16. Diemer-Memoriam vom 13.05.2006: Wachablösung

I Turnierverlauf

Im Vorfeld waren diesmal, sofern der interessierte Teilnehmer darauf achtgab, unscheinbare Veränderungen zu bemerken. Die Einladungen und Turnierausschreibungen wurden diesmal sehr frühzeitig verschickt. Wenn man genauer auf den Absender achtete konnte weiterhin festgestellt werden, dass die Turnierorganisation und -vorbereitung nicht mehr durch den langjährigen Turnierleiter Volker Drüke erfolgte, sondern von SF Rainer K. , dem 1. Vorsitzenden der Schachfreunde Nagold, übernommen wurde. Nach bisher insgesamt 14 von 15 stattgefundenen Turnierorganisationen, das aktuelle Turnier herausgerechnet, hat Volker Drüke die Turnierorganisation und -leitung aus persönlichen Gründen abgegeben. An dieser Stelle noch einmal vielen herzlichen Dank für die langjährige Turnierorganisation und -leitung mit all den zwischenzeitlichen Rückschlägen und verschiedenen Unwägbarkeiten im Namen aller interessierten BDG-Anhänger und Turnierteilnehmer der letzten 15 Jahre!! Besonders unter dem Blickwinkel, dass trotz vorbildlicher Organisation in der Vergangenheit manchmal nur 5 oder noch weniger Teilnehmer erschienen, ist Volker Drüke seine Beharrlichkeit und sein Durchhaltevermögen entsprechend zu würdigen!

Glücklicherweise scheint sich die Unwägbarkeit mit der Teilnehmerzahl in den letzten Jahren dahingehend stabilisiert zu haben, dass sich jeweils um die 20 Teilnehmer einfinden. So auch diesmal. Insgesamt 22 Teilnehmer fanden sich zum 16. Emil Josef Diemer-Gedächtnisturnier im Gasthof Rebstock in Fußbach-Gengenbach ein. Am weitesten angereiste Teilnehmer waren neben meiner Wenigkeit Dr. Jürgen Meyer-Roschau aus der Altmark/Sachsen-Anhalt und Gerhard Meyer/Berlin, die nach 2005 beide zum 2. Mal teilnahmen. Beide reisten, wie ich auch, bereits am Vortag an und quartierten sich ebenfalls im Gasthof Rebstock bei unserer Turniergastgeberin Frau Schilli ein. Die restlichen Teilnehmer aus den Regionen Bayern, Baden und Württemberg, sowie Volker Drüke aus Ludwigshafen erschienen pünktlich am Turniertag.

Eine Prognose bzgl. Turniergewinn war nicht möglich, weil sämtliche Spieler mit deutlich höherer DWZ-/Elo-Zahl als das übrige Teilnehmerfeld diesmal nicht anwesend waren. So fehlten z.B. der Vorjahressieger Rudi Volf aus München (Elo ca. 2200) und der mehrmalige Turniersieger Max Scherer (Elo 2325), so dass diesmal nur ein oberes Hauptfeld aus Spielern mit DWZ 1700-2050 vorhanden war. Bei Spielern dieser Spielstärkekategorie ist ein Straucheln gegen nominell deutlich schwächere Spieler allerdings wesentlich wahrscheinlicher. Einige erfahrene BDG-Veteranen oder Turniergewinner früherer Jahre wie z.B. Tido Totzke, Georg Studier oder Helmut Kaufmann waren natürlich anwesend und konnten sich Hoffnung auf den Turniersieg machen. Ebenso wie Dr. Jürgen Meyer-Roschau, der im letzten Jahr mit einem BDG-Sieg über Max Scherer (Elo 2325) und einem respektablen 4. Platz auf sich aufmerksam machte. Als Geheimtip können natürlich auch immer die Jugendlichen gelten, die mit Sf Helmut Kaufmann gemeinsam zum Turnier anreisen und ansonsten von ihm trainiert werden. Wie bei früheren BDG-Turnieren z.B. Heiko Adler der im badischen Raum schachlich kein Unbekannter mehr ist oder diesmal der amtierende badische U 10-Meister Andreas Bauer.

