Kommentar zur Jahreshauptversammlung des Landesschachbunds

Dass es bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung, der ich aus bekanntem Grund nicht beiwohnen konnte, hoch hergegangen sein soll, war mir bereits zu Ohren gekommen; das Protokoll gibt die Atmosphäre den verschiedenen persönlichen Schilderungen zufolge nebenbei nur eingeschränkt wieder.

Der wichtigste Pluspunkt wurde ja schon in der letzten Ausgabe erwähnt: Endlich sind wieder alle Vorstandsposten besetzt, es ist sogar mit dem Seniorenreferenten einer hinzugekommen.

Insbesondere die Referenten für Öffentlichkeitsarbeit und Breitenschach werden innerhalb der kommenden zwei Jahre bis zur Schachoympiade in Dresden hoffentlich aktiv in Erscheinung treten; Bremen ist, was vorbereitende Maßnahmen für dieses Event angeht, bisher leider ein weißer Fleck auf Deutschlands Schachlandkarte. Überhaupt waren wir in der jüngsten Vergangenheit viel zu wenig präsent; auch am Tag des Schachs beteiligt sich kein Verein mehr. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Bremer Schachszene oder genauer: gar kein Licht! Im vergangenen Jahr wurde der SV Werder Deutscher Mannschaftsmeister, die Grundschule am Baumschulenweg schaffte dieses Jahr das seltene Husarenstück einer Titelverteidigung im Schulschach. Trotzdem verzeichnen wir keinen nennenswerten Zuwachs bei den Mitgliederzahlen.

Mit diesem Umstand einher geht das nächste, dieses Jahr akut gewordene Problem: Die Finanzmittel des LSB befinden sich auf einem bedrohlich niedrigen Niveau – eine Entwicklung, die sich über die Jahre abgezeichnet hat und auf die der Schatzmeister bereits im vergangenen Jahr hingewiesen hatte. Genützt hat diese Warnung offenbar wenig, sonst wären die Vorschläge sicher konstruktiver ausgefallen. Zur Sanierung eines Haushalts gibt es grundsätzlich nur zwei Wege: Erhöhung der Einnahmen und/oder Reduzierung der Ausgaben. An den Ausgabeposten lässt sich, wie SF Höpfner ja ausgeführt hat, nicht mehr viel ändern. Die wieder besetzten Referate werden, was im Interesse aller sein sollte, vermutlich sogar neue Ausgaben generieren. Zwei größere Posten wurden offenbar als gute Einsparmöglichkeiten herausgegriffen: a) das Verbandsorgan und b) die Schachjugend (BSJ).

Gegen Einsparungen beim Verbandsorgan habe ich folgende Argumente: Viele Studien zeigen, dass ein gedrucktes Medium nach wie vor größere bzw. andere Akzeptanz findet als ein rein online veröffentlichtes. Durch den freien Verkauf der Rochade, über den leider keine gesicherten Zahlen vorliegen, erreichen wir vermutlich ein größeres Publikum. Und nicht zuletzt wird der Bremer Teil nicht nur im Bereich des Landesschachbunds, sondern auch im NSV gelesen.

Dass weitere Einsparungen bei der BSJ auch nur in Erwägung gezogen werden, stößt bei mir auf noch wesentlich größeres Unverständnis. Schon in meiner Vorstandszeit war der Haushalt jedes Jahr ein Kraftakt, was inzwischen eher schwerer als leichter geworden sein dürfte. Die Schachjugend hat neben dem LSB-Zuschuss nur eine nennenswerte Einnahmequelle, nämlich die Startgelder zu den Meisterschaften. Auf der Ausgabenseite sieht es bei der BSJ ähnlich aus wie beim LSB: An der Deutschen Ländermeisterschaft nimmt man schon seit Jahren eben aus Kostengründen gar nicht mehr teil, Trainingsmaßnahmen für die Kaderspieler finden seltener als in anderen Verbänden statt, und die Teilnehmer an den Deutschen Einzelmeisterschaften werden nicht mehr im gleichen Maße subventioniert wie früher. Der Rest sind praktisch unveränderbare Posten. Wer hier weitere Eingriffe vornimmt, kann das Bremer Jugendschach auch gleich ganz einstampfen – was sich als Bumerang für den gesamten Landesverband erweisen dürfte, denn wo sollen Mitglieder herkommen wenn nicht aus dem Nachwuchs?

Nach diesen Überlegungen betrachten wir die Einnahmeseite: Diese besteht beim LSB im wesentlichen aus Beiträgen, Startgeldern und Totomitteln. Letztere unterliegen nicht unserer Autorität und drohen ständig gekürzt zu werden. Startgelder könnte man leicht erhöhen, was jedoch kaum das Defizit ausgleichen dürfte. Somit bleibt ein einziger Posten: Auch wenn das den Vereinen nicht gefallen dürfte, kommen wir meiner Meinung nach um eine kleine Beitragserhöhung nicht herum. Wie SF Köpsel vorgerechnet hat, könnten wir eine Sanierung bereits mit einer verhältnismäßig geringen Anhebung erreichen. Übrigens kann jeder Verein aktiv mithelfen, diese Erhöhung zu verhindern: Hätte der Landesverband mehr Mitglieder, wäre dieser Einnahmeposten automatisch höher.

Die Öffentlichkeitsarbeit, bei der wir alle im selben Boot sitzen, ist somit wichtiger als je zuvor! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine fröhliche Rest-Fußball-WM und einen schönen Sommer.

Raimund Klein