Bundesliga: Vizemeisterschaft für Werder

In einem Finale furioso beendete Werder Bremen die Schachbundesliga-Saison mit zwei Kantersiegen gegen das süddeutsche Duo Eppingen und Tegernsee. Für die erfolgreiche Titelverteidigung reichte es dennoch nicht, denn Topfavorit Baden-Baden ließ dem mit nur sieben Mann (!) angetretenen Team von Köln-Porz im entscheidenden Match mit 6:2 keine Chance. Damit ist der OSC Baden-Baden erstmalig Deutscher Meister, herzlichen Glückwunsch! Immerhin haben die Bremer den zweiten Tabellenplatz mit drei Punkten vor Porz behauptet und können mit der Vizemeisterschaft und der Qualifikation für den Europapokal gut leben.

[Photo A. Areshchenko: Mit 2 aus 2 erstmals für Werder richtig in Schwung]A. Areshchenko: Mit 2 aus 2 erstmals für Werder richtig in Schwung

Gänzlich undramatisch startete das Bundesliga-Wochenende im Weserstadion mit dem Kampf gegen die abstiegsbedrohten Eppinger. Werders Areshchenko erlangte durch zwei verwegene Bauernopfer eine brandgefährliche Initiative gegen Peter Acs, die dank gegnerischer Mithilfe zu einem handfesten, schließlich unwiderstehlichen Königsangriff auswuchs. Als auch Babula und Schandorff ihre großmeisterliche Routine (gegen Medvegy und Schneider) ausspielen konnten, war das Match schon so gut wie gelaufen. Neben diversen Remisen gelang es Tomi Nyback (gegen Hannes Rau) mit sehr frei formulierter „Anti-Igel-Taktik“ zu verwirren (mit 17…Sb6! statt bxc4? sah die Vorort-Analyse Rau in Vorteil), so daß am Ende ein satter 6:2-Erfolg für Werder heraussprang.

14. Runde: Werder Bremen - SC Eppingen 6:2
1 McShane – Gyimesi remis, 2 Efimenko – Postny remis, 3 Areshchenko – Acs 1:0, 4 Hracek – Meier remis, 5 Babula - Medvegy 1:0, 6 Nyback – Rau 1:0, 7 Fish – Miltner remis, 8 Schandorff – Schneider 1:0.

Dem als dickeren Brocken eingeschätzten Kontrahenten vom Tegernsee, der am Vortag eine unerwartete 4,5:3,5-Niederlage gegen die aller Abstiegssorgen ledigen Hamburger einstecken musste, fehlte nun gegen Werder offenbar die nötige Motivation. Jedenfalls sollte es für die Oberbayern noch schlimmer kommen. Die Bremer dominierten schon bald das Geschehen, denn nach einem unverhofften Kurzsieg von Tomi Nyback über Teske – letzterer verkorkste seine gute Stellung mit einem abwegigen Springermanöver (Sc3-b5-a7?) – wie einer Glanzleistung von Zbynek Hracek gegen Kindermann brachen bei Tegernsee die Dämme, und es purzelten weitere Punkte.

Der an diesem Wochenende unternehmungslustige Ukrainer Alexander Areshchenko brachte gegen Klaus Bischoffs Scheveninger Sizilianer ein offenbar korrektes Läuferopfer auf h7 mit Initiative im Gefolge. Statt nun gleich Material zurückzugeben (20…Se4!? anstelle von 20…f5?), ließ sich Bischoff auf eine schwierige Verteidigung ein, strauchelte dann noch einmal (31…e5?, besser 31…Td4!?) und verlor dann völlig den Faden. Zahar Efimenko eiferte seinem Landsmann nach und kämpfte Altmeister Zoltan Ribli im Endspiel nieder. Den letzten vollen Punkt lieferte Vlastimil Babula, der gegen Gerald Hertnecks Dameninder eine überzeugende Positionspartie bot und diese mit einem neckischen taktischen Schlag krönen konnte.

Das niederschmetternde 6,5:1,5-Endresultat gegen die Bayern fiel zwar viel zu hoch aus, war aber aus Werder Sicht – wie sich dann auch herausstellen sollte – ein gutes Vorzeichen für den fußballerischen Nord-Süd-Gipfel im Weserstadion …

15. Runde: TV Tegernsee - Werder Bremen 1,5 : 6,5
1 Khenkin – McShane remis, 2 Ribli – Efimenko 0:1, 3 Bischoff – Areshchenko 0:1, 4 Kindermann – Hracek 0:1, 5 Hertneck – Babula 0:1, 6 Teske – Nyback 0:1, 7 Bromberger – Fish remis, 8 Gross – Schandorff remis.

Claus Dieter Meyer