Entsprechend ausgeglichen wie die Spielstärke im Teilnehmerfeld, war dann auch die Situation nach der 3. Runde. Vor der Mittagspause war kein TN ohne Punktverlust geblieben. Neben einer Führungsgruppe von 5 TN mit 2,5 Pkt, folgte eine weitere Gruppe von 4 TN mit 2,0 Pkt und 5 weiteren TN mit 1,5 Pkt, so dass sich insgesamt noch 14 TN mehr oder weniger Hoffnung auf den Turniersieg machen konnten. Auch die 4. Runde nach der Mittagspause brachte noch keine eindeutige Aufhellung der Situation. Tido Totzke musste mit 2,5 Pkt auf dem Konto durch eine Niederlage einen Rückschlag hinnehmen, während die Sf Lübbert und Ruf sich trotz einer Niederlage in den ersten beiden Runden mit 3,0 Pkt bis auf einen halben Pkt an die Tabellenführung herangekämpft hatten. Damit standen sie nun in einer Reihe mit den Sf Georg Studier, Helmut Kaufmann und Andreas Bauer, die noch ohne Niederlage geblieben waren und lediglich 2 Remisen abgegeben hatten. In Lauerstellung mit 2,5 Pkt waren außer Tido Totzke noch die Sf Valeri Dell, Marcel Vetrano und Dr. Jürgen Meyer-Roschau zu finden die bei sich günstig entwickelnder Situation die Führung übernehmen konnten. Nach der 5. Runde war die Führungsgruppe allerdings schon von 13 auf nur noch 9 TN zusammengeschmolzen. Mit 4,0 Pkt/ 5 Partien befanden sich u.a. die Sf Helmut Ruf und Andreas Bauer im Führungstrio, dicht verfolgt von BDG-Altveteran Georg Studier und den Sf Tido Totzke und Dr. Jürgen Meyer-Roschau mit 3,5 Pkt. Schon etwas distanziert folgten die Sf Helmut Kaufmann, Roland Steiert und Dietrich Lübbert mit 3,0 Pkt.

Auch nach Runde 6 war das entstandene 9er-Feld noch relativ dicht beisammen. Allerdings hatten einige TN aus diesem Feld nunmehr schon keine Chancen mehr auf den Turniergewinn. Sf Helmut Ruf verlor durch eine weitere Niederlage empfindlich an Boden, ebenso wie Georg Studier gegen Tido Totzke, womit sich der Letztgenannte mit 4,5 Pkt/ 6 Partien eindrucksvoll im Kampf um den Turniersieg zurückmeldete. Auch der badische U 10-Meister Andreas Bauer stockte sein Konto auf 4,5 Pkt auf, indem er durch eine sehr gute Partieanlage Dr. Jürgen Meyer-Roschau ein Remis abtrotzte und ggf. noch auf Sieg hätte spielen können. Bis hierhin ohne jegliche Niederlage meldete der badische Jungspieler vom SC Emmendingen eindrucksvoll Ansprüche auf den Turniersieg an. Sein Trainer Helmut Kaufmann dagegen, hatte mit 4,0 Pkt/ 6 Partien ebenso die Sf Meyer-Roschau, Steiert und Ruf nur noch die Chance auf einen Tabellenplatz im oberen Drittel.

