DJEM ´06 in Willingen

Schon traditionell fanden auch dieses Jahr in der Pfingstwoche die Deutschen Jugendeinzelmisterschaften wieder in Willingen im Sauerland statt. Das Sauerland-Stern-Hotel lieferte wieder sehr gute Rahmenbedingungen für die Veranstaltung mit ca. 800 Spielern und Betreuern. Eine wichtige Änderung gegenüber den Vorjahren war allerdings, dass die große Sporthalle zu einer Kongresshalle umgebaut wurde und diesmal als Spielsaal diente. Dies hatte den Vorteil, dass alle Altersklassen und ein parallel ausgerichtetes GM-Turnier problemlos in einem Sal spielen konnten. Dafür gab es allerdings für die Freizeitaktivitäten keinen adäquaten Ersatz für die fehlende Sporthalle. Unter anderem aus diesem Grund wird die Meisterschaft vorrausichtlich im nächsten Jahr an einem anderen Ort ausgetragen.

Die Bremer schickten in Willingen Benjamin Kaufmann (U18), Maike Janiesch (U18w), Alex Isakson (U16), Simon Bart (U14), Tobias Kügel und Björn Veit (U12) sowie An-Hai Dang, Fabius Sasse und Tatjana Wander (alle U10) an den Start. Im offenen U25-Turnier spielten zudem noch Arthur Szczap und Simon Schäfer mit. Als Betreuer fungierten Markus Lammers und Florian Mossakowski, während Ulrike Schlüter, Stefan Walter und Sven Wollscheid über das Pfingstwochenende unterstützten.

Im Vergleich zu den Vorjahren sah es diesmal von der Papierform her zumindest in der U10/U12 gar nicht schlecht aus. Während Tobias und Björn ungefähr im Mittelfeld der Setzliste anzufinden waren, schafften es An-Hai und Fabius sogar in die vordere Hälfte, so dass hier einiges zu erwarten war. Bei den Älteren fanden sich dagegen die Bremer allesamt im unteren Drittel der Setzliste wieder.

Um bei der U10/U12 vorne mitzuspielen fehlte dann aber doch noch einiges, bei Wertungszahlen um 2000 in der Spitze. Dass die anderen Landesverbände zum Teil aber auch mit Übereifer zur Sache gingen, zeigte sich in einigen unschönen Szenen am Rande des Turniers. Es gab diverse Vorwürfe von Eltern in der U10/U12, dass Spieler durch Kommunikation mit dem Trainer Züge vorgesagt bzw. Tipps gegeben wurden. Dies kulminierte in einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen einem Vater und einem Betreuer, die den betroffenen Spieler so sehr mitnahm, dass er seine Gewinnstellung unmittelbar verdarb (was zu einer kuriosen 1:1-Wertung der Partie durch den Schiedsrichter führte).

Nachdem hierauf die nichtoffiziellen Betreuer und Eltern für eine Runde Saalverbot bekamen, empfanden viele Kinder diese Runde als sehr viel entspannter und angenehmer. Hier sollten einige Eltern bzw. Betreuer sich einmal fragen, inwieweit der übertriebene sportliche Ehrgeiz nicht auch zu Lasten der Kinder gehen kann.

Die Bremer Teilnehmer im Einzelnen:

Benjamin Kaufmann hatte als Drittletzter der Setzliste in der U18 einen schweren Stand, konnte aber sehr gut mithalten. Nach einem Remis und einer Niederlage gegen recht starke Gegner brachte er das Kuriosum fertig, seine folgenden sechs Partien alle Remis zu spielen und verlor leider noch die letzte Runde aufgrund eines Eröffnungsfehlers. Am Ende standen also 3,5/9 bei sieben Remisen zu Buche, alles gegen stärkere Gegner.

Bei einer etwas größeren Bereitschaft, auch gegen stärkere Gegner auf Gewinn zu spielen und einer besseren Chancenauswertung wäre sicherlich auch ein noch besseres Ergebnis möglich gewesen.

