgte ein Sieg in der sechsten Runde, bei dem Eileen einen Angriff überzeugend vortrug und ihrer Gegnerin keine Chance ließ. Nach zwei erneuten deutlichen Niederlagen hatte Eileen in der neunten Runde spielfrei, um dann in der folgenden Runde gegen Jendrik in derselben Variante wie bei ihrem ersten Sieg erneut überzeugend zu gewinnen. Zum Abschluss folgte ein Kurzremis, wodurch am Ende 3.5/11 und der 93. Platz von 97 erzielt wurden.

Cédric startete mit einem positionell stark herausgespielten Sieg, musste aber in der zweiten Runde gegen den späteren dritten antreten und verlor durch eine Unachtsamkeit in der Eröffnung eine Figur. In den folgenden beiden Runden folgten Remisen gegen eigentlich schwächer eingeschätzte Gegner, wobei Cedric in der vierten Runde auch noch viel Glück hatte, als er eine klare Verluststellung noch ins Remis rettete. Es folgte eine sehr unnötige Niederlage gegen eine wieder schwächer eingeschätzte Gegnerin, als Cédric ein vorteilhaftes Endspiel durch einen völlig unverständlichen Zug verlor. Als auch noch die folgende Runde durch einen positionellen Fehler, der von seiner Gegnerin konsequent ausgenutzt wurde, verlorenging, war auch sein Start mit 2/6 völlig danebengegangen. Die folgenden beiden Runden brachten Remisen gegen schwächer eingeschätzte Gegner, wobei die Stellungen zwar nicht vorteilhaft waren, aber immerhin noch spielbar. Erst ein Remisverbot für die folgenden Partien durch den Kadertrainer zeigte Wirkung, in der neunten Runde gewann Cédric durch eine starke Leistung gegen das Königsgambit und in der folgenden Runde klammerte er einen Mehrbauern, ließ sich vom Gegenspiel der Gegnerin nicht entmutigen und verwertete den Bauern sicher im Endspiel. Die letzte Runde brachte noch ein farbloses Remis in sehr ausgeglichener Stellung, sodass Cédric als einziger Bremer auf 50% der möglichen Punkte kam und mit 5.5/11 den 47. Platz belegte.

Auch bei Jendrik ging der Start mit 0/3 daneben, bei ihm war vor allem ein zum Teil übergroßer Optimismus bei gleichzeitiger Missachtung eigener Schwächen ein Problem.

Gerade dieser Optimismus brachte ihm aber einen halben Punkt gegen einen 400 Punkte stärkeren Gegner in der folgenden Runde, als er mutig eine Figur opferte und sein Gegner sich ungenügend verteidigte. Leider gab er das Endspiel mit 4 Bauern für einen Läufer Remis, obwohl praktisch keine Verlustgefahr bestand. Es folgte wieder eine zu optimistisch angelegte Partie sowie ein sehr überzeugender Sieg, als Jendrik alle taktischen Verwicklungen gut durchdachte und die gute Stellung im Endspiel auch verwertete. In der siebten Runde gab Jendrik unverständlicherweise in glatter Gewinnstellung Remis, während das Remis in der folgenden Runde seinem unermüdlichen Kampfgeist durch Figurenopfer in schwieriger Stellung erzielt wurde. In der neunten Runde überspielte Jendrik seinen Gegner, ließ ihn aber bei der technischen Verwertung ins Remis entwischen. Die zehnte Runde brachte die bereits erwähnte Niederlage gegen Eileen und in der letzten Runde folgte zum Abschluss ein schnelles Remis, sodass sich der 89. Platz mit 3,5/11 ergab.

In der U10 waren Christin Woitysak, An Hai Dang und Tobias Kügel am Start. Christin war bei ihrer ersten Deutschen Meisterschaft überfordert, außer einem Remis und einem Punkt durch das Freilos verlor sie alle anderen Partien. In einer Runde hatte sie dabei sogar eine glatte Gewinnstellung mit einem Mehrturm, aber anstatt die Damen zu tauschen und im Endspiel zu gewinnen, verlor sie die Partie gar noch. So blieb am Ende leider nur der letzte Platz mit 1,5/11.

