Bundesliga: Viereinhalb ist Bremer Recht

Werders Schach-Erfolgsserie hält an

Nach langer Winterpause in der Schach-Bundesliga blieb der Deutsche Meister Werder Bremen am letzten Wochenende bei der 8./9. Doppelrunde auf Siegeskurs. Gegen die starken Ruhrpott-Teams von Essen-Katernberg und Mülheim Nord lieferte er alles in allem eine solide Vorstellung, behielt mit dem ‚Bremer Standardergebnis’ von 4,5:3,5 jeweils verdient die Oberhand und behauptete einen Punkt hinter Baden Baden Tabellenplatz zwei. Viereinhalb ist eben Bremer Recht!

[Photo Der Auftritt des Deutschen Meisters in Mülheim lockte zahlreiche Zuschauer.]Der Auftritt des Deutschen Meisters in Mülheim lockte zahlreiche Zuschauer.

Bei hervorragenden Spielbedingungen im imposanten Foyer der Stadtsparkasse Mülheim ging Werder ohne seine ukrainischen Jungstars Efimenko und Areschchenko sowie den Schweizer Pelletier in diese schweren Treffen und gewann doch am Ende erstaunlicherweise relativ sicher.

Als einziger Schwachpunkt erwies sich Oxford-Student Luke McShane, der am Spitzenbrett in beiden Partien den Kürzeren zog. Gegen Katernbergs Andrei Volokitin (UKR) griff er in einem geschlossenen sizilianischen Gefecht kurz vor der Zeitkontrolle daneben und ruinierte dann seine vorher so ansprechende Stellung völlig. Ebenfalls sizilianisch, allerdings mit heterogenen Rochaden, ging es zwischen Sergey Erenburg (ISR) und Werders Zbynek Hracek ungleich heißer zur Sache, wobei der Tscheche in Bremer Diensten als Verteidiger geschickt konterte, schon bald in Vorteil kam und diesen überzeugend zum Sieg verdichten konnte.

Nach fünf Friedenschlüssen blieb es Werders Oldie, dem Leipziger Großmeister Rainer Knaak vorbehalten, den Matchpoint einzufahren. Sein Kontrahent, der griechische IM Gregor Souleidis, übersah in einem leicht schlechteren Endspiel eine taktische Finesse, verlor im 29. Zug einen Bauern, was Knaak aufgrund zähen Widerstands aber erst nach 40 weiteren Zügen entscheidend ausnutzen konnte.

Die Einzelergebnisse:

8. Runde Katernberg – Werder Bremen 3,5:4,5
1. Volokitin – McShane 1:0, 2. Erenburg – Hracek 0:1, 3. Kritz - Babula remis, 4. Chuchelov – Nyback remis, 5. Smagin – Fish remis, 6. Senff – Schandorff remis, 7. Souleidis - Knaak 0:1, 8. Thesing – Steingrimsson remis.

Gegen den Gastgeber Mülheim begann es damit, daß wieder fünf Partien, diesmal aber ziemlich schnell im Remis versandeten. Was die Bremer Betreuer wenig erfreut zur Kenntnis nahmen, zumal McShane gegen Pavel Tregubov (RUS) bei seiner Pirc-Verteidigung schon im frühen Mittelspiel infolge eines schweren Patzers auf die Verliererstraße geraten war. Indes wurde diese Scharte von Lars Schandorff glänzend ausgewetzt: Der Däne setzte die Moderne Verteidigung von Gerhard Schebler massiv unter Druck und bestrafte eine Ungenauigkeit mit einer glänzenden Kombination von Scheinopfern, die in einem gewinnträchtigen Endspiel resultierten. Nach diesem Ausgleich sollte Tomi „Iceman“ Nyback gegen Daniel Fridman (LAT) die Entscheidung bringen. Tatsächliche wartete der junge Finne bei seiner Bekämpfung einer Isolani-Stellung mit einer geduldigen und reifen technischen Leistung auf, die von Erfolg gekrönt wurde.

9. Runde Werder Bremen – Mülheim Nord 4,5:3,5
1. McShane – Tregubov 0:1, 2. Hracek – Landa remis, 3. Babula – Golod remis, 4. Nyback – Fridman 1:0, 5. Fish – Levin remis, 6. Schandorff – Schebler 1:0, 7. Knaak – Saltaev remis, 8. Steingrimsson – Hausrath remis.