Schlussrunde 7 brachte dann die Entscheidung. Tido Totzke musste sich gegen Helmut Kaufmann mit einem Remis begnügen, ebenso wie Helmut Ruf gegen Werner Kienzler während die Sf Studier und Meyer-Roschau mit vollen Punktgewinnen ihr Konto aufbesserten. Nun musste die Partie von Sf Bauer die Entscheidung über den Turniersieg herbeiführen, wobei Niederlage oder Remis nicht ausreichten. Ein Sieg dagegen würde das übrige TN-Feld distanzieren und den 1. Platz bringen. Die Chancen standen zunächst gut. Ein Bauerngewinn durch gegnerischen Fehler in der Eröffnungsphase verschaffte Andreas Bauer mit den weißen Steinen einen Mehrbauern und die bessere Stellung. Damit deutete alles auf seinen Sieg hin. Einige ungenaue Züge und Fehleinschätzungen der Stellung in der kritischen Partiephase wendeten jedoch die Partie zu seinen Ungunsten und ließen den badischen Jungmeister straucheln und auf einen trotzdem sehr respektablen 4. Platz hinter Dr. Jürgen Meyer-Roschau (Platz 3) und Tido Totzke (Platz 2) zurückfallen. Die punktgleichen Sf Studier (Platz 5), Kaufmann (Platz 6) und Ruf (Platz 7) konnte Andreas Bauer aber durch die bessere Buchholzzahl auf Distanz zu halten. Bleibt noch zu erwähnen, dass es dem badischen Jungmeister als einzigem Turnierteilnehmer glückte seinen Vereinskollegen und schachlichen »Drill-Sergeant« Helmut Kaufmann eine Niederlage beizubringen und ebenso wie sein »Ausbilder« ein Remis gegen Tido Totzke zu erspielen. Dies alles deutet auf eine sehr gute schachliche Ausbildung, Talent und ein großes schachliches Potential hin. Sofern schachliche Begeisterung, Fleiß und Ehrgeiz von ihm beibehalten werden und die Förderung durch Eltern, Verein und Trainer nicht nachlassen wird diese Turnierleistung von Andreas Bauer sicherlich keine Eintagsfliege bleiben!

Womit wieder einmal ein rundum gelungenes Emil-Joseph-Diemer-Gedächtnisturnier zu Ende ging. Der neue Organisator und Turnierleiter Rainer K. hatte alles sehr gut im Griff, so dass sein Vorgänger Volker Drüke sich diesmal ganz entspannt nur seinen Turnierpartien widmen konnte. Es gab keinerlei unerfreuliche Zwischenfälle regeltechnischer oder zwischenmenschlicher Natur. Die Atmosphäre zwischen den TN war insgesamt harmonisch und freundschaftlich, trotz der natürlich vorhandenen Rivalität beim Spiel um Partie- und Turniersieg. In der Mittagspause sorgte die Rebstockwirtin und Gastgeberin Frau Schilli und ihr Personal mit einer hervorragenden Küche für das leibliche Wohl der Turnierteilnehmer zu deren vollsten Zufriedenheit. Bleibt also nur noch abzuwarten wann das nächste von Rainer K. organisierte Emil-Joseph Diemer-Gedächtnisturnier im nächsten Jahr stattfinden wird. Die Frage nach dem diesjährigen Turniersieger hingegen werden einige Partiestreiflichter und etwas Plauderei über einige handelsübliche Verteidigungen gegen das BDG klären, bevor die Endtabelle folgt. Es war aus verschiedenen Aspekten leider erforderlich einige Nebelkerzen zu verwenden.

II Partiestreiflichter vom 16. Emil Joseph Diemer-Gedächtnisturnier,

Fußbach-Gengenbach 2006:

Nachfolgend einige Partien mit Kommentierung. Alle Partien wurden mit der Bedenkzeit 30 min/Spieler und Partie im Schweizer System am 13.05.2006 gespielt.

A) Teichmann-Verteidigung 5...Lg4 (nach 5 Sxf3)

Partie im PGN-Format

B) Ryder-Angriff (5 Dxf3 c6 = Doppelbauernopfer abgelehnt)

Partie im PGN-Format

C) Langeheinecke-Verteidigung (4 f3 e3)

Partie im PGN-Format

D) Bogoljubow-Verteidigung (5 Sxf3 g6)

Partie im PGN-Format

E) Die o'Kelly-Verteidigung (4 f3 c6)

Partie im PGN-Format

Nachfolgend die Schlusstabelle nach 7 Runden: