Bundesliga: Verfolgerduell endet remis

In der 12./13. Doppelrunde der Schach-Bundesliga in Bonn trennten sich Titelverteidiger Werder Bremen und die SG Köln Porz nach einem sechsstündigen, ausgekämpften Duell 4:4. Beim anschließenden Vergleich mit dem abstiegsgefährdeten Godesberger SK gelang Werder ein keinesfalls leichter, am Ende aber ungefährdeter 5,5:2,5-Pflichtsieg. Vor der letzten Doppelrunde am 1./2. April hat Topfavorit Baden Baden nun seinen Vorsprung auf zwei Mannschaftspunkte gegenüber Werder ausgebaut, wird aber am letzten Spieltag noch auf Porz treffen, während Bremen sich mit dem dichtauf folgenden TV Tegernsee zu messen hat. Die Entscheidung im Kampf um den Titel wie auch um die Plätze im Europapokal bleibt somit bis zum Finale offen.

[Photo Ein wertvolles Schachduo für Werder: Die ukrainischen Jungstars Alexander Areshchenko (lks.) und Zahar Efimenko]Ein wertvolles Schachduo für Werder: Die ukrainischen Jungstars Alexander Areshchenko (lks.) und Zahar Efimenko

Durch den Ausfall von Sokolov, Timman und Gurevich war die nominelle Überlegenheit der Porzer nicht mehr gravierend. Allerdings erwischte deren Punktejäger Erik Van den Doel gerade einen rabenschwarzen Tag bei Werders sonst so zuverlässigem Vlastimil Babula, dem in einem zugespitzten sizilianischen Gefecht ein irreparabler Rechenfehler unterlief. Auch Lars Schandorff erlaubte sich ein paar Ungenauigkeiten gegen Edwin Kengis und erlag schließlich dem feindlichen Dauerbeschuß am Königsflügel. Demgegenüber mussten sich die Bremer die Punkte härter erarbeiten. Neuzugang Alexander Areshchenko siegte erstmalig für Bremen, in dem er kurz vor der ersten Zeitkontrolle Nachlässigkeiten von Rafael Vaganian aufdeckte und einen Endspielvorteil zielstrebig realisierte. Am Spitzenbrett hatte Luke McShane gegen den Nationalspieler Christopher Lutz einen kleinen Stellungsvorteil lange festhalten und mit einem energischen Durchbruch am Königsflügel ausbauen können. Lutz musste die Qualität hergeben und konnte ohne ausreichenden Ersatz nur noch hinhaltenden Widerstand leisten. Da alle anderen Partien inzwischen remis ausgegangen waren, sorgte McShane in der sechsten Stunde schließlich für den verdienten Ausgleich.

12. Rd. Köln Porz – Werder Bremen 4:4
1 Lutz – McShane 0:1, 2 Van Wely – Efimenko remis, 3 Vaganian – Areshchenko 0:1, 4 Graf - Hracek remis, 5 Hansen – Pelletier remis, 6 Van den Doel – Babula 1:0, 7 Andersson – Nyback remis, 8 Kengis – Schandorff 1:0

Gegen Godesberg war Werder nur an Brett 1 nominell unterlegen, dort saß Oxford Student McShane nämlich dem Fide-Weltmeister von 2004 Rustam Kasimzhanov (Usbekistan) gegenüber und musste sich dessen aggressiver Schottischer Eröffnung erwehren. Leider patzte der Brite bereits im frühen Mittelspiel und bekam nie wieder eine echte Chance. Auch der schwer erkältete Finne Tomi Nyback kam gegen IM Thomas Jackelen mit einem tiefblauen Auge davon und konnte sich mit dem halben Punkt sehr glücklich schätzen. Ansonsten war aber Schluß mit lustig und Werder siegte standesgemäß, wie die nachstehenden Einzelresultate bezeugen:

13. Rd. Werder Bremen – Godesb. SK 5,5:2,5
1 McShane – Kasimdzhanov 0:1, 2 Efimenko – Jenni 1:0, 3 Areshchenko – Sprenger remis, 4 Hracek – Seel remis,5 Pelletier – Langheinrich 1:0, 6 Babula – Grafl 1:0, 7 Nyback – Jackelen remis, 8 Schandorff – Armbruster 1:0

Tabelle (vor der letzten Doppelrunde):
Pl.MannschaftMPBP
1.OSC Baden Baden2469
2.Werder Bremen2263,5
3.SG Köln Porz2169
4.TV Tegernsee2163,5
5.SG Aljechin Solingen1961,5
6.SV Mülheim Nord1558,5
7.SF Katernberg1557,5
8.SC Kreuzberg1455,5
9.SF Berlin 19031348,5
10.SV Wattenscheid1252,5
11.Hamburger SK1154
12.SC Eppingen849,5
13.Godesberger SK744
14.SG Kirchheim435,5
15.SC Leipzig Gohlis228
16.SK Zehlendorf022

Werder II verliert Tabellenführung

In der 8. und vorletzten Runde der 2. Bundesliga Nord enttäuschten beide Bremer Teams. Werder II verlor durch ein mageres 4:4 gegen den SK Norderstedt die Tabellenführung an den Berliner SK König Tegel, der wiederum durch einen 6,5:1,5-Kantersieg über die Bremer SG auftrumpfen konnte. Berlin Tegel führt nun mit einem hauchdünnen Vorsprung von 1 Brettpunkt vor Werder und steht bereits als Aufsteiger in die 1. Bundesliga fest. Ebenfalls schon fest – allerdings als Absteiger – steht die BSG, die gegen Tegel ohne diverse Titelträger nur mit einer „Rumpftruppe“ antrat.

Claus Dieter Meyer

2006-03-13