Ein etwas unglückliches Turnier spielte Maike Janiesch (U18w), die sehr häufig Gewinnstellungen verdarb, teilweise sogar noch zum Verlust. Am Ende blieben so nur magere vier Remisen aus neun Runden übrig, was aufgrund der Partieverläufe viel zu wenig war. Eine etwas bessere Technik, und Maike hätte in dieser Altersklasse gut mithalten können.

Alex Isakson spielte in der U16 ein durchwachsenes Turnier, nach einem schwachen Start mit 1,5/5 konnte er sich zum Schluss noch etwas fangen und landete mit 3,5/9 ziemlich genau dort, wo er von der Papierform her auch erwartet wurde.

Sehr starke Leistungen zeigte Simon Bart in der U14, der permanent gegen um die 300 Punkte bessere Gegner spielte, sich auch von einem schlechten Start mit 0/2 nicht beeindrucken ließ und umgehend zurückschlug. Er kämpfte jede Partie bis zum Schluss aus, besiegte u.a. zwei 300 Punkte stärker Gegner und wurde am Ende mit sehr guten 4,5/9 entlohnt.

In der U12 konnten Tobias Kügel und Björn Veit die Erwartungen nicht ganz erfüllen.

Während Tobias in der ersten Runde noch mit einem sicheren Remis gegen einen der Mitfavoriten des Turniers glänzen konnte, lief gegen die schwächeren Gegner danach nicht mehr viel zusammen, so dass er am Ende nur 4,5/11 erzielte. Am Ende gab es einfach zu viele Niederlagen gegen Gegner, die eigentlich sehr schlagbar erschienen.

Björn Veit hatte in einigen Partien Konzentrationsprobleme, so spielte er z.B. in einer ausführlich vorbereiteten Variante plötzlich einen anderen Zug, obwohl der geplante Zug in der Vorbereitung ausführlich besprochen wurde und er ihn danach selber auch schon in mehreren Trainings-Blitzpartien anwendete. Auch ließ er manchmal den nötigen Biss vermissen, so dass am Ende leider nur etwas enttäuschende 4/11 herauskamen.

In der U10 hatte es Tatjana Wander bei ihrem ersten großen Turnier erwatungsgemäß schwer, Sie ließ sich aber nicht entmutigen und kämpfte in jeder Partie, konnte am Ende eine Partie gewinnen und drei Remis gestalten, was ein Ergebnis von 2.5/11 bedeutete.

An-Hai Dang startete mit 1/4 schlecht ins Turnier und konnte sich von dem schlechten Start nicht mehr richtig erholen. Immerhin hatten die Bemühungen, ihn von seinem üblichen sehr schnellem Spiel (oft verbraucht er in einer Turnierpartie nicht mal eine halbe Stunde Bedenkzeit) abzubringen, Erfolg. In einer Partie kam An-Hai gar in Zeitnot! Leider blieben am Ende nur 4,5/11 übrig, hier hätte man im Vorfeld sicherlich mehr erwartet.

Fabius Sasse spielte dagegen ein sehr gutes Turnier, konnte oft durch sein genaues Spiel überzeugen und landete bei 6,5/11. Leider verdarb er zwei Partien durch relativ einfache Einsteller, sonst wäre vielleicht am Ende eine noch bessere Platzierung möglich gewesen.

Im U25-Open erzielte Arthur Szczap 15,0 Punkte und Simon Schäfer 13.0 Punkte (hier wurde die 3-Punkte-Wertung angewendet, jeweils aus 9 Partien), wodurch beide etwas besser als von den Zahlen her erwartet abschnitten.

Außer dem Schachspielen war bei den Bremern insbesondere noch das Schwimmen im Lagunenbad beliebt, während abends häufig noch das interessante Kartenspiel »Ohne Furcht und Adel« gespielt wurde. Auch die Sommerrodelbahn war wie jedes Jahr wieder ein attraktives Ausflugsziel, während die fehlende Sporthalle durch einen Beachvolleyball-Abend kompensiert wurde, der allen viel Spaß gemacht hat.

Florian Mossakowski