Bundesliga: Das Ende einer tollen Serie

Werder fällt nach Niederlage gegen Kreuzberg zurück

Ziemlich durchwachsen verlief für den Deutschen Schachmeister Werder Bremen das lange Bundesliga-Wochenende vom 11. bis 13. November in der Businessloge des Weserstadions. Nach einem hauchdünnen Sieg über den Hamburger SK am Freitag gab es tags darauf gegen das Topteam von Berlin Kreuzberg eine ebensolche Niederlage, während das Sonntagsmatch gegen die Schachfreunde Neukölln relativ undramatisch zugunsten der Gastgeber endete.

Nach dieser Heimspielpremiere ist Werder zwar schon Außenseiter im Titelrennen, hält aber noch mit einem Punkt Abstand Kontakt zur Spitzengruppe, wo insbesondere der TV Tegernsee (in Bad Wiessee) mit einem bravourösen, hoch verdienten 4:4 gegen die vermeintliche Übermannschaft OSC Baden-Baden und die SG Aljechin Solingen (in Porz-Wahn) durch ein 4,5:3,5 über die SG Porz für einen Tag der großen Überraschungen gesorgt hatten.

In der vorgeholten 7. Runde im Weserstadion gegen unseren alten Hamburger Rivalen sollte sich Werders Schachkönigin und einzige Dame in der Bundesliga Almira Skripchenko als Zünglein an der Waage erweisen. Nachdem sich sämtliche Herren mit mehr oder weniger ausgekämpften Remisen schon vor der ersten Zeitkontrolle längst der Verantwortung entzogen hatten, gelang es ihr, in einer nervenaufreibenden, fast sechsstündigen Partie den in hoher Zeitnot befindlichen Dirk Sebastian im Endspiel niederzuringen. 4,5:3,5 lautete einmal mehr das »Standardergebnis« für die gern als »Minimalisten der Liga« bezeichneten Bremer.

Werder Bremen – Hamburger SK 4,5:3,5
1. Efimenko – Gustafsson, 2. Areshchenko – Ftacnik, 3. Hracek – Kempinski, 4. Pelletier – Hansen, 5. Babula – Heinemann, 6. Fish – Rogozenko und 7. Schandorff – Van Delft alle remis, 8. Skripchenko – Sebastian 1:0.

Seit November 2004 verliert Werder erstmals wieder ein Punktspiel. Nach sieben knappen 4,5-Erfolgen sollte diese Serie gegen Kreuzberg ein Ende haben, ironischerweise mit 3,5:4,5, was aber dem Verlauf nach in Ordnung ging – und alle Bremer schienen geradezu von einer Belastung erleichtert zu sein. Trotz des kurzfristigen Einsatzes von Oxford-Student Luke James McShane, der dem frisch gebackenen Europameister Liviu-Dieter Nisipeanu (ROM) am Spitzenbrett mit der »Berliner Mauer« in der Spanischen Partie ein Remis abknöpfen konnte, sollte es nicht reichen. Diesmal ohne Almira kam wieder kein voller Punkt zustande, im Gegenteil: Der 19 jährige Newcomer bei Werder, Alexander Areshchenko, war erneut der Pechvogel. Sein Endspiel gegen den polnischen Großmeister Bartosz Socko hing nach dessem Bauerndurchbruch am Damenflügel am seidenen Faden, der erst im letzten kritischen Moment durch einen Fehltritt von Areshchenkos König abrupt riß. Der Bundesliga-Einstand des Ukrainers mit insgesamt 1 Punkt aus 5 Partien kann nicht gerade als gelungen bezeichnet werden, aber sein großes Potential wird hoffentlich bald zum Tragen kommen. Überdies war Zbynek Hraceks halber Punkt gegen den 53jährigen Oleg Romanishin (UKR) schmeichelhaft, letzterer hätte statt des Damentausches viel besser seinen Angriff fortsetzen können (33…Dg1+!).

Werder Bremen – SC Kreuzberg 3,5:4,5
1. McShane – Nisipeanu remis, 2. Efimenko – Almasi remis, 3. Areshchenko – Socko 0:1, 4. Hracek – Romanishin, 5. Pelletier – Maiwald, 6. Babula – Kalinitschew, 7. Fish – Lau und 8. Schandorff – Tischbierek alle remis.

Werder konnte sich also nicht beklagen, denn 14 Remisen und nur 1 gewonnene Partie in zwei Runden sind eben einfach zu wenig. Aber das sollte sich schon gegen Neukölln ändern. Tatsächlich waren die Köpfe freier und die Kampfbereitschaft größer. Erst nach gut drei Stunden gab es ein erstes Ergebnis, und zwar ein unverhoffter Erfolg von Almira Skripchenko über den Internationalen Meister Marco Thinius, der sich mit einem abwegigen Qualitätsopfer im 28. Zug einen ganz groben Bock leistete. Dann, nach zwei Punkteteilungen von Areshchenko und Pelletier, wurden nicht weniger als fünf Partien entschieden. Zwar standen zwei Niederlagen – von Fish und Schandorff – zu Buche, aber eben auch noch drei weitere Siege. Von Zahar Efimenko an Brett 1 wurde ebenso ein voller Punkt geliefert wie vom Topscorer Vlastimil Babula, und Zbynek Hracek fightete die sechs Stunden fast aus, um IM Rainer Polzin den ganzen Zähler zu entreißen. 5 : 3 also – und wenn Caissa nichts dagegen hat, darf es jetzt auch wieder ein Jahr bis zur nächsten Niederlage dauern …

SFR Neukölln – Werder Bremen 3:5
1. Nataf –Efimenko 0:1, 2. Miroshnichenko – Areshchenko remis, 3. Polzin – Hracek 0:1, 4. Berndt – Pelletier remis, 5. Schneider – Babula 0:1, 6. Poldauf – Fish 1:0, 7. Thiede – Schandorff 1:0, 8. Thinius – Skripchenko 0:1

Claus Dieter Meyer