Werder: Aktion Titelverteidigung gestartet

Der Deutsche Meister im Schach Werder Bremen löste seine Hausaufgaben zufriedenstellend, zeigte einmal mehr seinen bekannten Sinn fürs Ökonomische und bezwang bei der ersten Bundesliga-Doppelrunde die SG Aljechin Solingen und den SV Wattenscheid jeweils knapp, aber nicht unverdient 4,5:3,5. Damit knüpfte die Mannschaft des Titelverteidigers bemerkenswert nahtlos ans letzte Saisonfinale im April an, wo es gegen die selben Gegner die selben Resultate gab.

[Photo »Wie einst im Mai« glänzte Werders Oldie Rainer Knaak beim Bundesliga-Auftakt]»Wie einst im Mai« glänzte Werders Oldie Rainer Knaak beim Bundesliga-Auftakt

Wieder spannend, aber nicht ganz so nervenaufreibend wie zuvor, war der Kampfverlauf gegen Solingen, wenngleich die sich schon bald abzeichnenden Verluste an den beiden Spitzenbrettern (!) erst einmal kompensiert werden mussten. Das Bundesliga-Debüt des jungen ukrainischen Landesmeisters Alexander Areshchenko misslang gründlich: Er sah sich gleich mit seinem großen Vorbild Artur Jussupow und dessen ausgekochter Russischer Verteidigung konfrontiert, wo der Ukrainer nach seinem riskanten Bauernfang am Damenflügel dem gefährlichen Königsangriff seines Gegners zum Opfer fiel. Und Zbynek Hraceks Moderne Benoni-Verteidigung kam mit dem offensichtlich unterschätzten Fianchetto-Aufbau von Predrag Nikolic überhaupt nicht zurecht. Auf der anderen Seite agierte Werders Oldie Rainer Knaak »wie einst im Mai« und punktete glänzend: In der eigentlich schon angestaubten Bogoljubow-Variante des Slawischen Abtauschsystems gelang ihm mit einem improvisierten Bauernopfer eine verblüffende Neuerung, die nach einer falschen Reaktion seines holländischen Widersachers, Junggroßmeister Jan Smeets, zu einem 16-zügigen Kantersieg führte. Dann zerstörten Werder Bremens alte und bereits schon wieder neue Topscorer Vlastimil Babula und Tomi Nyback sämtliche Hoffnungen der Klingenstädter, indem sie mit ihren vollen Punkten erst für den Matchausgleich und später für die Entscheidung sorgten, da alle anderen Begegnungen remis endeten.

Solingen – Werder Bremen 3,5 : 4,5
1. Jussupow – Areshchenko 1:0, 2. Nikolic – Hracek 1:0, 3. Sandipan – Pelletier remis, 4. Baramidze – Babula 0:1, 5. Stellwagen – Nyback 0:1, 6. Naumann – Fish remis, 7. Smeets – Knaak 0:1, 8. Werle – Meins remis

In der heimeligen Aula seiner Pestalozzischule setzte der Deutscher Blitzmeister und Gastgeber Wattenscheid den Bremern härter zu. Newcomer Areshchenko konnte gegen seinen armenischen Widersacher Großmeister Gabriel Sargissian die Eröffnungsprobleme nur unbefriedigend lösen, handelte sich eine geschwächte Bauernstruktur ein, welche dann im Endspiel gnadenlos geahndet wurde. Auch Knaak sorgte wieder für Aufregung, diesmal allerdings - gegen IM Oscar Lemmers (NED) - ging seine stark fehlerhafte und von Zeitnot geprägte Partie letztlich verdient den Bach runter. Da Werder jedoch über den gefürchteten »Babula/Nyback-Sturm« verfügt, und dieser zum zweiten Mal an diesem Wochenende zuschlagen konnte, war der Kampf wieder offen. Nach diversen Remisen gelang es schließlich Yannick Pelletier, der ein unverhofftes Qualitätsplus verwalten durfte, zum Ende der sechsten Stunde mit seinem 80. Zug den Matchpoint gegen GM Alexander Rustemov (RUS) einzufahren.

Werder Bremen – Wattenscheid 4,5 : 3,5
1. Areshchenko – Sargissian 0:1, 2. Hracek – Macieja remis, 3. Pelletier – Rustemov 1:0, 4. Babula – Johannessen 1:0, 5. Nyback – Holzke 1:0, 6. Fish – Appel remis, 7. Knaak – Lemmers 0:1, 8. Meins – Straeter remis.

»Die Minimalisten der Liga siegen weiter« heißt es in einem Schachmagazin. Schön wär’s ja; schon die nächste, beinharte Tripelrunde im Weserstadion (11. – 13.11.), wo es gegen den »einstigen Angstgegner« Hamburger SK sowie die Berliner Vertreter Kreuzberg und Neukölln geht, wird für Werder eine Standortbestimmung sein.

Claus Dieter Meyer