Geländeschach

Hoher Platzbedarf Hoher Zeitbedarf Spieler sind in Bewegung Trainingseffekt Spielen im Team

Warum immer nur »Schnitzeljagd« und »Räuber und Gendarm«? Auch Schach kann als Geländespiel viel Spaß bereiten.

Das Geländeschach soll mit einer größeren Gruppe gespielt werden, erst dann macht es richtig Spaß. Man sollte sich ein übersichtliches, am besten etwas hügeliges Gelände aussuchen und die Entfernungen zwischen den einzelnen auf der Erde liegenden Brettern nach dem Alter und der Kondition der Jugendlichen festlegen.

Zum Beispiel kann man das Geländeschach mit vier Mannschaften zu je acht Jugendlichen spielen. Die acht Jugendlichen einer Mannschaft teilen sich auf in drei Spielführer und fünf Spieler (Läufer). Jede Mannschaft wählt aus ihrer Mitte die drei Spielführer für ihre drei zu spielenden Partien. Dies sollten schon die besten Schachspieler sein. An drei gut von einander entfernten Stellen werden die Bretter auf den Boden gelegt, die Spielführer und ein Schiedsrichter setzen sich hinzu. Die Läufer haben die Aufgabe, die Partien zu spielen, und zwar an drei Brettern gleichzeitig. Jeder ist für eine bestimmte Figurengruppe verantwortlich. Denkbar ist folgende Verteilung: Nr. 1 zieht für König (Rochade gilt als Königszug), Bauer, Dame; Nr. 2 für Springer, Turm; Nr. 3 für Bauer, Springer; Nr. 4 für König, Läufer, Turm; Nr. 5 für Dame, Läufer.

Die drei Partien werden nun wie folgt begonnen: Die Spielführer der weißen Figuren rufen (meist hilft nur schreien) die Namen der Jugendlichen, die für die Bauern ziehen, ans Brett und verlangen einen Zug. Wichtig: Der Spielführer darf nur die Personen herbeirufen, den gewünschten Zug jedoch nicht vorsagen, den sucht sich der jeweilige Spieler nach einem Blick in die Stellung selbst heraus. Damit das Geländeschach auch ein Laufspiel wird, ist von den Schiedsrichtern an jedem Brett darauf zu achten, daß kein Läufer für eine gleiche Figur an einem Brett zweimal hintereinander zieht. Auch zu diesem Zweck übernehmen die Schiedsrichter das Mitschreiben der Partie. Damit das Geländeschach nicht zu einem gemütlichen Spaziergang wird, sollte unbedingt mit Uhr gespielt werden. Die Bedenkzeit ist z. B. eine Stunde pro Partie.

Eine Beispielpartie:

1. e4 (Stefan) e5 (Jan) 2. Sf3 (Stefan) Sc6 (Jan)

In diesem Fall dürfen beide Spieler nacheinander ziehen, denn sie ziehen jeweils für eine andere Figur. 2. f4 (Stefan) hingegen wäre ein unmöglicher Zug gewesen. Also ein kluger Schachzug von beiden Spielleitern, der Zeit spart.

3. Lc4 (Tarek) Lb4 (Kai) 4. a3 (Niklas) Lc5 (Martin) 5. b4 (Stefan) Ld4 (Kai) 6. c3 (Niklas) Lb6 (Martin) 7. d3 (Stefan) Sf6 (Andrea)

Eine ungewöhnliche Eröffnungsbehandlung, in der Schwarz seine beiden Läufer-Läufer etwas sehr oft laufen läßt. Auch hier gilt: Ziehe in der Eröffnung nie mehrmals mit einer Figur, es kostet Zeit.

8. 0-0 (Niklas) d6 (Thomas) 9. Lg5 (Roman) 0-0 (Martin)

Jetzt folgt der Durchbruch im Zentrum: Es wird verwickelt, und das unter den beschriebenen Umständen!

10. d4 (Niklas) exd4 (Jan) 11. cxd4 (Stefan) Lg4 (Kai) 12. h3 (Niklas) Lxf3 (Martin) 13. Dxf3 (Niklas) Lxd4 (Kai) 14. Lxf6 (Tarek) Lxf6 (Martin)

Ob nicht 14. … Dxf6 besser gewesen wäre? Dies ist ein typischer Fehler des Spielleiters, der die falsche Figur gerufen hat.

15. Sc3 (Carsten) Sd4 (Jan) 16. Dd3 (Tarek) Te8 (Martin) 17. Tac1 (Roman) Se6 (Andrea) 18. Tfe1 (Carsten)

Schwarz am Zug
  ABCDEFGH
t..dt.k.
bbb..bbb
...bsl..
........
.BL.B...
B.SD...B
.....BB.
..T.T.K.

Das Diagramm unterstreicht, daß beim Geländeschach ganz normale Stellungen entstehen. Von diesem Weg wird erst im 26. Zug abgewichen, wo ein böser Schnitzer die Partie verkürzt.

18. … Sf4 (Jan) 19. df3 (Niklas) Lc3: (Kai) 20. Dxf4 (Tarek) Lf6 (Martin) 21. Ld5 (Roman) c6 (Thomas) 22. Lb3 (Tarek) De7 (Thomas) 23. Tcd1 (Roman) Tad8 (Andrea) 24. Lc2 (Roman) Lg5 (Kai) 25. Dg4 (Stefan) De5 (Kai) 26. Td2 (Carsten) Lxd2 (Martin) 27. Td1 (Roman) Lf4 (Kai) 28. g3 (Stefan) Lg5 (Martin) 29. f4 (Niklas) Dc3 (Kai)

Gerade noch gesehen, da freut sich der Spielleiter.

30. Lb1 (Tarek) Lf6 (Kai) 31. e5 (Stefan)

Da schaufelt sich einer sein Grab …

31. … dxe5 (Jan) 31. Df5 (Tarek)

… und der nächste schaufelt es zu!

31. … Txd1+ (Martin)

Ernst gab die Partie auf – 0–1


Diese Variante ist in »Schach mal anders« aufgeführt.