An Hai spielte sehr wechselhaft, er hat immer ein gutes Gespür für die gegnerische Schwächen, vergisst dabei aber häufig die eigenen. So wechselten sich bei ihm immer Niederlagen und Siege ab, ein Kuriosum dabei eine Partie, in der er rochierte, obwohl der König dabei über ein bedrohtes Feld ging, der Gegner es nicht bemerkte und die Partie mit unmöglichem Zug zu Ende gespielt wurde. Am Ende hatte An Hai 5/11 auf seinem Punktekonto, bei keinem einzigen Remis! Dies brachte den 63. Platz von 93 Teilnehmern. Hier wäre sicher mehr drin gewesen, wenn nicht so viele klare Gewinnstellungen verloren gegangen wären, zweimal gar mit einem Mehrturm und einmal mit zwei Mehrfiguren. Tobias Kügel hatte mit 0/4 einen schlechten Start, fing sich danach aber und konnte mit ebenfalls 5/11 noch zu An Hai aufschließen. Auch wenn er taktisch nicht so gut ist wie An Hai, so überzeugt bei ihm die konsequente Verwertung seiner vorteilhaften Stellungen, die ihm so manchen Punkt einbrachte.

Im U25-Open spielten Simon Schäfer und Arthur Szczap mit.

Simon hatte mit dem üblichen Schweizer System Phänomen zu kämpfen, relativ wenige gleichwertige Gegner zu bekommen. So waren vier seiner neun Gegner 400 oder mehr Punkte stärker, leider holte er gegen diese 0/4, während er gegen die schlagbaren Gegner mit 4/5 überzeugte. Insgesamt standen damit 4/9 bzw. 11 Punkte (es wurde nach drei Punkte-Wertung gezählt) zu Buche, was dem 66. Platz von 96 Teilnehmern entsprach.

Das gleiche Phänomen trat bei Arthur auf, er hatte 5 nominell stärkere und 4 schwächere Gegner, er bestätigte die Papierform indem er gegen alle stärkeren verlor und gegen alle schwächeren gewann, was ebenfalls 4/9 aber 12 Punkte und Platz 49 ergab.

Erfolge konnten die Bremer bei den Sonderwertungen erringen, sie wurden bei der endlos langen Siegerehrung als fairster Landesverband geehrt, was wohl hauptsächlich daran lag, dass im Gegensatz zu den anderen Landesverbänden keine gelben/roten Karten zu Buche standen. Erwähnenswert ist aber das faire Verhalten von Tobias Kügel, der in einer Partie einer halbstündigen Spielunterbrechung zustimmte, als es seiner Gegnerin schlecht ging und dafür eine grüne Karte bekam.

Auch bei der Länderwertung machte sich Bremen gut, so wurde im Unihockey ein hervorragender zweiter Platz erzielt, beim Cocktailmixen ein dritter und auch beim Starsearch taten sich die Bremer durch zahlreiche Teilnahme hervor. Leider klappte es beim Fußball nicht so gut, als man ausgerechnet gegen die Bayern im Elfmeterschiessen rausflog, und auch beim Blitzschach war wenig zu bestellen, so dass letztlich das Treppchen bei der Länderwertung knapp verpasst wurde.

Insgesamt war es eine schöne Deutsche Meisterschaft die allen Teilnehmern viel Spaß gemacht hat, auch wenn die schachlichen Erfolge der Bremer eher dürftig sind, hier ist doch ein deutlicher Abstand zu den anderen Landesverbänden insbesondere bei den älteren Jahrgängen zu beobachten.

(Eine Partienauswahl folgt in der nächsten Ausgabe.)

Florian Mossakowski