Der Delmenhorster Schachklub trauert um Egon Ditt

Die Schachwelt trauert um einen ihrer profiliertesten Vertreter. Am 4. Juli 2005 verstarb in seiner Heimatstadt Bremen unser Mitglied, der langjährige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende des Deutschen Schachbundes, Egon Ditt, mit 74 Jahren.

[Photo Egon Ditt]Egon Ditt

Seit über 30 Jahren gehörte Egon Ditt dem Delmenhorster Schachklub an, dessen Farben er in 196 Mannschaftswettkämpfen auf höchstem Niveau vertrat. Bereits im Jahre 1972, als in Delmenhorst mit dem Aufbau eines Bundesligateams begonnen wurde, stieß er, der zuvor in Bremen-Ost gespielt hatte, zum DSK. Trotz seiner starken beruflichen Beanspruchung als Bremer Senatsrat gehörte er über Jahrzehnte zu unserer ersten Mannschaft. Noch in der Saison 2002/03 war er als Stammspieler aufgestellt. Seine besonderen nationalen und internationalen Verdienste erwarb sich der 1931 geborene Egon Ditt als Sportpolitiker, der in seiner Zeit als Präsident des Deutschen Schachbundes von 1989 bis 2001an prominenter Stelle dafür sorgte, dass die Zusammenführung der Schachverbände der Bundesrepublik und der DDR im Zuge der Wiedervereinigung in einem sanften Prozess verlief. Schon zuvor war es dem diplomatisch geschickten Egon Ditt gelungen, sich das Vertrauen der DDR-Schachverantwortlichen zu sichern. Als Delegationsleiter bei einem Schachwettkampf zwischen den Mannschaften der DDR und der Bundesrepublik machte er 1988 in Potsdam eine solch gute Figur, dass ihm die Vereinigungsaufgabe wenig später fast wie selbstverständlich zufiel.

Mit seiner Mischung aus Integrität und Zielstrebigkeit gelangte der Träger des Bundesverdienstkreuzes auch in die Führungsgremien des Welt-Schachverbandes FIDE, in dem seine ausgleichende Art vor allem in kontroversen Situationen gefragt war.

Trotz solch internationalen Ansehens verlor er nie den Kontakt zu seiner sportlichen Basis. Bei aller sportlichen, beruflichen und politischen Beanspruchung gehörte der Träger unserer silbernen Ehrennadel zusammen mit seiner Ehefrau Jutta zu den Besuchern des DSK. Auch bei der Hauptversammlung gab er stets wertvolle Impulse zur Weiterentwicklung des Vereins.

Jürgen Hurrle, Helmuth Riewe