Schulschach in Achim verstärkt fördern!

Achim. Alexander Jung, Leiter der erfolgreichen Jugendabteilung der Schachfreunde Achim und selbst als leidenschaftlicher Schachsportler in den Mannschaftsmeisterschaften des Landesschachbundes Bremen seit Jahren aktiv, absolvierte einen Lehrgang zum Erwerb des Schulschach-Patents. Das Seminar wurde von der Bremer Schachjugend und der Deutschen Schulschachstiftung organisiert und dient der Fortbildung der Leiter von Schulschacharbeitsgemeinschaften.

Nach dem Erwerb dieser Qualifikation ist Jungs erklärtes Ziel, das Schulschach an Achimer Schulen verstärkt zu fördern und die bestehenden Angebote zu erweitern. Zu diesem Zweck will Alexander Jung Kontakt aufnehmen zu den Lehrerkollegien und die Gründung weiterer Schach-Arbeitsgemeinschaften unterstützen. Unter anderem am Cato Bontjes van Beek-Gymnasium existieren bereits Schach-AG’s; an der Grundschule Baden leitet der Ragnar Händel eine solche Arbeitsgemeinschaft zur Erlernung der Regeln des Schachsports. An der Grundschule Uesen ist Michael Raatz gleichermaßen aktiv. Diese Aktivitäten könnten nach Ansicht von Alexander Jung vernetzt und optimiert werden. Dafür gibt es gute Gründe, wie Jung meint. Schulschach kann und sollte verstärkt eingesetzt werden zur Erreichung erzieherischer Ziele, wie Freude am Lernen, Freude am persönlichen Erfolg, Freude am eigenen Durchhaltevermögen, Erfahrung mit eigenen Stärken und erfolgreiche Auseinandersetzung mit eigenen Schwächen. Um diese Ziele erreichen zu können, liegen ausreichende Erfahrungen durch das Betreiben des Schulschachs vor.

Der frühere Präsident des Deutschen Schachbundes Egon Ditt, schrieb schon 1996 über das „Königliche Spiel“: „Das Schachspiel trainiert Fähigkeiten und Fertigkeiten, die keine Schule und keine Universität in ihren Ausbildungsgängen so ausgeprägt haben. Wir lernen beim Schach in kurzer Zeit eine gegebene Situation zu analysieren, zwischen mehreren Entscheidungsalternativen abzuwägen und schließlich die Entscheidung und deren Folgen auf uns zu nehmen. Wir begeben uns freiwillig in eine Stresssituation und lernen kühl und nüchtern zu handeln. Schach als Sport fasziniert Kinder, weil sie in dieser Welt des Geistes ernst genommen werden und weil sie unabhängig vom Alter nur an ihrem Spiel gemessen werden.“

Schach bietet den Lernenden ein ausgezeichnetes Training seiner geistigen Fähigkeiten, insbesondere Konzentrationsfähigkeit, folgerichtiges, Urteilsvermögen, Analysefähigkeit, logisches, räumliches, abstraktes, vorausschauendes und planendes Denken und Problemlösen.

Beim Schach hat man alleine die Verantwortung für das Ganze. Die Komplexität und der rapide Wandel der modernen Welt stellen die allerhöchsten Ansprüche an das Vermögen und die Bereitschaft der Menschen, intellektuelle Herausforderungen zu bestehen und neuartige Probleme zu lösen.

Hier kann die Ausübung des Schachsports mithelfen, Lust am Denken zu gewinnen. Denkerziehung und ihr Gelingen hängt sicher davon ab, dass die schulischen Angebote, aber auch die Freizeitangebote vorhanden sind. Das Erlernen und die Ausübung des Schachsports bieten ideale Möglichkeit, Problemlösungsstrategien zu erlernen, die in ihrer universellen Anwendbarkeit weit über das erfolgreiche Absolvieren einer Schachpartie hinausgehen. Der Berliner Professor Hans-Ludwig Freese hat diese Denkregeln zur Problemlösung und zur Entwicklung produktiven Denkens in 15 Empfehlungen zusammengestellt:

  1. Nimm dir Zeit, über das Problem nachzudenken. Entscheide genau, was das Problem ist, das du lösen willst!
  2. Mache dir alle Fakten des Problems klar!
  3. Arbeite systematisch und planvoll an dem Problem!
  4. Generiere viele Ideen, um ein Problem zu lösen! Höre nicht bei wenigen auf!
  5. Versuche, auf ungewöhnliche, ausgefallene Ideen zu kommen!
  6. Um auf Ideen zu kommen, wähle alle die wichtigen Objekte und Personen in dem Problem aus und denke sorgfältig über jede Einzelheit nach!
  7. Denke an mehrere allgemeine Möglichkeiten einer Lösung und generiere viele einzelne Ideen für jede dieser Möglichkeiten!
  8. Während du nach Ideen suchst, lass deinen Geist frei die Dinge um dich herum erkunden! Fast alles kann Ideen für eine Lösung liefern!
  9. Überprüfe jedes Mal jede Idee anhand der Fakten, um zu entscheiden, wie gut die Idee ist!
  10. Wenn du stecken bleibst, denke weiter! Sie nicht entmutigt und gib nicht leicht auf!
  11. Wenn dir deine Ideen ausgehen, versuche, das Problem in einem neuen und anderen Licht zu sehen!
  12. Wende dich zurück und gehe alle Fakten des Problems noch einmal durch, um sicherzustellen, dass du nicht etwas Wichtiges übersehen hast!
  13. Beginne mit einer unwahrscheinlichen Idee! Nimm an, sie sei möglich, und dann finde heraus, wie sie es sein könnte!
  14. Sei auf der Hut, und achte auf unverstandene Fakten in einem Problem! Sie zu erklären, kann dich auf neue Ideen für eine Lösung bringen.
  15. Wenn es mehrere unverstandene Dinge in einem Problem gibt, versuche sie mit einer einzigen Idee zu erklären, die sie alle miteinander verbindet.

Diese Denkregeln sind beim Schachsport gerade idealtypisch einzusetzen, auch wenn die begrenzte Bedenkzeit im Turnierwettkampf dabei sicherlich gehörigen Zeitdruck erzeugt.

Schließlich erfüllt Schach alle 32 Wesensmerkmale des Sports, nämlich Spielcharakter, Leistungsprinzip, Regelgebundenheit, Wettkampfform, Organisationsstruktur, Internationalität, körperliche Belastung, Zeitlimit, Gleichheit der Voraussetzungen, Konkurrenzcharakter, Zugänglichkeit für alle, Vorbereitung durch Training, Überwachung durch Schiedsrichter, Kondition, Ringen um das Ergebnis, Wechselbeziehung zwischen Körperlichem und Geistigem. Als Eigenschaften des Sports und eben auch des Schachsports gelten Belastbarkeit, Selbstbewusstsein, Toleranz, Konzentrationsfähigkeit, Willensstärke, Daueraufmerksamkeit, Strategievermögen, Motivation, Entschlusskraft, Phantasie, Mut zum Risiko, Geduld, Zuversicht, Lebensfreude, Einzelaktivität, Kanalisierung der Aggressivität.

Alexander Jung hofft bei seiner Initiative zur weiteren Förderung des Schulschachs jedenfalls auf die Unterstützung der Achimer Schulen. Natürlich kann das königliche Spiel auch im hiesigen Schachverein trainiert werden, und zwar montags ab 17.30 Uhr im KASCH.

Karlheinz Gerhold